Bruchwasserläufer

Tringa glareola

Der Bruchwasserläufer ist sowohl am Frühjahrs- als auch am Herbstzug in - vermutlich auch international - bedeutender Anzahl im Seewinkel anzutreffen. Bei guten Wasserständen ist die Art aber auch überall an den stärker verwachsenen Lacken zu finden. Einer der besten Beobachtungsplätze ist dann das Südufer des Illmitzer Zicksees.

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Merkmale

Die Gestalt des Bruchwasserläufers ist ähnlich der des Rotschenkels, am ehesten ist er aber mit dem Waldwasserläufer zu verwechseln. Der Bruchwasserläufer ist am Rücken heller und hat auf der Oberseite größere helle Flecken. Brust und Flanken sind spärlicher gestrichelt als beim Waldwasserläufer. Der Schwanz weist eine feine Querbänderung auf, beim Waldwasserläufer ist diese grob. Die Beine sind grünlich bis grün-gelblich gefärbt. Typisch ist der, beim Abfliegen zu hörende Ruf, der aus einer Reihe von gleich hohen Pfeiftönen besteht („gif gif gif“).

Lebensräume

Während des Frühjahrs werden vor allem Bereiche mit seichtem Wasser genutzt, die locker mit Binsen, Simsen und Seggen bestanden sind. Solche Gebiete finden sich in den weiträumigen Wiesengebieten im Süden des Seewinkels, wenn diese im Frühjahr überschwemmt sind oder am Rand von Röhrichtflächen. Vom Bruchwasserläufer frequentierte Lebensräume weisen zumeist trübstoffarmes Wasser auf. Bei niederen Wasserständen weichen die Vögel verstärkt in offenere Gewässerabschnitte aus, halten sich aber dann häufig im Bereich von Algenwatten und Verlandungsvegetation auf, die ebenfalls zu einer Verminderung der Wassertrübe führen.

Verbreitung

Global und national

Der Bruchwasserläufer besiedelt ein weitläufiges Verbreitungsgebiet, das sich quer durch die Paläarktis von Skandinavien bis nach Ostsibirien zieht. Der mittelgroße Watvogel brütet hier schwerpunktmäßig in Mooren der nördlichen borealen Zone und ist auch noch in subarktischen Bereichen in der Waldtundra häufig. Nach Süden hin wird die Art rasch seltener und das Areal splittert sich stark auf. In den gemäßigten Bereichen finden sich nur mehr Randvorkommen. In Europa beschränken sich Brutvorkommen weitgehend auf Skandinavien, Nordrussland und das Baltikum. In Dänemark, Polen und in Schottland finden sich nur sehr kleine Bestände. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 350.000 - 1.200.000 Paare geschätzt.

Wanderungen

Der Bruchwasserläufer ist ein Langstreckenzieher, der das Mittelmeer und die Sahara überquert. Die Überwinterungsgebiete liegen in Westafrika vom Senegal bis ins Tschadsee-Becken und in Ostafrika und reichen südlich bis nach Südafrika. Wie Ringfunde zeigen, stammt ein großer Teil der im Seewinkel vorkommenden Durchzügler aus Finnland und Skandinavien. Der Frühjahrsdurchzug erstreckt sich von April bis Mitte Mai, der Herbstzug beginnt Ende Juni/Anfang Juli und endet im September. Der Wegzug ist, aufgrund unterschiedlicher Durchzugsperioden von Alt- und Jungvögeln, zweigeteilt. Altvögel ziehen ab Mitte/Ende Juni bis Ende Juli/Anfang August durch, erreichen aber schon Ende Juni/Anfang Juli ihr Maximum. Die ersten Jungvögel treten Mitte Juli auf, ihr Durchzug erreicht Ende Juli/Anfang August seinen Höhepunkt.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren war der Bruchwasserläufer häufiger und regelmäßiger zu beobachten als der Waldwasserläufer. Es wurden damals sowohl Einzelexemplare als auch kleine Trupps von 10 bis 30 - 40 Exemplare festgestellt. In den frühen 1950er Jahren war die Art ein regelmäßiger und häufiger Durchzügler, von Anfang April bis Mitte Mai sowie von Mitte Juli bis Mitte Oktober. Für Mitte der 1960er Jahre wurde der Bestand auf 300 - 700 Exemplare geschätzt, mit der Anmerkung, dass die Art wegen der Bevorzugung von verkrauteten Lacken und Überschwemmungsflächen nur schwer zu erfassen ist.

Aktuelle Erhebungen

Im Seewinkel nahm der Bruchwasserläufer  in den Jahren 1995 - 2001 in der Häufigkeitsskala der durchziehenden Limikolen die neunte Stelle ein. Die Maximalbestände lagen im Frühjahr zwischen 89 und 487 Exemplaren. Die Maximalzahlen am Wegzug schwankten 1995 - 2001 zwischen 94 und 380 Individuen.

