Odinshühnchen

Phalaropus lobatus

Das Neusiedler See Gebiet ist das einzige regelmäßig vom Odinshühnchen genutzte Rastgebiet in Österreich. Die Individuenzahlen bleiben dabei jedoch sehr klein, Tagesmaxima können bei bis zu 6 Odinshühnchen liegen. Wer in den Genuss einer Beobachtung der Art kommt wird rasch die kreisenden Bewegungen beim Nahrungserwerb erkennen können.
mehr erfahren...

Merkmale

Das Odinshühnchen ist im unverwechselbaren Brutkleid an der Oberseite schiefergrau bis graubraun, die Unterseite und die Kehle sind weiß. Auffällig ist ein Fleck auf dem Vorderhals, der bis zu den Wangen hinaufreicht und beim Weibchen orangerot, beim Männchen kleiner und orangebraun ist. Im Jugendkleid ist die Oberseite deutlich ockerfarbig gezeichnet, der Scheitel ist einfarbig dunkel und die Hals- und Brustseiten sind rotbraun gezeichnet. Der Schnabel des Odinshühnches ist schwarz und im Gegensatz zum ähnlichen Thorshühnchen sehr dünn. Im Vergleich zu anderen Limikolen fällt das Odinshühnchen durch die zierliche Gestalt und die charakteristische Art der Nahrungssuche auf.

Lebensräume

Das Odinshühnchen brütet in der Tundra oder in Hochmooren an kleinen Tümpeln oder Teichen oder in seichten Buchten größerer Stillgewässer. Angrenzend an die Brutplätze sind feuchte Wiesen- und Rasenflächen, in den südlichsten Teilen des Brutgebiets auch Weiden zu finden. Obwohl die Art in der Regel Feuchtbiotope bevorzugt, kann sie auch in trockenem Grasland oder auf lückig bewachsener Tundra brüten. Zur Nahrungssuche werden flache Stillgewässer genutzt. Am Durchzug rastet das Odinshühnchen entlang von flachen Meeresküsten, im Überwinterungsquartier lebt die Art pelagisch auf der offenen See in Meeresgebieten mit hohem oberflächennahen Planktonangebot. Binnengewässer werden nur am Zug und auch dann nur in sehr kleiner Zahl genutzt, wenn „Notlandungen“ aufgrund der Witterungssituation erforderlich sind. Die sehr seichten Lacken des Seewinkels entsprechen damit sehr gut den ökologischen Anforderungen, die die Art an ihre Rastgewässer stellt.

Verbreitung

Global und national

Das Odinshühnchen besiedelt subarktische und arktische Gebiete Eurasiens und Nordamerikas. In Europa erreicht es nach Süden hin auch die boreale Zone. Das geschlossene europäische Brutgebiet umfasst die Tundren Norwegens, Nordschwedens, Mittel- und Nordfinnlands sowie des nördlichen Russlands. Die Art brütet sehr häufig in Island, selten ist das Odinshühnchen auch auf den Faröer-Inseln, den Orkneys und den Shetland-Inseln zu finden. Der europäische Brutbestand belief sich zu Beginn der 2000er Jahre auf 85.000 - 220.000 Brutpaare.

Wanderungen

Die Weibchen verlassen das Brutgebiet Ende Juni, die Männchen ziehen Ende Juli ab. Der Großteil der Jungvögel beginnt erst im August und September mit dem Abzug. Der Heimzug findet im April und in der ersten Maihälfte statt. Die Winterquartiere liegen über die tropischen und subtropischen Meere verstreut, die Art überwintert aber auch an den Küsten Patagoniens und des südlichen Japans. Die Brutvögel großer Teile Europas und Westsibiriens ziehen überwiegend in den nordwestlichen Indischen Ozean. Die Art ist vor den Küsten Somalias und Kenias häufig, überwintert aber auch regelmäßig auf den großen Seen des ostafrikanischen Großen Grabens. Die nordeuropäischen Brutvögel ziehen nach Südosten, wobei die Vögel westlicher Brutvorkommen dabei Ostösterreich und Ungarn überqueren. Die Alpen werden offensichtlich östlich umflogen. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass z. B. Brutvögel Westeuropas (konkret Vögel, die auf den Shetland-Inseln brüten) Überwinterungsgebiete an der Westküste des nördlichen Südamerikas nutzen.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

Bis in die frühen 1940er Jahre hinein waren nur einzelne Beobachtungen der Art bekannt. In den frühen 1950er Jahren wurde das Odinshühnchen als sehr seltener Durchzügler bezeichnet.

Aktuelle Erhebungen

Im Neusiedler See Gebiet ist die Art zwar alljährlicher Durchzügler, zu beiden Zugzeiten, doch kommt es nie zu größeren Konzentrationen. Der Frühjahrszug im Seewinkel dauert vom Anfang Mai bis Anfang Juni, der Herbstzug von Ende Juli bis Anfang Oktober. Zwar kommt es durch das teils längere Verweilen der Jungvögel auch im Herbst zu relativ regelmäßigen Beobachtungen, doch findet im Gebiet ebenso ein zeitlich konzentrierter Frühjahreszug mit Gipfel Ende Mai statt. Dieser ausgesprochen späte Frühjahresgipfel ist typisch für die Art, da sich die Ankunft im Brutgebiet von Ende Mai bis Mitte Juni erstreckt. Im Rahmen der systematischen Zählungen in den Jahren1995 - 2001 wurden Tagessummen von ein bis sechs Exemplaren ermittelt. In den Jahren 2011 - 2014 war die Art an den Zählterminen der systematischen Erfassungen noch seltener, in zwei Jahren gelangen an den Zählterminen keine Nachweise, ansonsten nur Beobachtungen einzelner Vögel.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet ist das einzige regelmäßig vom Odinshühnchen genutzte Rastgebiet in Österreich, überall anders tritt es nur unregelmäßig auf.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Aufgrund der aktuellen Seltenheit der Art können keine bevorzugten Beobachtungsgebiete angegeben werden, doch konzentrieren sich die Nachweise auf die größeren Gewässer. Aktuelle Meldungen der Art sind auf den Webseiten club300.at und ornitho.at zu finden.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Da die Art in Österreich nur in geringer Zahl auftritt liegen keine spezifischen Gefährdungsursachen vor.

Weiterführende Literatur

Laber, J. (2003): Die Limikolen des österreichisch/ungarischen Seewinkels. Egretta 46: 1-91.