Moorente

Aythya nyroca

Der Schilfgürtel des Neusiedler Sees ist einer der wichtigsten Brutplätze der Moorente in Europa. Die Art führt eine sehr versteckte Lebensweise und ist daher nicht einfach zu beobachten. Möglichkeiten ergeben sich am ehesten im Bereich der beweideten Flächen der Seerandzone (z.B. Warmblutkoppel), oft auch am Einser Kanal bei der Brücke von Andau oder bei hohen Wasserständen auch an den zentralen Seewinkellacken.
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Merkmale

Im Prachtkleid ist das Gefieder des Moorentenerpels kastanienbraun, das des  Weibchens ähnlich, aber blasser. Der Moorentenerpel hat weiße Unterschwanzdecken und auch eine weiße Iris.

Lebensräume

Die Moorente brütet an nährstoffreichen Flachgewässern tiefer Lagen, die reichlich mit Verlandungsvegetation (Schilf, Rohrkolben, Simsen, Großseggen) umgeben sind und vielfach auch einen hohen Anteil an submerser Wasserpflanzenvegetation aufweisen. Geeignete Biotope sind großflächige Röhrichte mit eingestreuten freien Wasserflächen, von Röhrichten umgebene Fischteiche, gut bewachsene Kanäle mit langsam fließendem oder stehendem Wasser und reichlich verwachsene Altwässer in Überschwemmungsgebieten. Während in Bulgarien, Ungarn und Kroatien Fischteiche die wichtigsten Brutbiotope sind brütet die Art im Neusiedler See-Gebiet fast ausschließlich im Primärhabitat, was dem Vorkommen aus Naturschutzsicht einen besonderen Stellenwert verleiht. Am Neusiedler See lag die Wassertiefe an Stellen, die zur Nahrungssuche genutzt wurden, im Mittel bei 54,7 cm. Die meisten Beobachtungen gelangen im Schilfgürtel Bereich von Kanälen, die auch über einen weitaus höheren Nahrungsreichtum im Vergleich zu größeren Plänken aufwiesen.

Verbreitung

Global und national

Die Moorente ist schwerpunktmäßig in den Steppen- und Halbwüstengebieten der zentralen Paläarktis verbreitet, im Westen erreicht ihr Areal aber auch die Steppengebiete in Südrussland und in der Ukraine, die Westgrenze des regelmäßigen Brutvorkommens liegt am nördlichen Balkan und in der Kleinen Ungarischen Tiefebene, in Nordafrika wird Algerien erreicht. Der Neusiedler See ist das westlichste regelmäßig besetzte, größere Brutvorkommen Europas. Die Populationen Osteuropas, der Schwarzmeerregion und des östlichen Mittelmeergebiets, zu der sehr wahrscheinlich auch die Brutvögel des Neusiedler See Gebiets gehören, wird derzeit auf 50.000 Individuen geschätzt.

Wanderungen

Die Moorente ist ein Weitstreckenzieher, die Populationen Nordafrikas und des westlichen Mittelmeergebiets sollen in Westafrika, die Populationen Osteuropas, der Schwarzmeerregion und des östlichen Mittelmeergebiets sollen im östlichen Mittelmeerraum, in Ägypten und im Sudan überwintern.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den späten 1930er Jahren wurde ein Brutvorkommen der Art noch bezweifelt, in den frühen 1940er Jahren gelang aber ein Brutnachweis beim Sandeck. In den frühen 1950er Jahren war die Moorente dann ein „ziemlich häufiger Brutvogel; hat diese Häufigkeit erst in den letzten Jahren erreicht“. Eine erste Bestandsschätzung versuchten Festetics & Leisler Ende der 1960er Jahre, die auf ca. 50 Paare an den Lacken und einer „wahrscheinlich geringeren Menge“ im Schilfgürtel des Sees kamen. Die seit Beginn der 1980er Jahre durchgeführten Bestandserhebungen im Seewinkel und im Schilfgürtel zeigten jedoch, dass die Verhältnisse zu diesem Zeitpunkt augenscheinlich genau umgekehrt lagen. Im Lackengebiet brüten nur in Jahren hoher Wasserstände mehr als 10 Paare, so z. B. 1997 4 - 6 Paare. In trockenen Jahren hingegen halten sich im Seewinkel nur einzelne Paare auf.

Erste Versuche zur quantitativen Erfassung des Brutbestandes im Schilfgürtel des Neusiedler Sees wurden Mitte der 1990er Jahre unternommen: 1995 wurde eine 14,2 km² großen Probefläche im Südteil des Sees untersucht, dies ergab eine Bestandsschätzung von 15 - 20 Paaren. Für den österreichischen Teil des Neusiedler Sees wurde darauf basierend für 1995 ein Bestand von 100 - 150 Paaren hochgerechnet. 1996 wurden auf zwei Untersuchungsflächen am Westufer mit zusammen 27 km² im Mai 42, im Juni 10 und im September 45 Individuen gezählt. Die mit diesen Ergebnissen ergänzte Bestandsschätzung für das Jahr 1996 lag wiederum bei 100 - 150 Brutpaaren.

