Krickente

Anas crecca

Die Krickente ist sowohl im Frühjahr als auch besonders am Herbstzug in großen Individuenzahlen im Neusiedler See Gebiet anzutreffen. Von großer Bedeutung sind dabei die Beweidungsflächen am landseitigen Rand des Schilfgürtels wo auch die besten Beobachtungsmöglichkeiten bestehen.

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Merkmale

Die Krickente ist die kleinste Entenart im Neusiedler See Gebiet. Das Männchen hat einen kastanienbraunen Kopf, auf dem sich beiderseits vom Auge ein breiter, glänzend grüner und bogenförmiger Streifen zieht, der bis in den Nacken reicht und von einem cremeweißen Rand eingefasst ist. Die Brust ist bei beiden Geschlechtern hell gefärbt.

Lebensräume

Die Krickente benötigt als Rastplatz seichte, eutrophe Stillgewässer mit frei liegenden oder nur sehr flach überfluteten Schlammflächen. Im Binnenland ist sie in großer Zahl an nährstoffreichen Flachseen zu finden, an den Meeresküsten bilden brackige Flachwasserlagunen die geeignetsten Lebensräume. In kleinerer Zahl kann die Art jedoch auch an anders gearteten Fließ- und Stillgewässern auftreten. Im Überwinterungsgebiet fliegen die Vögel vom Rastgewässer oft bis zu 20 km entfernt gelegene Nahrungsflächen an. Im Neusiedler See Gebiet dürften Nahrungs- und Ruhebiotope zumeist ident sein wenngleich die im Südteil des Sees rastenden Vögel wohl Nahrungsflüge unternehmen müssen, da hier unmittelbar keine geeigneten Nahrungsflächen vorhanden sind. Die Krickente ist ommnivor, allerdings zeigt die Zusammensetzung ihrer Nahrung jahreszeitlich, aber auch gebietsspezifisch große Unterschiede.

Verbreitung

Global und national

Die Krickente ist ein weit verbreiteter Brutvogel sowohl im nördlichen Eurasien als auch in Nordamerika. Sie besiedelt hier schwerpunktmäßig die Waldzone und nördlich davon auch die Wald- und Strauchtundra. In Europa reicht ihr Areal im Süden in Frankreich bis zu den Pyrenäen, die Alpen und an den Balkan sowie an die Nordküste des Schwarzen Meeres. In den südlich gelegenen Teilen des Areals tritt die Krickente aber überall nur in kleinen, isolierten Populationen auf, die zudem auch nur unregelmäßig besetzt sein können. Österreich und damit auch das Neusiedler See Gebiet liegen am Südrand des europäischen Brutareals. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 920.000 - 1.200.000 Paare geschätzt.

Wanderungen

Krickenten wandern von nördlich gelegenen Brutplätzen über weite Distanzen in die gemäßigten und mediterranen/subtropischen Zonen, Brutvögel milderer Klimate in Westeuropa können aber auch in den Brutgebieten verbleiben. Obwohl eine Einteilung in diskrete Populationen bei der Krickente nicht möglich ist wurde aus Zwecken der Übersichtlichkeit eine zentraleuropäische/schwarzmeer/mediterrane Population definiert, zu der auch das Neusiedler See Gebiet zählt. Der Bestand dieser Flyway-Population wird derzeit, wie bereits in den 1990er Jahren mit 750.000 - 1.380.000 Exemplaren angegeben.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den frühen 1950er Jahren war die Art „in geringer Zahl übersommernd und häufig durchziehend“.

Aktuelle Erhebungen

Im Neusiedler See Gebiet wurden 1981 - 1992 (M. Dvorak u. a. im Auftrag der Biologischen Station)und seit 2007 (M. Dvorak, J. Laber, B. Wendelin) systematische Zählungen brütender durchziehender Wasservögel im Rahmen des Projektes „Vogelmonitoring im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel“ durchgeführt. Für die dazwischen liegenden Jahre liegen einige wenige Zufallsdaten vor, so gut wie nie handelt es sich jedoch um vollständige Zählungen.

Die Krickente wurde bisher im Seewinkel nur einmal als Brutvogel nachgewiesen, für den Neusiedler See liegt kein Brutnachweis vor. Sie ist im Gebiet jedoch ein sehr häufiger Durchzügler sowohl im Frühjahr als auch im Herbst, in den Sommermonaten halten sich international bedeutende Bestände mausernder Vögel im Neusiedler See Gebiet auf.

Die Bestände rastender Krickenten haben im Neusiedler See-Gebiet in den letzten Jahrzehnten sowohl im Frühjahr als auch im Sommer und Herbst deutlich zugenommen.

