Alpenstrandläufer

Calidris alpina

Der Alpenstrandläufer ist neben dem Kampfläufer die zahlreichste durchziehende Limikolenart im Neusiedler See Gebiet. Im Herbst ist vor allem mit Jungvögeln zu rechnen, die Individuenzahlen können Tagesmaxima von mehreren hundert Exemplaren ausmachen. 

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Merkmale

Alpenstrandläufer sind in etwa so groß wie Stare und zeichnen sich durch einen langen, im vorderen Viertel leicht nach unten gebogen, schwarzen Schnabel aus. Im Brutkleid findet sich ein großer schwarzer Fleck am Bauch, anhand dessen man die Art schon aus großer Entfernung erkennen kann. Das Federkleid ist dunkelgrau bis schwärzlich, Scheitel und Rücken weisen breite, rötlichbraune Säume auf, der Unterbauch ist weiß mit feinen Strichen. Die Jungvögel weisen eine viel matter gefärbte Oberseite auf und sind von der Kehle bis zum Bauch dicht und fein gestrichelt. Im Winterkleid fehlt den Vögeln jeglicher Braunton, die Oberseite ist grau, die Unterseite weißlich. Alpenstrandläufer im Winterkleid sind allerdings im Seewinkel so gut wie nie zu sehen.

Lebensräume

Der Alpenstrandläufer ist ein typischer Brutvogel der Tundra und besiedelt hier Seggensümpfe und feuchte Wiesen mit Tümpeln, Torfmooren und Moos-Seggen-Wiesen. In Norwegen brüten Alpenstrandläufer bis in die mittlere alpine Zone in Höhenlagen von 1350 über NN. Dort zeichnet sich die Landschaft durch ein vielfältiges Mosaik trockener und nasser Stellen mit niedriger Vegetation aus. Im nördlichsten Teil des Verbreitungsgebiets brütet die Art in der Flechtentundra, an Stellen wo diese feuchtere Bereiche aufweist. Die Brutvögel in Mitteleuropa brüten auf kurzrasigen Salzwiesen und –weiden, direkt an den Küsten der Nord- und Ostsee sowie in deren unmittelbarem Hinterland. Wie im arktischen Brutgebiet benötigt der Alpenstrandläufer auch hier ein Mosaik aus kurzrasiger Vegetation mit Deckung bietenden Bülten oder Grasbüscheln und tiefer gelegenen, unbewachsenen und möglichst schlammigen Bodenstellen. Am Zug und im Winterquartier ist der Alpenstandläufer, wie die meisten anderen Calidris-Arten, auf wenig bewachsene bis unbewachsene Schlick- und Schlammflächen angewiesen.

Verbreitung

Global und national

Der Alpenstrandläufer ist in den arktischen und subarktischen Regionen Eurasiens und Nordamerikas ein weit verbreiteter Brutvogel. In Europa brütet die Art auch in gemäßigten Breiten, in den Küstengebieten der Ostsee.

Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf 350.000 bis 570.000 Brutpaare geschätzt. Die Mehrzahl davon, nämlich 200.000 bis 300.000 Brutpaare, brüten auf Island, sie gehören zur Unterart schinzii. 15.000 bis 130.000 Brutpaare, die zur Nominatform gehören, brüten im europäischen Teil Russlands. Große Populationen gibt es außerdem auf Grönland (7.000 bis 15.000 BP), in Norwegen (30.000 bis 40.000 BP), Schweden (30.000 bis 50.000 BP) und Großbritannien (18.000 bis 35.000 BP). Der mitteleuropäische Brutbestand ist sehr klein. In Deutschland brüteten 2012 nur mehr vier Brutpaare, in Polen gab es um das Jahr 2000 zwischen 10 und 20 Brutpaare. In Belgien und den Niederlanden kamen vor einigen Jahren noch bis zu sieben Brutpaare vor.

