Kolbenente

Netta rufina

Das Neusiedler See Gebiet ist das wichtigste Brutgebiet der Kolbenente in Österreich. Brutbestand und führende Enten sind am besten an den Lacken, z. B. am Unteren Stinkersee zu beobachten. Die zum Großteil aus Männchen zusammengesetzten mausernden Nichtbrütertrupps sind von Ende April bis Mitte Juni auf zahlreichen Lacken und auch auf den beweideten Koppeln im Seerandbereich gut zu beobachten. 

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Merkmale

Wie bei vielen Enten zeigt sich während der Brutzeit ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen ist dann prächtig gefärbt mit einem rostbraunen Kopf und einem auffällig roten Schnabel, an dem es auch im Schlichtkleid zu erkennen ist.

Lebensräume

Die Kolbenente brütet an eutrophen stehenden Gewässern, die ausgedehnte Flachwasserbereiche und einen breiten Röhrichtgürtel aufweisen. Ausschlaggebend ist ein reichhaltiges Angebot an Unterwasservegetation (Laichkräuter, Armleuchteralgen) als Nahrungsgrundlage für diese weitgehend auf pflanzliche Nahrung angewiesene Entenart. Die Nester liegen zumeist unmittelbar am Wasser im dichten Röhricht. Die Art brütete in Österreich vor 20 Jahren noch überwiegend an natürlichen Gewässern, begann aber seither auch stark verlandete Stauseen und vereinzelt Fischteiche zu besiedeln. Im Neusiedler See Gebiet herrschen optimale Lebensraumbedingungen, daher ist sie hier im Schilfgürtel nach der Stockente die zweithäufigste brütende Entenart. Im Seewinkel nutzt sie vor allem die größeren Lacken wie den Illmitzer Zicksee und die beiden Wörthenlacken und in den letzten Jahren auch den Unteren Stinkersee. Alle diese Gewässer zeichnet hoher Nährstoffreichtum und starkes Algenwachstum, sowie zumindest in Teilbereichen, eine starke Verschilfung aus.

Verbreitung

Global und national

Die Kolbenente hat im Vergleich mit den meisten anderen in Europa vorkommenden Entenarten einen weiter südlich gelegenen Verbreitungsschwerpunkt und ist in den gemäßigten und mediterranen Zonen in Europa, sowie in den Steppen- und Halbwüstengebieten in West- und Zentralasien zu finden. Der europäische Verbreitungsschwerpunkt liegt auf der Iberischen Halbinsel und in den Steppengebieten des europäischen Russlands. Überall anders kommt die Kolbenente an oft weit voneinander entfernten und daher isolierten Brutplätzen vor. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 27.000 - 59.000 Paare geschätzt, 80 % davon sollen damals auf Russland und Spanien entfallen sein.

Wanderungen

Bei der Kolbenente gibt es räumlich und genetisch klar getrennte Populationen, das Neusiedler See Gebiet gehört zur zentraleuropäischen/westmediterranen Population, deren Größe derzeit auf 50.000 Individuen beziffert wird. In den letzten Jahrzehnten kam es bei dieser Population zu großräumigen Verlagerungen der Mauser- und Überwinterungsplätze von der Iberischen Halbinsel nach Mitteleuropa, speziell die Schweiz und Süddeutschland.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Die Kolbenente fehlte im Neusiedler See Gebiet bis in die späten 1970er Jahre hinein als Brutvogel und wurde noch in den frühen 1950er Jahren als „sehr seltener Durchzügler“ eingestuft. Mitte der 1960er Jahre wurde von übersommernden Kolbenenten („unter 5 Paare“) berichtet, am Frühjahrs- und Herbstdurchzug sollten sich weniger als 50 Individuen im Gebiet aufhalten.

Der erste Brutnachweis im Seewinkel gelang 1979. 1981 - 1992 brüteten (nicht in allen Jahren) 2 - 5 Paare an den Lacken. Seit Beginn der 1990er Jahre brütet die Kolbenente regelmäßig im Lackengebiet mit einer alljährlich stark zwischen null und ca. 25 schwankenden Zahl an erfolgreich brütenden Weibchen. Seit Beginn der 1980er Jahre brütet die Kolbenente auch im Schilfgürtel des Neusiedler Sees. Der Brutbestand hat hier bis Mitte der 1990er Jahre stark zugenommen, Erhebungen in den Jahren 1995 und 1996 ergaben, dass die Art im Schilfgürtel nach der Stockente die häufigste brütende Entenart ist. Der Brutbestand wurde aufgrund dieser Daten Mitte der 1990er Jahre auf 100 - 200 Brutpaare geschätzt.