Der Frühjahrszug beginnt mit Einsetzen der Eisschmelze Ende Februar/Anfang März und dauert bis Mitte Mai. 1981 - 1992 lag der Mittelwert aller Zählungen vom Heimzug (n = 11) bei 539 Individuen, das Maximum waren 1.115 Exemplare am 2.4.1987. Im Gegensatz dazu wurden in den Jahren 2008 - 2014 im Durchschnitt 2.776 Exemplare gezählt, was grob einer Verfünffachung des Bestandes entspricht! Die Zahlen schwankten dabei zwischen 1.500 und 5.000 Exemplaren, lediglich 2013 wurden außerordentliche Zahlen von rund 8.500 Krickenten im März und Anfang April erfasst.

Neben einigen wenigen Individuen, die auch während der Brutzeit von Mitte Mai bis Mitte Juni anwesend sein können kommen ab Mitte Juni wiederum kleine Trupps von bis zu mehreren Hundert Individuen ins Neusiedler See Gebiet um hier zu mausern. Während die Bestände im Juli zumeist noch bei 2.000 Exemplaren bleiben, wachsen die Zahlen im Verlauf des August sehr schnell an, was auf den raschen Einzug auswärtiger Populationen aus einem weiten Umkreis deutet. Im Spätsommer kam es in den Jahren 2006 - 2013 vor allem in den Seerandzonen zu international bedeutenden Ansammlungen von Krickenten: Mitte September bewegten sich die Zahlen zwischen 4.500 und 9.000 Exemplaren, in den sehr starken Jahren 2011 und 2013 wurden Anfang-Mitte September 12.500 - 13.500 bzw. 22.000 - 23.000 Krickenten gezählt.

Der Herbstzug kann in Abhängigkeit von den Wasserständen wie bei den anderen Wasservögeln unterschiedlich stark ausfallen. In den Jahren 1981 - 1992 wurden im November im Durchschnitt 901 Krickenten gezählt. In den Jahren 2006 - 2013 waren es hingegen im September im Mittel 9.250, im Oktober 5.436 und im November 6.090. Die Maximalzahlen am Wegzug erreichen bei guten Wasserständen an See und Lacken um die 10.000 Exemplare, 2007 wurden sogar mehr als 14.000 erreicht.

Der Südteil des Neusiedler Sees hat hingegen im Vergleich zur Seerandzone und zu den Lacken zahlenmäßig eine nur untergeordnete Bedeutung. In den 1980er Jahren konnten im November noch mehrfach 3.000 - 7.000 Vögel erfasst werden, im Rahmen der rezenten Zählungen zwischen 2006 und 2013 bewegten sich die Zahlen immer zwischen 700 und 1.700 Individuen.

Bedeutung des Vorkommens

Die Beweidungsflächen am landseitigen Rand des Neusiedler Sees zwischen dem Neudegg und Illmitz beherbergten in den letzten Jahren immer zwischen 50 und 80 % der Rastbestände sowohl im Sommer als auch am Frühjahrs- und Herbstzug. Sie sind daher von zentraler Bedeutung als Lebensraum für die Krickente im Neusiedler See Gebiet und haben auch die starke Bestandszunahme im Vergleich zu den 1980er Jahren ermöglicht. Hier sind die Krickenten auch am besten zu beobachten.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Im Neusiedler See Gebiet bieten die sehr seicht überfluteten Ufer der Lacken und der landseitigen Seeränder im Bereich der Pferde- und Rinderkoppeln optimale Bedingungen für die Krickenten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Derzeit sind keine Gefährdungsfaktoren für die Rastbestände der Krickenten zu erkennen. Sicherstellung der Störungsfreiheit der wichtigen Rastplätze, insbesondere im Seerandbereich zwischen dem Neudegg und Illmitz.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Dvorak, M. (1994): Schwimmvögel. Pp. 90-131 in G. Dick, M. Dvorak, A. Grüll, B. Kohler & G. Rauer: Vogelparadies mit Zukunft?. Ramsar-Bericht 3 Neusiedler See - Seewinkel. Umweltbundesamt, Wien. 356 pp.

Scott, D.A. & P.M. Rose (1996): Atlas of Anatidae Populations in Africa and Western Eurasia. Wetlands International Publication No. 41, Wetlands International, Wageningen. The Netherlands. 336 pp.

Wetlands International (2012):. Waterbird Population Estimates, Fifth Edition. Summary Report. Wetlands International, Wageningen, The Netherlands.