Zu den Zugzeiten kommt der Alpenstrandläufer in großer Zahl an vielen mitteleuropäischen Küsten und im Wattenmeer vor, im Binnenland ist er vergleichsweise selten zu beobachten. Die Winterquartiere finden sich überwiegend an den Küsten der nördlichen Hemisphäre. Zu den Überwinterungsgebieten zählen die Küsten vom Nordwesten Europas bis zum Westen Afrikas, sowie der Mittelmeerraum und die südlichen Küsten Asiens. Wichtige europäische und afrikanische Konzentrationspunkte im Winterhalbjahr sind neben der Nordseeküste die Küsten Großbritanniens und Irlands und auch die Atlantikküsten Frankreichs und Westafrikas bis Mauretanien.

Wanderungen

Der Alpenstrandläufer nutzt, je nach Verbreitung verschiedene Zugwege. Die Art ist am gesamten Black Sea/Mediterranean Flyway der häufigste Strandläufer. Aufgrund der hohen Ortstreue haben sich im Gegensatz zu nomadischen Arten, wie z. B. dem Sichelstrandläufer, mehrere Unterarten herausgebildet. C. a. alpina zieht hauptsächlich über Ost- und Nordsee nach Westeuropa und teils weiter nach Nordwestafrika. Ein Teil jedoch zieht von der Ostsee direkt über Mittel- und Osteuropa ans Mittelmeer. C. a. centralis zieht direkt über Russland ans Schwarze und Kaspische Meer, in den Mittleren Osten und ans östliche Mittelmeer. Im Gegensatz zu der mehr als 1 Million Individuen umfassenden alpina-Population, werden der Unterart centralis lediglich einige hunderttausend Individuen zugeschrieben

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren wurde die Art als "ein regelmäßiger und nicht seltener Durchzügler im Herbst und Frühjahr“ bezeichnet, allerdings blieben die Zahlen sehr stark hinter denen späterer Jahrzehnte zurück. Auch in den frühen 1950er Jahren wurde der Alpenstrandläufer als häufiger und regelmäßiger Durchzügler eingestuft, der im Herbst in größerer Zahl als im Frühjahr auftritt. Allerdings wurden dabei nicht mehr als 200 Exemplare gezählt. Verglichen mit der heutigen Situation ergaben die Auswertungen der (zufällig erhobenen) Beobachtungen aus den 1960er Jahren etwas unterschiedliche zeitliche Zugverhältnisse und viel geringere Zahlen. 

Aktuelle Erhebungen

Der Heimzug im Seewinkel beginnt mit einzelnen Vögeln und kleinen Trupps ab Mitte März. Die ersten größeren Trupps erscheinen dann ab Anfang April, danach sind am Heimzug befindliche Alpenstrandläufer bis Ende Mai im Seewinkel zu sehen. Das Zugdiagramm lässt mehrere Gipfel erahnen, die im April nordosteuropäischen alpina zuzurechnen sind, im Mai dann den viel weiter nördlich brütenden sibirischen centralis. In fast allen Jahren sind daher auch zwei Gipfel am Heimzug zu bemerken, nämlich einer im April und einer in der zweiten Maihälfte. Die beiden Durchzugswellen erreichten in den Jahren 1995 - 2001 Maxima von 400 bzw. 400 - 500 Individuen. In den meisten dieser Jahre, ist der zweite Gipfel stärker ausgeprägt. Der späte Zeitpunkt des zweiten Gipfels, lässt auf eine weit im Osten gelegene Herkunft der Vögel schließen. Die längsten Schnäbel gefangener Vögel liegen im Bereich von centralis, womit gesichert scheint, dass zumindest ein kleiner Teil, der im Mai durchziehenden Alpenstrandläufer zu dieser Unterart gehört. Der unauffällige, von Mitte Juli bis Anfang Oktober andauernde Wegzug der Altvögel, brachte 1995 - 2001 im Schnitt nur 20 - 40 Exemplare ins Gebiet.

Der Jungvogelzug setzte 1995 - 2001, nach einzelnen früheren Vögeln im August, erst ab Anfang September voll ein und dauerte bis Anfang November. Dabei wurden im Seewinkel regelmäßig, (für einen Binnenlandrastplatz sehr gute Zahlen) 400 - 900 Exemplare festgestellt. Das Maximum für diesen Zeitraum lag sogar bei knapp 1.400 Vögeln.