Demgegenüber erbrachte das aktuelle, seit 2011 laufende Zählprogramm im Rahmen des Vogelmonitorings im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel wesentlich höhere Zahlen, die wohl einerseits auf günstige Wasserstände, andererseits aber auch auf eine nachhaltige Verbesserung der Lebensraumbedingungen zurückzuführen sind. Die Maximalzahlen (jeweils Heim/Wegzug) lagen 2011 bei 941 und 668, 2012 bei 348 und 329, 2013 bei 283 und 535 und 2014 bei 547 und erstaunlichen 1.451 Exemplaren. Damit kam es sowohl am Frühjahrs- wie auch am Herbstzug zu einer Verdoppelung bis Verdreifachung der im Gebiet erfassten Rastbestände im Vergleich zu 1995 - 2001. Diese starke Zunahme ist, wie bei den durchziehenden Schwimmenten, auf die Existenz der Beweidungsflächen in der landseitigen Seerandzone zwischen dem Neudegg und Illmitz zurückzuführen, wodurch großflächig zumindest bei normalen bis hohen Pegelständen des Neusiedler Sees optimale Bedingungen für rastende Bruchwasserläufer entstanden sind. Der Großteil der rastenden Vögel wurde im Bereich dieser Pferde- und Rinderkoppeln festgestellt.

Weiters ist davon auszugehen, dass der Schilfgürtel des Neusiedler Sees vor allem in trockenen Jahren alternativ zum Seewinkel größere Bedeutung für durchziehende Bruchwasserläufer hat.

Bedeutung des Vorkommens

Der Bestand an Durchzüglern im Neusiedler See-Gebiet ist im Frühjahr und nunmehr auch im Herbst vermutlich international bedeutend, da auch an anderen wichtigen europäischen Rastplätzen die Zahlen in der Größenordnung des Seewinkel Bestandes liegen.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die Pferde- und Rinderkoppeln am Ostufers des Neusiedler Sees zwischen dem Neudegg und Illmitz (Graurinderkoppel, Wasserstätten, Sandeck, Warmblutkoppel) bieten die besten Beobachtungsbedingungen. Bei guten Wasserständen ist die Art aber auch überall an den stärker verwachsenen Lacken zu finden. Einer der besten Beobachtungsplätze ist dann das Südufer des Illmitzer Zicksees.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Der Verlust an geeigneten Feuchthabitaten ist für den Bruchwasserläufer trotz einer gewissen Flexibilität in der Rastplatzwahl der wichtigste Gefährdungsfaktor. Obwohl durch Trockenlegung, Intensivierung und Umbruch schon fast alle, nicht unter Schutz stehenden Feuchtwiesen vernichtet worden sind, gehen durch die fortlaufende Verfüllung von Nassstellen im Ackerland weiterhin ständig Rast- und Nahrungsflächen verloren. Diese Verluste passieren zwar nach wie vor auch im Nordburgenland, es ist aber davon auszugehen, dass Lebensraumverbesserungen (durch die Beweidung in den landseitigen Verlandungsbereichen des Neusiedler Sees) derzeit allfällige negative Effekte kompensieren.

Langfristig ist die Sicherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der verbliebenen Salzlacken eine zentrale Maßnahme für den Bruchwasserläufer und alle anderen durchziehenden Limikolen und Wasservögel im Seewinkel. Dazu zählt auch die Renaturierung von bereits degradierten Salzlacken. Im gesamten Neusiedler See Gebiet sollte eine möglichst große Amplitude an Wasserständen gegeben sein. Weiters ist die Sicherstellung der Störungsfreiheit der wichtigen Rastplätze von zentraler Bedeutung, insbesondere im Seerandbereich zwischen dem Neudegg und Illmitz. Die Beweidung im Seerandbereich sollte im bisherigen Ausmaß weiter geführt werden. Die Einrichtung weiterer Weideflächen an geeigneten Stellen am West- und Nordufer des Neusiedler Sees ist vorzusehen.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Festetics, A. & B. Leisler (1970): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (III. Teil: Möwen- und Watvögel, IV. Teil: Sumpf- und Feldvögel). Wiss. Arb. Burgenland 44: 301-386.

Kohler, B. & G. Rauer (2009): Bestandsgrößen und räumliche Verteilung durchziehender Limikolen im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel in den Jahren 1995 - 2001. Egretta 50: 14-50.

Laber, J. (2003): Die Limikolen des österreichisch/ungarischen Seewinkels. Egretta 46: 1-91.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.