Branchinecta sp.

 

Branchinecta orientalis und Branchinecta ferrox sind zwei Kleinkrebsarten, die in den Salzlacken des Seewinkels anzutreffen sind. Man zählt beide Arten zu den sogenannten Urzeitkrebschen, die schon seit vielen Millionen von Jahren unseren Erdball besiedeln.Diese seltenen kleinen Lebewesen sind perfekt an die schwierigen Lebensbedingungen in den Sodalacken angepasst. 

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Die Urzeitkrebse sind eine uralte Krebsgruppe. Ab dem Auftreten von räuberischen Fischen vor zirka 300 Mio. Jahren haben sich die Urzeitkrebse in Gewässer mit extremen Bedingungen, in denen Fische nicht existieren können, zurückgezogen. Heutzutage leben Urzeitkrebse vorwiegend in periodisch austrocknenden und/oder stark salzhaltigen Gewässern.

Der Seewinkel ist neben den Donauauen und den Marchauen eines der drei bedeutenden Gebiete, in denen diese einzigartigen Krebstiere in Österreich aufzufinden sind. Branchinecta orientalis und Branchinecta ferrox sind zwei salzangepasste Arten, die im Frühjahr häufig in den Seewinkellacken angetroffen werden. Man zählt sie zu den sogenannten „Feenkrebschen“. Alle Vertreter dieser Gruppe schwimmen stets mit dem Rücken nach unten und den Beinchen nach oben durchs Wasser.

Um in den Salzlacken überleben zu können, bilden die Krebschen Dauereier. Diese können extreme Trockenheit, Hitze und Kälte überstehen, während die erwachsenen Tiere bei der Austrocknung der Lacken sterben. Aber nicht nur die periodisch wiederkehrende Trockenphase, auch der hohe Salzgehalt in den Lacken stellt eine Herausforderung dar. Generell unterscheidet man verschiedene Formen der Salzangepasstheit von Organismen:

„Schwach salztolerante Arten“ sind vorwiegend Süßwasserarten, die aber auch leichte Salzgehalte ertragen können. Steigt die Konzentration zu sehr an, sterben sie ab. „Salztolerante Arten“ können auch hohe Salzgehalte ertragen. Sie sind echte „Alleskönner“, die auch im Süßwasser anzutreffen sind. Darüber hinaus gibt es aber auch noch „salzliebende Arten“, die ausschließlich in salzigen Gewässern vorkommen. Dabei unterscheidet man „wahllos halophile“ Arten, die keiner bestimmten Salzzusammensetzung den Vorzug geben. Branchinecta ferox und Branchinecta orientalis sind hingegen ausgemachte Sodaspezialisten.

Am Besten beobachten kann man diese kleinen Tierchen im Rahmen einer Mikrokosmos-Exkursion im Frühjahr – dabei kann man die ca. 4 cm großen Krebschen unter dem Mikroskop bestaunen.

Um die einzigartigen kleinen Lebewesen vor dem Aussterben zu bewahren, sind Schutzmaßnahmen zum Erhalt ihres Lebensraumes notwendig. Gingen die Salzlacken verloren, so wäre eines der wenigen Vorkommen von Branchinecta sp. in Österreich erloschen.

 

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