Feldmannstreu

Eryngium campestre

Das Feldmannstreu ist ein Steppenroller im Seewinkel: Im Herbst bricht die steife und kugelförmige Pflanze am Stängel ab und wird vom starken Wind durch die ebene und baumfreie Landschaft getrieben. Dabei verliert sie ihre Samen und kann sie so über größere Entfernungen verbreiten. An Beweidung ist das Feldmannstreu durch harte, stachelige Strukturen gut angepasst – es wird von den Rindern verschmäht.

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Das Feldmannstreu gehört zur Familie der Doldenblütler, wie Karotten, Kümmel, Dill und viele andere Pflanzen unseres täglichen Gebrauchs. Es wird etwa 20 bis 50 cm hoch und hat eine sparrige, starre Struktur. Die silbrig-grüne Farbe der ganzen Pflanze und die bis zur Reife immer runder werdende Form stechen dem aufmerksamen Besucher ins Auge, die Blätter sind ledrig und stachelig, die Blüten in Köpfchen zusammengefasst und farblich unauffällig – die Blütezeit ist von Juli bis September. Die ganze Pflanze wirkt stachelig.1
Die Blüten des Feldmannstreus produzieren in der Blütezeit reichlich Nektar, was viele nektarliebende Bestäuberinsekten anlockt. Dazu zählen etwa verschiedene Wespenarten, Furchenbienen, Honigbienen oder Schwebfliegen. Auch der Pollen des Feldmannstreus wird von verschiedenen Wildbienenarten, z.B. Sandbienenarten, als Nahrung gesammelt.2
Zur Entstehung des deutschen Namens der Pflanze gibt es verschiedene Theorien: Eine Möglichkeit ist die Anspielung auf die Verwendung der Pflanze als Aphrodisiakum, eine andere deutet die Standhaftigkeit an, die das Feldmannstreu dem Wind entgegenstellt, eine dritte Möglichkeit weist auf den erzieherischen Effekt hin, den die Pflanze haben kann, wenn sie einem Mann als Reaktion auf seine Untreue ins Bett gelegt wird. Die Theorien sind damit sicher noch nicht erschöpft.
 
Wissenswertes
Das Feldmannstreu ist eine von mehreren Pflanzen im Seewinkel, die als „Steppenroller“ bezeichnet werden – genauso wie die Sichelmöhre (Falcaria vulgaris) oder der Kleine Faserschirm (Trinia glauca). Sie alle haben gemeinsam, dass die ganze Pflanze sich mit dem Wind fortbewegt, um die Samen im Umland zu verteilen. Beim Feldmannstreu bricht, wenn die Samen reif sind, bei einem kräftigen Windstoß die Pflanze an einer bestimmten Stelle am Stängel ab und wird mit dem Wind durch die flache Steppe des Seewinkels getrieben. Dabei werden die Samen herausgeschüttelt und verteilt. Für diese Verbreitungsstrategie ist die Landschaft hier gut geeignet – es gibt viel Wind, der die Pflanzen abbricht und weitertransportiert, die Landschaft ist eben und erlaubt die Bewegung mit dem Wind, und durch die Beweidung gibt es genügend offene, zusammenhängende Flächen, auf denen die Pflanze auch größere Entfernungen zurücklegen kann.3
Gegen Fraß durch Weidetiere ist das Feldmannstreu aufgrund seiner stacheligen Strukturen gut geschützt.
Die starre Form des Feldmannstreus, die die Verbreitung als Steppenroller erst ermöglicht, ist auch ein Schutz gegen Trockenheit, da ein Welken nicht mehr möglich ist.4 Der reifig wirkende Wachsüberzug wirkt als Verdunstungsschutz.
 
Schutzmaßnahmen
Das Feldmannstreu kann sich gegenüber anderen Pflanzen gut behaupten, wenn die Standortflächen beweidet werden. Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel gibt es verschiedene Beweidungsprojekte, wie die Weißen Esel beim Sandeck, die Graurinder und Wasserbüffel in Apetlon, die in Koppeln gehalten werden oder mehrere Rinderherden (Fleckvieh und Aberdeen Angus) in Illmitz und Apetlon, die mit einem Hirten unterwegs sind und gezielt nach einem Managementplan Flächen beweiden.
 
Beobachtung
Das Feldmannstreu ist im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel häufig zu finden, vor allem – aber nicht nur – auf Flächen, die beweidet werden, wie die Graurinderkoppel in Apetlon oder die Flächen um die Illmitzer Zicklacke und die Lange Lacke in Apetlon. Das Feldmannstreu blüht etwa von Juli bis September, ist aber auch vorher schon an den blau-bereiften, stacheligen Blättern gut zu erkennen. Im Herbst kann man die abgebrochene, steife Pflanze finden – bei starkem Wind rollt sie vielleicht auch gerade einfach vorbei.
 
Literatur
1 Fischer, Blütenvielfalt im Pannonikum
2 Hintermeier und Hintermeier, Blütenpflanzen und ihre Gäste - Teil 3
3 Fischer, „Ein Hauch Orient - pannonische Vegetation und Flora“
4 Albert, „Anpassungen von Pflanzen an trockene Standorte“

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