Die systematischen Zählungen am Frühjahrszug der Jahre 2011 - 2014 ergaben zwei Jahre mit durchschnittlichen Beständen (321 Ex. im Jahr 2011 und 282 Ex. im Jahr 2013) und zweimal Zahlen, welche die Maxima der Jahre 1995 - 2001 deutlich übertrafen. 2012 wurde der bislang bei Weitem höchste Wert am Heimzug erreicht, mit 942 Exemplaren, die bereits vergleichsweise früh (am 13.5.) gezählt wurden. 2014 wurden am 10.5., also ebenfalls sehr zeitig, bereits 649 Alpenstrandläufer erfasst. Die jeweils eine Woche darauf durchgeführten Zählungen, an denen eigentlich der Zuggipfel zu erwarten gewesen wäre, fielen hingegen in beiden Jahren sehr viel schwächer aus (z. B. 193 Ex. im Jahr 2014). Der Wegzug der Altvögel erbrachte 2011 - 2014 die zu erwartenden geringen Bestände von 20 - 50 Exemplaren. Der Jungvogel-Durchzug war 2011 mit maximal 614 Vögeln sehr gut, 2012 und 2014 mit 398 und 299 hingegen unterdurchschnittlich. 2013 lieferte hingegen Mitte Oktober mit 980 Individuen den zweitgrößten Herbstwert, der je im Seewinkel festgestellt wurde. Die beiden größten Trupps (400 bzw. 320 Ex.) hielten sich an der Langen Lacke und am Illmitzer Zicksee auf. Aufgrund des milden Winters konnten Alpenstrandläufer 2013 auch sehr lange an den eisfreien Lacken ausharren. Die letzten zwei Exemplare wurden am 28.12.2013 am Illmitzer Zicksee beobachtet, was wohl der späteste Nachweis der Art im Seewinkel sein dürfte.

Bedeutung des Vorkommens

Für den Alpenstrandläufer ist der Seewinkel das bei Weitem bedeutendste Rastgebiet Österreichs.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die großen Alpenstrandläufer-Trupps hielten sich in den letzten Jahren einerseits in den Rinderkoppeln bei Illmitz und Apetlon auf, insbesondere in der Graurinderkoppel, sowie auf der Langen Lacke. Von gewisser Bedeutung war weiters auch der Illmitzer Zicksee.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Die Rastplätze im Seewinkel sind zumindest auf dem Papier als Teil des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel vor negativen Eingriffen geschützt. Allerdings kam es in den letzten Jahrzehnten aufgrund des durch niedere Grundwasserstände verursachten „Lackensterbens“ zu einem nicht zu unterschätzenden Verlust an Rastmöglichkeiten für den Alpenstrandläufer. Diese besonders niedrigen Grundwasserstände in den oft über mehrere Jahre hinweg andauernden Trockenphasen sind vermutlich im Wesentlichen durch Wasserentnahmen für die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen bedingt.

Langfristig ist daher die Sicherstellung eines günstigen Erhaltungszustands der verbliebenen Salzlacken eine zentrale Maßnahme für den Alpenstrandläufer und alle anderen durchziehenden Limikolen und Wasservögel im Seewinkel. Dazu zählt auch die Renaturierung von bereits degradierten Salzlacken. Im gesamten Neusiedler See Gebiet sollte eine möglichst große Amplitude an Wasserständen gegeben sein, um die kurzfristige Entstehung günstiger Rastmöglichkeiten zuzulassen.

Weiterführende Literatur

Kohler, B. & G. Rauer (2009): Bestandsgrößen und räumliche Verteilung durchziehender Limikolen im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel in den Jahren 1995-2001. Egretta 50: 14-50.

Laber, J. (2003): Die Limikolen des österreichisch/ungarischen Seewinkels. Egretta 46: 1-91.

Winkler, H. & B. Herzig-Straschil (1981): Die Phänologie der Limikolen im Seewinkel (Burgenland) in den Jahren 1963 bis 1972. Egretta 24: 47-69.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.