Dornige Hauhechel

Ononis spinosa

Die Dornige Hauhechel ist ein sogenannter Weidezeiger: Aufgrund ihrer Dornen wird sie von Weidetieren nicht gerne gefressen und hat so auf beweideten Standorten einen Kokurrenzvorteil gegenüber anderen Arten. Die rosablühende, verholzende Pflanze gehört zur Familie der Schmetterlingsblütler und hat die Fähigkeit, in Symbiose mit Knöllchenbakterien den Stickstoff der Luft zu binden und damit in den Boden einzubringen.

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Die dornige Hauhechel gehört zur Familie der Schmetterlingsblütler. Sie ist ein ausdauernder Halbstrauch, der zum Teil verholzt und bis zu 60 cm hoch werden kann. Die Stängel sind behaart und tragen Dornen, die oft paarweise auftreten. Die auffallenden Blüten sind rosa bis hellrot und manchmal auch weiß,1 die Blütezeit der Dornigen Hauhechel ist von Juni bis September.
Wie alle Leguminosen hat sie die Fähigkeit, durch Symbiose mit im Boden lebenden Bakterien Luftstickstoff zu binden und in den Boden einzubringen.
 
Wissenswertes
Die Dornige Hauhechel bietet für Insekten keinen Nektar an. Ihr Pollen ist jedoch eine wichtige eiweiß- und nährstoffreiche Nahrung für Insekten, die vor allem in der Larvenaufzucht benötigt wird. Wie bei vielen Schmetterlingsblütlern (etwa bei der im Seewinkel blühenden Spargelerbse) läuft die Bestäubung über ausgeklügelte Funktionen der Blüte ab: ein Pumpmechanismus und ein Klappmechanismus stellen sicher, dass die Blüte zeitgerecht bestäubt wird2. Die Blüte eines Schmetterlingsblütlers ist bereits auf den ersten Blick sehr eigenartig aufgebaut und bei allen Vertretern dieser Familie ähnlich. Die fünf Kronblätter sind verschiedenartig geformt: ein großes Kronblatt, das ziemlich aufrecht steht, die Fahne genannt; zwei Kronblätter, die fest verwachsen sind und eine Art Röhre bilden (das „Schiffchen“), und zwei Kronblätter, die dieses Schiffchen seitlich umgeben und verdecken, die „Flügel“. Die Staubblätter und der Griffel sind in dem Schiffchen vor Pollenräubern und Umwelteinflüssen geschützt. Die Flügel bieten sich als Landfläche für Insekten auf Nahrungssuche an, sie werden dabei durch das Gewicht des Insekts hinuntergedrückt und das Schiffchen wird sichtbar. Dabei wird der von den Staubblättern produzierte Pollen durch die nach vorne gedrücken Staubblätter aus der Spitze und Oberseite des Schiffchens herausgedrückt und auf den Bauch des Insekts geheftet. Beim nächsten Blütenbesuch tritt dann beim Hinunterdrücken des Schiffchens die Narbe nach oben hervor und der Pollen der Blütenbesucher bleibt dort kleben und bestäubt die Blüte3. Beim Abflug fällt der Druck des Gewichts weg, die Staubblätter und die Narbe sind wieder geschützt unter den Kronblättern der Blüte4. Zu den Insekten, die die Dornige Hauhechel bestäuben, gehören verschiedene Hummelarten, Wildbienen und die Honigbiene. Die Blätter der Dornigen Hauhechel dienen den Raupen einiger Schmetterlingsarten als Nahrung, etwa dem auf sie spezialisierten Hauhechelbläuling5.
 
Die Wurzel der Dornigen Hauhechel wurde als Heilpflanze bei Harnwegsinfekten oder volksmedizinisch gegen rheumatische Beschwerden verwendet.
 
Standort
Die Dornige Hauhechel wächst auf mageren Standorten, Böschungen und Weiden. Sie wird aufgrund ihrer Stacheln von Weidetieren nicht gerne gefressen. Da sie dadurch auf beweideten Flächen einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Pflanzen hat, ist sie dort sehr häufig zu finden – sie gilt als Weidezeiger. Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel wird sowohl mit Rinderherden, die mit einem Hirten nach einem speziellen Managementplan die Flächen abgrasen, sowie mit auf Koppeln gehaltenen Tieren beweidet. Dazu zählen Ungarischen Steppenrinder, Weiße Esel oder die Prszewalskipferde.
 
Beobachtung
Die Dornige Hauhechel kann überall gut beobachtet werden, wo beweidet wird, etwa auf den Flächen um die Illmitzer Zicklacke oder der Graurinderkoppel in Apetlon. Besonders reizvoll ist der ausgeschilderte Weg östlich der Langen Lacke, der direkt durch die Wiesenflächen führt und auch viele andere botanische Schönheiten zu bieten hat.
 
Literatur
1 Fischer, Blütenvielfalt im Pannonikum.
2 Hintermeier und Hintermeier, Blütenpflanzen und ihre Gäste - Teil 3.
3 Fitter, Blumen.
4 Schmeil, Pflanzenkunde.
5 Ebd.
 

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