Haustierrassen

Graurinder gewährleisten die Erhaltung der Pusztalandschaft

Bei der Beweidung im Rahmen des Nationalpark-Flächenmanagements kommen auch bedrohte alte Haustierrassen zum Einsatz. Das Ungarische Steppenrind, der Wasserbüffel, der Europäische Weiße Esel und das Mangalitza Schwein waren in früheren Jahrhunderten in der gesamten Region verbreitet. Die Weiterzucht in Nationalparks und Zoos stellt eine wichtige Stütze in der Erhaltung dieser Tiere dar. In Zusammenarbeit mit dem Zoo Schönbrunn (Wien) grasen auch Przewalskipferde im Seewinkel.

Große Herden haben die offene Landschaft der Kleinen Ungarischen Tiefebene, zu der das Ostufer des Neusiedler Sees zählt, über Jahrhunderte geprägt. Ob Wanderherden von Graurindern auf ihrem Weg in westeuropäische Städte, ob Dorfherden von Rindern, Pferden, Schweinen, Schafen und sogar Geflügel: sie haben nicht nur die wertvolle Kulturlandschaft entstehen lassen, sie sind selbst wertvolles Kulturgut. In den Jahrzehnten der Intensivierung und Mechanisierung der Landwirtschaft sind fast alle alten Haustierrassen an den Rand gedrängt worden, einige standen kurz vor dem Aussterben.

Mit der Erhaltung selten gewordener Biotope kann im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel die Verbreiterung der Genreserven mehrerer vom Aussterben bedrohter Haustierrassen verbunden werden. Auf diese Weise wird nicht nur Natur- sondern auch Kulturerbe bewahrt. Der Beweidungseinsatz wird in jedem Fall von der Nationalparkverwaltung koordiniert, die Betreuung der Tiere liegt zum Teil auch bei privaten Partnern. Derzeit gibt es in den Teilgebieten des Nationalparks Zuchtprojekte mit folgenden Tieren:

Ungarisches Steppenrind

Stand 2013 im Nationalpark: 300 Tiere
Beweidungsgebiet: Bewahrungszone Sandeck - Neudegg

Kennzeichen: silberweiß bis aschgrau, um Augen, Widerrist, Bauchseiten und Keulen insbesondere bei Stieren oft dunklere Färbung, die Kälber werden rötlich-gelb geboren, Auffallend lange, weitausladende Hörner, die bei Ochsen bis zu 80 cm lang werden können; Widerristhöhe 140 - 155 cm bei Stieren, 135 - 145 cm bei Kühen, Gewicht 500 - 950 kg, leichte Kalbung, rasches Wachstum der Kälber, die Jahresmilchleistung beträgt ungefähr 2000 kg, wird in letzter Zeit häufig mütterlicherseits zur Zucht von Mastrindern verwendet;

Verbreitung: Ungarn, in geringer Zahl in anderen mittel- und osteuropäischen Ländern;

Leistung: ausdauernd, hervorragendes Arbeitstier, krankheitsresistent, langlebig und anspruchslos;

Zuchtgeschichte: Die Ansichten über die Herkunft gehen auseinander. Es wird angenommen, dass entweder die Magyaren diese Rinder im 9. Jahrhundert aus Osteuropa mit sich brachten oder dass sie später aus dem Osten bzw. Süden (Balkan, Italien) kamen. Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert war dieses Rind bis weit über Ungarn hinaus eine sehr geschätzte Fleischrasse. Besonders begehrt war es in Italien, Österreich und Deutschland. Als im 19. Jahrhundert die Landwirtschaft intensiviert wurde, entstand aus dem Steppenrind ein hervorragendes Arbeitstier. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ging der Bestand zurück. Den tiefsten Stand erreichte er mit 187 weiblichen Tieren und sechs Bullen. Herdbuch ab 1931.

Wasserbüffel

Stand 2013 im Nationalpark: 47 Tiere
Beweidungsgebiet: Bewahrungszone Sandeck - Neudegg

Kennzeichen: in der Regel schwarz, hin und wieder Weißlinge, im Körperbau wesentlich kompakter als die indo-pakistanischen Milchbüffel

Alle Hauswasserbüffel (Kerabaus) stammen vom Asiatischen Wasserbüffel (Bubalus arnee, Arni) ab. Bei den Hauswasserbüffeln unterscheiden wir zwei Rassengruppen: Sumpfbüffel (Swamp type) und Milchbüffel (River type). Die Sumpfbüffel werden in erster Linie zur Arbeit, aber auch als Fleischlieferanten genutzt. Die Nutzung der Milch spielt allenfalls eine untergeordnete Rolle. Die Wasserbüffel der Türkei und Südosteuropas wurden und werden sowohl als Arbeitstiere als auch zur Milcherzeugung genutzt. Eine weitere Nutzungsmöglichkeit stellt das Fleisch dar.

 

Gerade in den Donauländern, in denen Wasserbüffel heute noch gehalten und gezüchtet werden, verlieren diese Tiere vielerorts immer mehr an Bedeutung als Zugtier. Man ist vorrangig an der Milchleistung interessiert, zumal Wasserbüffel im Vergleich zu den vom Auerochsen oder Ur abstammenden Hausrindern Zellulose verhältnismäßig gut aufschließen und bei der Ernährung auch allgemein weit geringere Ansprüche stellen.

