Kiebeitzregenpfeifer

Pluvialis squatarola

Das Auftreten des Kiebitzregenpfeifers im Nationalpark hängt stark von den jeweiligen lokalen Bedingungen ab. Besonders stark genutzt werden im Herbst die kahlen Schlammufer rasch abtrocknender Lacken. Gute Beobachtungsmöglichkeiten bieten meist das Gebiet um die Lange Lacke, der Illmitzer Zicksee oder der Obere Stinkersee.

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Merkmale

Im Prachtkleid ist das Gefieder auf der Unterseite einfarbig schwarz und auf der Oberseite schwarz mit hellen Säumen, dadurch wirkt diese insgesamt silbergrau. Im Flug sind die schwarzen Achselfedern sehr auffällig und unterscheiden die Art von anderen großen Regenpfeifern. Im Jugend- und Winterkleid ist die Oberseite weniger deutlich markiert, die Unterseite weißlich, Brust und Wangen sind sandfarben gefärbt und die Flanken schwach hellbraun gefleckt. Auffällig ist weiters der markante Überaugenstreif. Der kurze Schnabel und die Augen sind dunkel, die Beine sind grau gefärbt. Der Ruf des Kiebitzregenpfeifers ist laut und daher auffällig und klingt in etwa wie „pieüt“.

Lebensräume

Der Kiebitzregenpfeifer brütet hauptsächlich in der arktischen Tieflandtundra. Während des Winterhalbjahrs hält er sich an den Meeresküsten auf weiten Schlammflächen und Sandstränden auf. In Europa ist er im Binnenland nur in kleiner Zahl zu sehen, hier rastet er auf vegetationsarmen oder -losen Schlickflächen, wie sie in vom Menschen angelegten Staubecken, Anlandeflächen und auf Absetzbecken zu finden sind oder aber auch, wie im Seewinkel, an den vegetationsarmen Ufern von natürlichen Flachseen.

Verbreitung

Global und national

Das Verbreitungsgebiet des Kiebitzregenpfeifers reicht von der Ostküste des Weißen Meers (Kanin Halbinsel) bis zum Nordosten Sibiriens sowie von Alaska bis zur Baffin-Insel im nördlichen Kanada. Die Art ist im Winterhalbjahr weit verbreitet und unter anderem an den Meeresküsten im Nordwesten Europas, in der Nordsee und im Mittelmeer, an den Küsten Afrikas bis in den Süden Afrikas, am Mittelmeer. Ebenso ist er auch an den südlichen Küsten Asiens, in den Küstengebieten Ozeaniens, Australiens, Neuseelands und Nord- und Südamerikas zu finden.

Wanderungen

Kiebitzregenpfeifer sind Langstreckenzieher. Ringfunde belegen Zugstrecken von deutlich über 8.000 Kilometern. Die Brutplätze im hohen Norden werden etwa ab August verlassen. In Südafrika überwinternde Vögel verlassen diese Region im Zeitraum März bis Mai. An der Nordseeküste sind sie während des Heimzuges vor allem im April zu beobachten.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren wurde die Art nur vereinzelt beobachtet und es ergab sich damals kein klares Bild des Auftretens; zumeist wurden nur einzelne Vögel beobachtet, einmal aber auch ein kleiner Trupp von 15 Exemplaren. In den frühen 1950er Jahren wurden mehrfach ein bis drei, einmal auch acht am Herbstzug beobachtet und der Status der Art wurde mit „regelmäßiger, wenn auch nicht allzu häufiger Durchzügler“ angegeben.

Aktuelle Erhebungen

Der sehr schwache Frühjahrsdurchzug beginnt nicht vor Mai und erreicht um den 20. sein „Maximum“, einzelne Nachzügler können noch bis in den Juni beobachtet werden. Der Altvogeldurchzug im Herbst beginnt Ende Juli, gipfelt Mitte August und endet in der ersten Septemberhälfte, wobei am Anfang Weibchen überwiegen und später Männchen. Dies ist auf die Brutbiologie der Art zurückzuführen, da die Männchen länger im Brutgebiet bei den Jungvögeln bleiben. Ab dem 10. September beginnt der viel stärkere Jungvogelzug mit dem späten Maximum Anfang Oktober. Nachzügler können im Seewinkel ausnahmsweise noch bis Mitte Dezember beobachtet werden.

