Grauammer

Emberiza calandra

Die Grauammer ist in der Kulturlandschaft des Seewinkels ein weit verbreiteter Brutvogel. Dementsprechend sind Beobachtungen in praktisch allen Teilgebieten des Nationalparks möglich.

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Merkmale

Die Grauammer ist ein kräftig gebauter Singvogel mit großem Kopf und einem kräftigem Schnabel. Das Gefieder ist unscheinbar und insgesamt einfarbig bräunlich, ohne auffallende Zeichnung. Der Schnabel ist (hell)gelb, die Beine sind (blass)rosa. Die Geschlechter sind gleich gefärbt. Der dreiteilige, trillernde und eher monotone Gesang kann mit dem Klirren eines Schlüsselbundes verglichen werden.

Lebensräume

Die Grauammer ist ein Brutvogel des offenen, baumarmen oder -losen Kulturlandes der Niederungen. In Mitteleuropa werden Ackerlandschaften, Wiesen, Getreide- und Hackfruchtfelder besiedelt. Regional sind deutlich unterschiedliche Biotoppräferenzen festzustellen. So bevorzugt die Grauammer in Mitteleuropa gebietsweise Mähwiesen in Riedlandschaften, die in Nord- und Westeuropa offensichtlich weitgehend gemieden werden. Charakteristisch für die Grauammer sind ausgeprägte Bestandsschwankungen, wobei bestimmte Gebiete jahrweise in hoher Dichte besiedelt sind und andere mit offensichtlich ähnlichen Lebensräumen unbesetzt bleiben.

Die wichtigsten Habitatstrukturen sind einerseits Singwarten sowie andererseits möglichst viele Randstrukturen, die sowohl als Neststandort als auch als Nahrungsgebiete genutzt werden. Besonders das Angebot an Singwarten spielt für Grauammern eine große Rolle, da der Gesang wahrscheinlich ausschließlich der Anlockung von Weibchen dient und hohe Singwarten die Ausbreitung des Gesanges begünstigen. In Territorien mit mehr Singwarten und gesangsaktiveren Männchen sind auch mehr Weibchen und flügge Jungvögel anzutreffen. Das Nest wird zumeist in dichter Bodenvegetation oder unter Stauden und Büschen angelegt, in Feldern auch in Bodenvertiefungen; seltener brütet die Art auch niedrig in Büschen.

Verbreitung

Global und national

Das Verbreitungsgebiet der Grauammer liegt fast zur Gänze in der Westpaläarktis, im Osten erreicht ihr Areal in Vorder- und Mittelasien den Iran und das nördliche Afghanistan. In Europa ist die Art in offenen Landschaften weit verbreitet, fehlt jedoch in Fennoskandien sowie in vielen Teilen Nordosteuropas weitgehend. Die Schwerpunkte des, auf mindestens 8 - 22 Millionen Brutpaare geschätzten europäischen Bestandes, liegen auf der Iberischen und Balkanhalbinsel sowie in Kleinasien. Besonders große Brutbestände von jeweils weit mehr als einer Million gibt es in Bulgarien, Rumänien und Spanien. Die Bestandsentwicklung der Art verläuft in Teilen Europas, vor allem im Westen aber z. B. auch in der Ukraine, in Griechenland und in der Türkei, negativ. Der österreichische Brutbestand wird derzeit auf 2.500 - 3.500 Brutpaare geschätzt, 1.000 - 1.500 davon brüten im Burgenland. Der österreichische Brutbestand ist derzeit stark rückläufig mit einem Bestandsverlust von ca. 50 % in den letzten 15 Jahren.

Wanderungen

Die Art ist Teil- oder Kurzstreckenzieher je nach Lage des Vorkommens im Brutareal. Die Brutreviere werden ab Juli verlassen, danach bilden die Vögel in günstigen Gebieten der weiteren Umgebung größere Schwärme und besetzen Schlafplätze in Feuchtgebieten, die häufig in Schilfbeständen liegen. Der Abzug erfolgt Ende September bis Ende Oktober. Das Überwinterungsgebiet reicht im Süden und Westen nur wenig über das Brutareal hinaus. Vom Klima her ungünstige Gebiete werden weitgehend verlassen und begünstigte Gegenden erhalten Zuzug. In Mitteleuropa werden die Brutreviere nach Auflösung der Schlafgemeinschaften je nach Witterung ab Ende Februar bis Anfang Mai besetzt.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Die Grauammer wird für das 19. und das frühe 20. Jahrhundert in allen historischen Quellen als häufiger Brutvogel des Neusiedler See Gebiets angegeben.

Aktuelle Erhebungen

Im Nordburgenland ist die Grauammer weit verbreitet und lokal häufig. Zu Beginn der 1990er Jahre lag der Bestand des Seewinkels bei 35 - 40 Revieren. Seither hat die Art sehr deutlich zugenommen, derzeit muss von einer Zahl von deutlich mehr als 100 Brutpaaren ausgegangen werden. Auch im restlichen Neusiedler See Gebiet ist die Art häufig, wenngleich nicht überall gleichmäßig verbreitet. Ein bedeutender Bestand von mehr als 100 Revieren findet sich am Truppenübungsplatz Kaisersteinbruch, im nordöstlichen Leithagebirge. Insgesamt ist derzeit im gesamten Gebiet mit 300 - 600 Brutpaaren zu rechnen.

Bedeutung des Vorkommens

Das Nordburgenland beherbergt die größten österreichischen Bestände der Grauammer.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Am besten ist die Art entlang des Güterwegs von Apetlon nach Frauenkirchen zu beobachten wo vom nördlichen Ortseingang von Apetlon bis zum Darscho alljährlich 6 - 10 singende Männchen zu finden sind. Weitere günstige Plätze sind das Südufer des Illmitzer Zicksees, das Ostufer der Langen Lacke sowie der Bereich um den Beobachtungs-Hochstandes bei der Graurinderkoppel.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Besonders schädlich für Grauammer-Bestände sind Flurbereinigungsmaßnahmen, denen wichtige Strukturelemente wie Feldraine, Ruderalflächen, Büsche, Einzelbäume, flache Mulden und Erhebungen zum Opfer fallen. Auch jede Intensivierung mit erhöhtem Dünger- und Pestizideinsatz, Entwässerungen und Düngungen in Grünlandgebieten, die nachfolgend viel häufigere Mahden in kürzeren Abständen und frühere Mahdtermine ermöglichen, frühes Umpflügen der Äcker oder Abbrennen der Getreidestoppeln sowie die Siedlungserweiterungen in dörfliche Randbereiche wirken sich negativ auf den Bestand aus.

Die Nahrungsbasis der Grauammer und anderer insektenfressender Vogelarten in Agrargebieten ist nur durch eine Einschränkung des Pestizideinsatzes langfristig zu sichern. Flächenstilllegungen wären in Zukunft noch zu forcieren. Von großer Bedeutung ist die Erhaltung und Neuschaffung von Biotopinseln in der Kulturlandschaft mit Wiesen- und Ruderalflächen, Hecken, Baum- und Buschgruppen.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M. & Zuna-Kratky, T. (1993) Zur aktuellen Situation ausgewählter Kulturlandvögel im Neusiedlersee-Gebiet. Vogelkundl. Nachr. Ostösterreich 4: 125-138.