Aktuelle Erhebungen

Im Neusiedler See Gebiet wurden 1981 - 1992 (M. Dvorak u. a. im Auftrag der Biologischen Station)und seit 2007 (M. Dvorak, J. Laber, B. Wendelin) systematische Zählungen brütender durchziehender Wasservögel im Rahmen des Projektes „Vogelmonitoring im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel“ durchgeführt. Für die dazwischen liegenden Jahre liegen einige wenige Zufallsdaten vor, so gut wie nie handelt es sich jedoch um vollständige Zählungen.

Neuere Brutbestandsschätzungen liegen für das gesamte Neusiedler See Gebiet nicht vor, aber die systematischen Erhebungen an den Lacken und im Seevorgeländes zeigen, dass es in günstigen Brutsaisonen allein dort an die 50 führende Enten geben kann (Abbildung 1).

Neben den Brutvögel hält sich an den Lacken des Seewinkels und auch im Bereich der Koppeln im Seevorgelände des Ostufers ein bis vor wenigen Jahren alljährlich anwachsender Bestand an Nichtbrütern auf, der vorwiegend aus Männchen besteht, die im Gebiet von Ende April bis Mitte Juni ihr Kleingefieder mausern. Anfang der 1990er Jahre lag ihre Zahl bei ca. 200 Exemplaren. Im Verlauf der 1990er Jahre wuchs der Bestand beständig, 1997 waren ca. 400 - 600 Kolbenenten im Mai im Seewinkel. 2001 wurden mit maximal 1.047 Kolbenenten erstmals die 1000er Marke durchbrochen. Seither ist ein weiterer Aufwärtstrend feststellbar, allerdings unterbrochen in Jahren mit niedrigen Wasserständen an den Lacken wie 2002 - 2004 und 2011 - 2012. Das bisherige Maximum wurde 2010 mit über 2.500 Kolbenenten erreicht (Abbildung 2).

Abbildung 3 und 4 vermitteln einen Eindruck der großen Mengen von Kolbenenten die hier alljährlich durchziehen, und geben Aufschluss über deren zeitliche Verteilung im Gebiet.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet ist das wichtigste Brutgebiet der Kolbenente in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Brutbestand und führende Enten sind am besten an den Lacken, z. B. am Unteren Stinkersee zu beobachten. Die, zum Großteil aus Männchen zusammengesetzten mausernden Nichtbrütertrupps, sind (von Ende April bis Mitte Juni) auf zahlreichen Lacken und auch auf den beweideten Koppeln im Seerandbereich, vor allem zwischen Neudegg und Illmitz, gut zu beobachten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Außer zu niedrigen Wasserständen im Frühjahr sind derzeit keine Gefährdungsfaktoren für die Rast- und Brutbestände der Kolbenente zu erkennen.

Mögliche Managementmaßnahem sind die Sicherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der verbliebenen Salzlacken des Seewinkels für den Brutbestand. Für die durchziehenden und rastenden Kolbenenten bedarf es der Sicherstellung der Störungsfreiheit der wichtigen Rastplätze, insbesondere im Seerandbereich zwischen dem Neudegg und Illmitz, sowie ein Verbot von Überflügen mit niedrig fliegenden Kleinflugzeugen, in diesen Bereichen.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Dvorak, M. (1994): Schwimmvögel. Pp. 90-131 in G. Dick, M. Dvorak, A. Grüll, B. Kohler & G. Rauer: Vogelparadies mit Zukunft?. Ramsar-Bericht 3 Neusiedler See - Seewinkel. Umweltbundesamt, Wien. 356 pp.

Dvorak, M., E. Nemeth, S. Tebbich, M. Rössler & K. Busse (1997): Verbreitung, Bestand und Habitatwahl schilfbewohnender Vogelarten in der Naturzone des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel. Biol. Forschungsinstitut Burgenland - Bericht 86: 1-69.

Dvorak, M. & S. Tebbich (1998): Bestand, Bestandsentwicklung und Schutzsituation der Moorente (Aythya nyroca) im Neusiedler See-Gebiet. Ergebnisse von Bestandsaufnahmen in den Jahren 1996 und 1997. Bericht an die Biol. Station Illmitz und die Abt. IV (Naturschutz) des Amtes der Burgenländ. Landesregierung. BirdLife Österreich, Wien. 33 pp.

Festetics, A. & B. Leisler (1968): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (I.Teil: Biogeographie des Gebietes, II.Teil: Schwimmvögel.). Wiss. Arb. Burgenland 40: 83-130.

Keller, V. (2000): Winter distribution and population change of Red-crested Pochard Netta rufina in southwestern and central Europe. Bird Study 47: 176-185.

Triebl, R. (1981): Die Kolbenente Netta rufina Brutvogel im Seewinkel. Egretta 24: 82.

Wetlands International (2012):. Waterbird Population Estimates, Fifth Edition. Summary Report. Wetlands International, Wageningen, The Netherlands.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.