In den Jahren 1997 - 2001 wurden am Frühjahrszug mehrfach sieben bis zehn Exemplare gezählt, ausnahmsweise auch einmal 28. Der Wegzug der Altvögel umfasste in diesen Jahren zumeist nur einzelne (ein bis vier) Individuen, einmal waren es zehn. Der Wegzug der Jungvögel war zwischen Ende September und Anfang November mit regelmäßig 30 - 50 und mehrfach sogar 50 - 75 Vögeln um ein Vielfaches stärker ausgeprägt.

Die aktuellen Erhebungen der Jahre 2011 - 2014 erbrachten sehr unterschiedliche Ergebnisse. Im Frühjahr 2011, 2013 und 2014 wurde jeweils ein schwaches Ergebnis von ein bis fünf Exemplaren erreicht, 2012 war hingegen mit 14 Individuen überdurchschnittlich gut. In den seltenen Fällen, in denen es im Seewinkel zur Zeit des Zuggipfels der Kiebitzregenpfeifer zu Zugstau durch Schlechtwetterlagen kommt, können kurzfristig auch sehr viel größere Gruppen hier rasten. Ende Mai 2010 wurden z. B. bis zu 45 Vögel gezählt und am 17.5.2014 waren für einen Tag 35 Vögel auf der Graurinderkoppel anwesend, aber bereits am nächsten Tag weiter gezogen. Der Jungvogelzug war 2011 und 2014 mit Maxima von 35 und 27 Exemplaren durchschnittlich, 2012 mit nur zehn Individuen sehr schwach. 2013 wurde hingegen am 20.10. mit 99 Kiebitzregenpfeifern ein neuer Gebietsrekord erreicht; im Ostteil der Langen Lacke hielt sich an diesem Tag ein Trupp von 80 Vögeln auf!

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See-Gebiet ist der zahlenmäßig wichtigste und einzige regelmäßig genutzte Rastplatz des Kiebitzregenpfeifers in Österreich und daher von nationaler Bedeutung.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Das Auftreten des Kiebitzregenpfeifers im Nationalpark hängt stark von den jeweiligen lokalen Bedingungen ab. Besonders stark genutzt werden im Herbst die kahlen Schlammufer rasch abtrocknender Lacken. Das traditionell beste Gebiet ist die Lange Lacke, in manchen Jahren finden sich auch an der Oberen Halbjochlacke und am Oberen Stinkersee größere Gruppen; einzelne Vögel oder auch kleinere Gruppen sind immer wieder an anderen geeigneten Stellen zu finden, besonders an den größeren Gewässern wir z. B. dem Illmitzer Zicksee.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Die Rastplätze im Seewinkel sind zumindest auf dem Papier als Teil des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel vor negativen Eingriffen geschützt. Allerdings kam es in den letzten Jahrzehnten aufgrund des durch niedere Grundwasserstände verursachten „Lackensterbens“ zu einem nicht zu unterschätzenden Verlust an Rastmöglichkeiten für den Kiebitzregenpfeifer und viele andere an Feuchtgebiete gebundene Vogelarten. Diese besonders niedrigen Grundwasserstände in den oft über mehrere Jahre hinweg andauernden Trockenphasen sind vermutlich im Wesentlichen durch Wasserentnahmen für die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen bedingt.

Langfristig ist daher die Sicherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der verbliebenen Salzlacken eine zentrale Maßnahme für den Kiebitzregenpfeifer und alle anderen durchziehenden Limikolen und Wasservögel im Seewinkel. Dazu zählt auch die Renaturierung von bereits degradierten Salzlacken. Im gesamten Neusiedler See-Gebiet sollte eine möglichst große Amplitude an Wasserständen gegeben sein, um die kurzfristige Entstehung günstiger Rastmöglichkeiten zuzulassen.

Weiterführende Literatur

Kohler, B. & G. Rauer (2009): Bestandsgrößen und räumliche Verteilung durchziehender Limikolen im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel in den Jahren 1995-2001. Egretta 50: 14-50.

Laber, J. (2003): Die Limikolen des österreichisch/ungarischen Seewinkels. Egretta 46: 1-91.