Fischotter

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Der Fischotter ist ein dämmerungs- und nachtaktiver Fischjäger. Der geschickte Schwimmer jagt aber nicht nur im Wasser, auch Kleinsäuger, Frösche, Vögel und andere Tiere zählen zu seiner Nahrung. Der Fischotter ist durch Umweltgifte, Bejagung und Verlust von Lebensraum in den letzten Jahrzehnten sehr selten geworden, inzwischen erholt sich die Population durch Umweltschutzmaßnahmen langsam.

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Der Fischotter, der zu den Marderartigen gezählt wird, ist ein einheimisches Säugetier, das früher im Seewinkel häufig war. In Mitteleuropa ist er heute bedingt durch Umweltgifte, Bejagung und auch Lebensraumzerstörung sehr selten geworden. Der Fischotter ist dämmerungs- und nachtaktiv, und dadurch schwierig zu beobachten. Das Vorkommen und der Bestand an Fischottern kann daher eher über Spuren der Tiere eingeschätzt werden – dazu zählen Nahrungsreste mit Fraßspuren, immer wieder aufgesuchte Fressplätze, oder Fußspuren, die aufgrund der Schwimmhäute zwischen den Zehen gut zu erkennen sind. Der verlässlichste Hinweis auf das Vorhandensein des Fischotters ist jedoch der Kot.
Der Fischotter nutzt sowohl natürliche Fließgewässer verschiedenster Größen als auch künstlich geschaffene Gewässer wie Stauseen, Fischteiche und ähnliches, solange in den Gewässern Fische zu finden sind.1 Die Stellen, an denen der Fischotter vom Land ins Wasser gleitet und wieder heraussteigt, werden immer wieder verwendet und daher auch ausgetreten – sie werden „Ottersteige“ genannt.
 
Der Fischotter kann in der Gesamtlänge – vom Kopf bis zum Schwanz – 120 bis 130 cm lang werden. Das Gewicht liegt zwischen 5 und 10 kg.2 Fischotter haben ein sehr dichtes Fell mit ca 50 000 luftgefüllten Haaren pro cm², das als Isolierung dient. Auffallend sind die langen Tasthaare um die Nase, die bei der Jagd im Dunklen oder in trüben Gewässern helfen, Fische aufzuspüren.3 Die 1-4 Jungen sind dier ersten 4 Wochen nach der Geburt noch blind. Sie werden in den ersten drei bis vier Monaten von der Mutter gesäugt und später mit fester Nahrung, vor allem Fischen, versorgt. Erst nach fast 3 Monaten werden die ersten Schwimmversuche gemacht. 4 Fischotter erreichen ein Alter von 10 bis 15 Jahren.
 
Lebensweise
Der Fischotter nutzt verschiedene Verstecke, je nach Jahreszeit, Alter oder Lebensraum bzw. umgebender Vegetation. Vor allem im Winter und Frühjahr, wenn die Vegetation noch nicht genügend Schutz bietet, werden unterirdische Nester gebaut, die nur vom Wasser aus zugänglich sind. Auf jeden Fall sind ungestörte Bereiche mit Sträuchern, Bäumen oder Schilf nötig.5 Der Körper des Fischotters ist gut an ein Leben im Wasser angepasst: beim Schwimmen schlängelt er den Rumpf, der kräftige Schwanz treibt den Fischotter an und die Hinterbeine steuern dabei. Bei der Jagd nach seiner Hauptnahrung, den Fischen, kann der Fischotter bis zu 10 Minuten tauchen. Neben Fischen gehören auch Kleinsäuger, Frösche, Vögel und andere Tiere zur Nahrung des Fischotters, die er großteils im Wasser, aber auch an Land jagt. In seinem Lebensraum muss während des ganzen Jahres Nahrung zur Verfügung stehen.
 
Gefährdung
Der Fischotter braucht in seiner Umgebung saubere Gewässer mit genügend Fischbestand. Diese Lebensräume werden aufgrund von Verbauung, Landwirtschaft und Tourismus immer seltener. Der Rückgang der Fischotter ist auch auf frühere Bejagung zurückzuführen: der Pelz war ein willkommenes Einkommen und der Fischotter als Fischfresser bei Fischern unbeliebt.6 In Österreich waren in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nur noch einzelne Vorkommen bekannt, seit einigen Jahren nimmt die Population wieder zu, sodass der Fischotter in Ostösterreich wieder fast flächendeckend vorhanden ist. Nach wie vor ist er auf der Roten Liste zu finden und ist geschützt – die Situation hat sich in den letzten Jahren aber etwas entschärft.7 Im Burgenland liegt die Gesamtzahl an Fischottern bei etwa 125 bis 150 Individuen, für den Neusiedler See gibt es bisher keine genauen Zahlen, unter anderem, weil die Besiedlung des Gebietes noch jung ist und weiter voranschreitet, und es auch keine Erfahrungen mit der Besiedlung eines Steppensees gibt.8
 
Maßnahmen zur Förderung
Um dem Fischotter einen Lebensraum zu bieten, sind großflächige Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung potentieller Habitate, Flüsse, Seen und Teiche, notwendig; in den letzten Jahren haben Bemühungen um die Verbesserung der Wasserqualität große Erfolge erzielt und die Bewahrung sauberer Gewässer ist eine Voraussetzung für die weitere Etablierung des Fischotters. Das Ausweisen von Schutzgebieten, um den Fischotter in seinem Lebensraum nicht zu stören, ist wichtig – der Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel bietet genügend Rückzugsmöglichkeiten, zu denen Menschen keinen Zutritt haben.
 
Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel ist der Fischotter zwar vorhanden, aber nur sehr selten zu beobachten. Spuren können am Südostufer des Sees, im Bereich des Hanságs und an der Langen Lacke gefunden werden. Die Begegnungen mit Fischottern passierten großteils in der Paarungszeit im Jänner und Februar9, wobei sich das Beobachten des Fischotters auch zu dieser Zeit aufgrund der Nachtaktivität und des unzugänglichen Lebensraumes im Wasser und im Schilfgürtel als sehr schwierig gestaltet.10
 
Literatur:
1 Kranz, „Zur Situation des Fischotters in Österreich - Verbreitung - Lebensraum - Schutz“.
2 Kranz, „Zur Situation des Fischotters in Österreich - Verbreitung - Lebensraum - Schutz“.
3 Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, Abteilung Naturschutz, „Fischotter in Niederösterreich -  Informationsbroschüre 2012“.
4 Elstner u. a., Unsere NATUR.
5 Kugler, „Die Säugetierwelt des Nationalparks - Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel Fertö-Hansag Nemzeti Park“.
6 Höpflinger und Schliefsteiner, Naturführer Österreich.
7 Kranz, „Zur Situation des Fischotters in Österreich - Verbreitung - Lebensraum - Schutz“.
8 Kranz, „Der Fischotter - Kartierung und Bestandsschätzungen“.
9 Kugler, „Die Säugetierwelt des Nationalparks - Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel Fertö-Hansag Nemzeti Park“.
10 Kalmár, „Säugetiere“.

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