Ährenmaus

 
Mus spicilegus

Die Ähremnaus ist im Osten Europas verbreitet und findet im Nordburgenland die westlichtse Verbreitungsgrenze. Den Winter verbringen die Tiere in Gruppen unter selbst angelegten Vorratshügeln, die auf den Feldern und Äckern gut sichtbar sind.

 

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Vorratshügel

Die Ährenmaus ist ein nur im Osten Europas vorkommendes Nagetier1, dessen Verbreitungsgebiet im Osten Österreichs mit dem Nordburgenland die westliche Grenze erreicht und das sich im Osten bis ans Schwarze Meer und im Süden bis Albanien ausdehnt.2

Der Pelz der Ährenmaus ist an der Oberseite gelblichgrau und unterseitig weißlich. Sie wiegt um die 16g und misst vom Kopf bis zum Schwanzansatz etwa 8 cm, wobei der Schwanz ca 2/3 so lang ist wie der Körper. 

Lebensweise

Die Ährenmaus ist nachtaktiv. Im Winter bildet sie Gemeinschaften aus 2 bis 11 Tieren, zu denen Familien aber auch Einzeltiere gehören. Gemeinsam legen sie von August bis November einen Vorratshügel an, indem sie Sämereien verschiedener Pflanzen sammeln und diese mit Erde bewerfen. Die Mäuse verbringen den Winter in einem Erdbau unter dem Hügel, von wo aus sie auf ihr Nahrungsreservoir zugreifen können. Die Vorräte, die in den Hügeln gesammelt werden, sind trockene und reife Samenkörner, die meist nur von 1-2 verschiedenen Pflanzenarten stammen, zum Großteil Getreidearten oder Fuchsschwanzarten, Gänsefuß oder Geruchlose Kamille, Hirse, Lein, Sonnenblumen. Auch lose Maiskörner können als Nahrung dienen.

Das Anlegen der Vorratshügel erfolgt in Gemeinschaftsarbeit, die Tiere einer Hügelgemeinschaft tragen Samen auf einen Haufen bis ein Hügel entsteht. Es dauert nur wenige Tage, bis die Hügel einen Durchmesser von bis zu 30 cm und eine Höhe von 2 - 4 cm erreicht haben. Dann wird der Hügel zuerst mit Pflanzenmaterial und schließlich mit einer 5 - 15 cm dicken Erdschicht aus der direkten Umgebung des Hügels bedeckt. Einzelne Hügel können sehr groß werden und eine Fläche von 2 - 3 m² und eine Höhe von 0,5 m erreichen. Die Hügel sind ein wichtiges Kriterium bei der Kartierung der Ährenmausbestände. Der Wohnbau unter dem Vorratshügel besteht aus 2 - 3 cm breiten, im Querschnitt annähernd kreisrunden Gängen und 1 - 3 ausgepolsterten Nestkammern sowie einigen kleineren Kammern mit Vorräten.

Lebensraum und Gefährdung

Die Ährenmaus ist darauf angewiesen, in kurzer Zeit genügend Sämereien für den Bau des Hügels zu finden. Daher stellen moderne landwirtschaftliche Praktiken und zu „saubere“ Erntemethoden eine Gefährdung dar: Getreide wird zum Teil schon vor der Vollreife geerntet, meist verbleiben kaum mehr Ernterückstände auf dem Feld und das Feld wird direkt nach der Ernte neu bestellt5. Maismonokulturen und zu sauber abgeerntete Flächen bieten keine Nahrung für die Ährenmaus6, ebenso sind Trockenrasenflächen kein guter Standort für Vorratshügel, da nicht genügend reichlich samentragende Pflanzen zur gleichen Zeit reifen und Material zum Einlagern bieten. Geeignete Lebensräume für die Ährenmaus sind Ruderalflächen, extensiv bewirtschaftete und abgeerntete Getreideäcker, Sonnenblumenfelder, Brachen, Aufforstungsflächen, Windstreifen und ähnliche Flächen. Wildäcker, die als Nahrungsflächen für Wild eingesät und dann ohne weitere Bearbeitung im Jahresverlauf belassen werden, sind optimale Standorte für Vorratshügel der Ährenmaus, da sie meist auch weit entfernt von menschlichen Siedlungen angelegt sind und deswegen jagende Hauskatzen als Gefährdung wegfallen.

Im Seewinkel ist die Ährenmaus an verschiedenen Stellen zu finden, große Populationen sind auf der Parndorfer Platte beheimatet. Die Ährenmaus wird auf der Roten Liste als stark gefährdet geführt7.

Maßnahmen zum Schutz

Der Schutz der Ährenmaus muss in erster Linie im Schutz von vorhandenen Lebensräumen und der Bereitstellung neuer geeigneter Standorte bestehen. Da die Ährenmaus bei uns hauptsächlich auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ihre Hügel und Höhlen anlegt, ist es wichtig, in der Bearbeitung dieser Flächen Rücksicht auf die Vorratshügel und die Lebensweise der Ährenmaus zu nehmen. Dafür wäre es gut, einen Teil der Felder nach der Ernte im Herbst nicht umzubrechen, sondern erst im Frühjahr neu einzusäen. Bracheflächen bieten eine gute, durchführbare Möglichkeit, die Ährenmaus zu unterstützen, und die Strukturierung der Landschaft ist ein wichtiger Faktor für das Fortbestehen der Art. Das Anlegen von Wildäckern ist schließlich eine große Unterstützung für die Ährenmaus.

Literatur:

1   Naturschutzbund Burgenland, „Ziesel, Feldhamster und Ährenmaus im Burgenland“.

2   Kalmár, „Säugetiere“.

3   Höpflinger und Schliefsteiner, Naturführer Österreich.

4   Unterholzner, Willenig, und Bauer, „Beiträge zur Kenntnis der Ährenmaus Mus

     spicilegus Petenyi, 1882“.

5   Naturschutzbund Burgenland, „Ziesel, Feldhamster und Ährenmaus im Burgenland“.

6   Schmelzer und Herzig-Straschil, „Ziesel Feldhamster Ährenmaus - Endbericht zum

     Leader-Projekt Schutzprogramm Ziesel - Feldhamster - Ährenmaus“.

7   Naturschutzbund Burgenland, „Ziesel, Feldhamster und Ährenmaus im Burgenland“.

 

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