Das Frühjahr

Das Frühjahr ist in vielerlei Hinsicht eine äußerst abwechslungsreiche Jahreszeit. Schon der Beginn lässt sich nur schwer datieren. Bereits Anfang März kann es vergleichsweise warm sein, allerdings sind kalte Tage mit Schneefall auch bis Mitte April möglich. Andererseits steigt das Thermometer oft schon im Mai auf Temperaturen jenseits der 30°C.

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Überschwemmte Wiesen im Frühjahr

Die Wasserstände der Lacken und des Neusiedler Sees sind nach den Niederschlägen des Winterhalbjahres im Jahresverlauf normalerweise am höchsten. Auch die tiefer gelegenen Wiesen und Weideflächen sind im Frühjahr mehr oder weniger großflächig überschwemmt. Mit zunehmender Temperatur und damit verbundener Verdunstung gehen die Wasserstände langsam zurück.

Nach dem Winter erreichen die Gewässer des Seewinkels ihren höchsten Wasserstand

Es ist unmöglich alle im Frühling auftretenden Naturereignisse hier zu erwähnen ohne den Rahmen bei weitem zu sprengen. Im Folgenden findet sich deshalb eine Auswahl interessanter Aspekte, was wiederum nicht bedeutet, dass hier nicht Erwähntes minder interessant ist.

Trappenbalz, die ersten Gänseküken, brütende und ziehende Watvögel (Limikolen), allerorts Vogelgesang, Froschkonzerte am Abend, blühende Wiesen, im Mai die Ankunft der Bienenfresser... Der Frühling im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel hat unzählige Aspekte und jeden Tag kommt etwas Neues dazu.

Kiebitz (Vanellus vanellus)

Schon Ende Feber kommen die ersten Kiebitze und Rotschenkel in den Seewinkel. Ab März kommen dann viele weitere Watvogelarten im Gebiet an: Säbelschnäbler, Uferschnepfe, Kampfläufer, Goldregenpfeifer... 

Spektakulär sind die akrobatischen Balzflüge der Kiebitze. Der Frühjahrszug der Watvögel dauert bei manchen Arten bis in den Juni und ist meist im Mai am stärksten und am besten zu beobachten.

Short-Clip "Der Kiebitz"

Kampfläufer (Philomachus pugnax)

Während die bei uns brütenden Arten wie zum Beispiel Kiebitz, Uferschnepfe, Rotschenkel und Säbelschnäbler schon ihre Jungen großziehen, sind andere Arten wie etwa der Sichelstrandläufer noch auf dem Weg in die nördlich gelegenen Brutgebiete. 

Der Seewinkel stellt eines der bedeutendsten Rastgebiete für Watvögel in Zentraleuropa dar und wird alljährlich von etwa 30 Limikolenarten aufgesucht.

Großtrappe (Otis tarda)

Eines der spektakulärsten Ereignisse aus ornithologischer Sicht stellt die Balz der Großtrappe dar. Die Hähne dieser schwersten flugfähigen Vogelart - sie erreichen bis zu 15kg Körpergewicht - tun ihr Möglichstes um bei den Hennen Eindruck zu schinden.

In Vollbalz, wenn das Gefieder geradezu umgestülpt wird, sieht ein Trapphahn wie ein großer, weißer Federball aus. Erst auf den zweiten Blick wird klar wo vorne und wo hinten ist.

Wasserfrösche (Rana sp.)

Der Frühling ist nicht nur Balz- und Brutzeit für Vögel sondern auch Laichzeit für die 11 im Gebiet vorkommenden Amphibienarten. Vor allem in feuchteren Jahren sind tagsüber vielerorts die Rufe der Rotbauchunken und Wechselkröten zu hören. Am Abend werden diese dann von Wasserfröschen und Laubfröschen übertönt.

Purpur-Königskerze (Verbascum phoeniceum)

Aus botanischer Sicht sind zum einen die Salzpflanzen, zum anderen die früh im Jahr blühenden Orchideenarten zu bewundern. Salzpflazen wie die Salzkresse oder der Queller können auf Böden wachsen wo andere Pflanzenarten aufgrund des hohen Salzgehalts nicht überleben. Orchideen benötigen im Frühjahr ausreichend Licht. 

Hier spielen die Beweidung und die Wiesenmahd eine Rolle. Durch diese Pflegemaßnahmen wird die Landschaft offen gehalten. Die Weide- und Mähtermine werden zeitlich so weit nach hinten verlegt, dass für Brutvögel und seltene Pflanzenarten ausreichend Zeit bleibt ihre Jungen durchzubringen beziehungsweise zu fruchten. Weitere botanische Besonderheiten im Frühjahr sind der Pannonische Milchstern, die Zwergschwertlilie oder die Purpur-Königskerze.