Aktuelle Erhebungen

Im Neusiedler See-Gebiet wurden 1981 - 1992 (M. Dvorak u. a. im Auftrag der Biologischen Station)und seit 2007 (M. Dvorak, J. Laber, B. Wendelin) systematische Zählungen brütender durchziehender Wasservögel im Rahmen der Projektes „Vogelmonitoring im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel“ durchgeführt. Für die dazwischen liegenden Jahre liegen einige wenige Zufallsdaten vor, so gut wie nie handelt es sich jedoch um vollständige Zählungen.

Weitere systematische Bestandserhebungen aus den Jahren seit 1996 liegen nicht vor, doch zeigten regelmäßige Beobachtungen an verschiedenen Stellen des Schilfgürtels, dass die Art hier nach wie vor in größerer Zahl verbreitet ist. Es ist anzunehmen, dass der Brutbestand wie bei anderen Schilf bewohnenden Arten mit den Wasserständen schwankt. Es ist daher davon auszugehen, dass die Brutpopulation in Jahren niedriger Wasserstände, wie z. B. 2001 - 2005, in denen der Schilfgürtel weitgehend trocken fällt, abnimmt. Da die Erhebungen der Jahre 1995 und vor allem 1996 bei normalen bzw. Hochwasserständen durchgeführt wurden und in den letzten Jahren (2011 - 2014) am Neusiedler See ebenfalls höher Wasserstände vorherrschten gehen wir davon aus, dass der derzeitige Brutbestand das Bestandsniveau von Mitte der 1990er Jahre erreichen könnte. Die Moorente ist am Neusiedler See ein verbreiteter Brutvogel mit Nachweisen aus allen Teilen des Schilfgürtels . an den Lacken wurden 2011 ca. 20 Paare und 2013 10 - 15 Paare gezählt.

Bedeutung des Vorkommens

Der Neusiedler See ist das einzige Gewässer Österreichs, an dem die Moorente regelmäßig in größerer Zahl brütet; er ist gleichzeitig auch einer der wichtigsten Brutplätze Europas.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Am Neusiedler See ist die Moorente schwer zu beobachten, da sie sich meist in den Kanälen des Schilfgürtels aufhält. Nur selten entdeckt man sie im Seevorgelände und nur in Jahren mit hohen Wasserständen auch auf den zentralen Lacken des Seewinkels.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Moorenten nutzen zur Nahrungssuche überwiegend die bestehenden Kanäle im Schilfgürtel. Ein Zuwachsen dieser Kanäle im Schilfgürtel könnte daher für die Art ein wesentlicher Gefährdungsfaktor sein, weshalb es unbedingt erforderlich ist, diese offen zu halten. Wichtig ist auch die Weiterführung der Beweidung im Seerandbereich im bisherigen Ausmaß, sowie die Einrichtung weiterer Weideflächen an geeigneten Stellen am West- und Nordufer des Neusiedler Sees. Eine weitere Maßnahme besteht in der Vermeidung von Abschüssen im Rahmen der Wasservogeljagd, da durch Abschüsse im Zuge der Wasservogeljagd der Bestand dieser seltenen Art direkt beeinträchtigt werden könnte.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M. (1994): Schwimmvögel. Pp. 90-131 in G. Dick, M. Dvorak, A. Grüll, B. Kohler & G. Rauer: Vogelparadies mit Zukunft?. Ramsar-Bericht 3 Neusiedler See - Seewinkel. Umweltbundesamt, Wien. 356 pp.

Dvorak, M., E. Nemeth, S. Tebbich, M. Rössler & K. Busse (1997): Verbreitung, Bestand und Habitatwahl schilfbewohnender Vogelarten in der Naturzone des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel. Biol. Forschungsinstitut Burgenland - Bericht 86: 1-69.

Dvorak, M. & S. Tebbich (1998): Bestand, Bestandsentwicklung und Schutzsituation der Moorente (Aythya nyroca) im Neusiedler See-Gebiet. Ergebnisse von Bestandsaufnahmen in den Jahren 1996 und 1997. Bericht an die Biol. Station Illmitz und die Abt. IV (Naturschutz) des Amtes der Burgenländ. Landesregierung. BirdLife Österreich, Wien. 33 pp.

Festetics, A. & B. Leisler (1968): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (I.Teil: Biogeographie des Gebietes, II.Teil: Schwimmvögel.). Wiss. Arb. Burgenland 40: 83-130.

Scott, D.A. & P.M. Rose (1996): Atlas of Anatidae Populations in Africa and Western Eurasia. Wetlands International Publication No. 41, Wetlands International, Wageningen. The Netherlands. 336 pp.

Seitz, A. (1942): Die Brutvögel des „Seewinkels“ (der "Burgenländischen Salzsteppe") am Ostufer des Neusiedlersees, Gau Niederdonau. Niederdonau / Natur und Kultur 12. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig. 52 pp.

Wetlands International (2012):. Waterbird Population Estimates, Fifth Edition. Summary Report. Wetlands International, Wageningen, The Netherlands.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.