In Ungarn werden besonders in der Hortobagy-Puszta und in der Nähe des Balaton Gruppen ursprünglicher Wasserbüffel erhalten. Sie wurden allerdings teilweise bereits aus Rumänien importiert. Der vergleichsweise kleine, kompakte, gedrungen gebaute westungarische Wasserbüffel, von dem es noch Reste im Bereich des Kis-Balaton und im Zoo Veszprem gibt, muß dabei heute als besondere haustierkundliche Rarität gelten. Dieser Wasserbüffel wird auch im Schönbrunner Tiergarten in Wien gehalten.

Europäische weiße Esel

Stand 2013 im Nationalpark: 30 Tiere
Beweidungsgebiet: Sandeck

Die Weißen Esel aus dem ehemaligen Österreich - Ungarn sind Esel mit unpigmentierter Haut sowie unpigmentierten Augen, die wegen der Stärke ihrer Iris hellwasserblau erscheinen. Ihr Haarkleid ist hellgelb gefärbt, sodass exakt von einer hellen Form des Flavismus gesprochen werden muss. Es sind Esel, die in der Vergangenheit besonders von reichen Gutsbesitzern des K.u.K.-Gebietes der Österreichischen - Ungarischen Monarchie gezüchtet wurden. Weltweit umfasst der Bestand aktuell etwa 150 bis 200 Tiere.

Mangalitza-Schwein, Wollschwein
Mangalitza Schwein, Wollschwein

Diese Herde wird privat von Jupp's Bierstüberl (Podersdorf) betrieben
Koppel in der Bewahrungszone Podersdorf - Karmazik
Link: www.mangalitza.at

Kennzeichen:
Haut schiefergrau, es gibt drei Farbschläge: das zahlenmäßig überwiegende blonde, das rote und das "schwalbenbäuchige" mit heller Unterseite; Rüsselscheibe, Lider und After schwarz, Ohren mittelgroß und nach vorn hängend, die Ferkel sind wie Wildschweinfrischlinge längsgestreift, Schulterhöhe von 75 (Sau) bis 85 cm, Gewicht bis 350 kg.

Verbreitung: Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und andere südost-europäische Länder, Schweiz 

Leistung: Speckschwein, verträgt durch die dichte Behaarung Kälte sehr gut, kommt aber bei Suhlmöglichkeit auch mit hohen Temperaturen gut zurecht, genügsam, geringe Wurfgröße, Zuchtreif mit 11 - 13 Monaten, 5-6 Ferkel pro Wurf 

Zuchtgeschichte: Geht zurück auf das serbische Sumadiasschwein. Das ungarische Mangalitzaschwein entstand durch Kreuzung dieser Rasse mit dem einheimischen Bakonyer-Schwein und dem Szalontaer-Schwein Mitte des 19. Jahrhunderts. Es wurde bewusst auf hohe Speckleistung gezüchtet. 1927 wurde der Landesverein der Mangalitzazüchter gegründet. In Ungarn werden Tiere auch als Genreserve gehalten.

 

Przewalski - Pferd

Stand 2013 im Nationalpark: 12 Tiere
Beweidungsgebiet: Seevorgelände
Link: www.takhi.org

Kennzeichen: Stämmiges, kompaktes Wildpferd im Typ eines Pony. Die Farbe variiert von falb mit grauem Anflug über rötlichgelb bis zu einem kräftigen Rotton. Mähne, Schweif und Beine sind schwarz, die Umgebung des Maules fast weiß (Mehlmaul). dunkler Aalstrich, angedeutete Schulterquerbinde, manchmal zebraartige Streifung an den Beinen, schwerer Kopf, kurze Ohren (Mausohren), auffallendes Merkmal ist die Stehmähne, die Widerristhöhe liegt bei 130 - 155cm


Verbreitung: In mehr als 1500 Exemplaren in Zoos und Wildparks, im letzten Verbreitungsgebiet der Art in der Mongolei an der Grenze zu China (in der Wüste Gobi zwischen Altai- und Tienschan - Gebirge) ausgerottet und erfolgreich wiederangesiedelt.


Zuchtgeschichte: Kam nach Höhlenmalereien noch in der Altsteinzeit auch in Westeuropa vor. Vermutlich durch intensive Verfolgung durch den Menschen (Nahrungskonkurrent für Haustiere, unerwünschter Deckpartner von domestizierten Stuten) in unwirtliche Gegenden abgedrängt. 1870 durch den russischen Asienforscher Przewalskij in der Mongolei entdeckt. 1899 und 1902 kamen insgesamt 58 Pferde in Gefangenschaft. Nur 11 dieser Tiere sind noch heute in den rezenten Blutlinien vertreten. 1947 wurde noch eine Stute eingefangen. Hinzu kommt eine mongolische Hauspferdestute. Die gesamte heutige Przewalski - Pferd - Zucht geht also auf 13 Ahnen zurück. Nur 31 Przewalski - Pferde überlebten den 2. Weltkrieg. Letzte freilebende Tiere wurden 1960 gesehen. Um die Art zu erhalten, führt man in Prag ein internationales Zuchtbuch, in das jedes Individuum eingetragen wird.