Pannonische Karthäusernelke

Dianthus pontedereae

Die Pannonische Karthäusernelke ist eine farbenprächtige, ausdauernde Pflanze, die auf Halbtrockenrasenstandorten wächst. Sie ist eine wichtige Nahrungspflanze für verschiedene Schmetterlingsarten und eine Zeigerpflanze für kalkhaltigen Boden und trockene Standorte.

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Die Pannonische Karthäusernelke ist eine Pflanze der pannonischen Flora und damit in Österreich nur im Osten und Südosten des Landes an geeigneten Standorten zu finden. Sie erreicht hier ihre nördlichste und westlichste Verbreitungsgrenze. Der deutsche Name „pannonisch“ kommt von der römischen Provinz „Pannonia“, die in etwa den Tiefebenen des heutigen Ungarn entsprach, und bezeichnet eine klimatische Einheit, die sich durch wenig Niederschlag (weniger als 700 mm Jahresniederschlag) und relativ hohen Temperaturen - vor allem im Sommer – auszeichnet. Pflanzen der pannonischen Flora müssen daher deutliche sommerliche Trockenphasen überdauern.1 2 3
Im Frühsommer ist die Pannonische Karthäusernelke mit ihren rosa Blüten unübersehbar. Die ausdauernde Pflanze hat grasartige lineale Grundblätter, die in einer Rosette angeordnet sind und auch im Winter zu sehen sind. Diese Grundblätter sind 1 bis 3 mm breit und 3 bis 8 cm lang. Die Stängelblätter sind bis 5 cm lang und sitzen am 25 bis 50 cm langen Stängel. Am Ende des Stängels sitzen mehrere rosafarbene Blüten zum Teil sehr eng beisammen und bilden so dichte Blütenköpfchen. Die Blüten sind von festen, trockenhäutigen, braunen Deckblättern umgeben, die an der Spitze in eine Granne übergehen. Die Kronblätter sind 3 bis 6 mm lang, schwach gezähnt und gebärtet.4
Im Vergleich zur Karthäusernelke Dianthus carthusianorum sind die Blüten der Pannonischen Karthäusernelke etwas kleiner. Der Name Karthäusernelke leitet sich vermutlich von der Gegend des Chartreuse-Gebirges in Frankreich ab, wo auch das Stammkloster der Karthäuser steht. Der lateinische Name Dianthus bedeutet Blume des Zeus. Die Pannonische Karthäusernelke wächst auf kalkhaltigem bis kalkreichem Boden.
 
Ökologie
Die Blüte der Pannonischen Karthäusernelke zieht durch ihren Aufbau vor allem Tagfalter an, da die Kronröhre der Blüte lang und eng ist und den meisten anderen Insekten keinen Zugang zum Nektar ermöglicht. Auch die rote Farbe ist für Schmetterlinge gut zu sehen und die Blütenblätter bilden eine passable Landeplattform für die Falter. Die Schmetterlinge können nun mit ihrem schmalen Rüssel durch die Kronröhre zum Nektar gelangen; das Durchbeißen der Kronröhre, das kräftige Insekten bei vielen Blüten anwenden, gelingt hier durch eine feste, schuppenartige Ummantelung nicht. Die Karthäusernelke wird von bis zu 30 verschiedenen Schmetterlingsarten besucht.5
 
Verwendung
Die Karthäusernelke fand Anwendung in der Volksmedizin und als Gewürzpflanze. Ein dafür verantwortlicher Inhaltsstoff ist das in ihr enthaltene ätherische Öl mit der chemischen Verbindung Eugenol, das auch in der Gewürznelke vorhanden ist.6 Entsprechend wurden Nelken bereits im Mittelalter zum Aromatisieren von Wein, Zucker, Essig oder Öl und als essbare Dekoration verwendet.7 Heute ist die Verwendung der Karthäusernelken im Allgemeinen nicht mehr erlaubt, da sie unter Naturschutz steht.
 
Schutz/Maßnahmen
Die Pannonischen Karthäusernelke wächst auf Trockenrasen, Halbtrockenrasen, Böschungen und ähnlichen Flächen. Um Wiesen davor zu bewahren, zu verbuschen und sich auf längere Sicht in einen Wald zu verwandeln, müssen sie gemäht oder beweidet werden. Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel wird standortangepasst sowohl beweidet, als auch gemäht. Zusätzlich werden Büsche, die von den Weidetieren nicht gerne gefressen werden, immer wieder entfernt, um die Wiesen und Weiden offen und für viele seltene Pflanzenarten als Standort attraktiv zu halten. Die Pannonische Karthäusernelke ist gefährdet und daher geschützt.
 
Vorkommen im Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel
Im Nationalparkgebiet ist die Pannonische Karthäusernelke auf geeigneten Standorten, die nicht zu feucht, zu salzig oder zu nährstoffreich sind, häufig zu beobachten. So ist sie etwa auf den Halbtrockenrasen rund um die Lange Lacke und am Seedamm zu bewundern. Die Hauptblütezeit ist etwa von Mai bis Juli.
 
Literatur
1 Natur im Herzen Mitteleuropas
2 Höpflinger und Schliefsteiner, Naturführer Österreich
3 Aichele und Schwegler, „Die Blütenpflanzen Mitteleuropas“
4 Fischer, Blütenvielfalt im Pannonikum
5 Hintermeier und Hintermeier, Blütenpflanzen und ihre Gäste - Teil 2
6 Hirsch und Grünberger, Die Kräuter in meinem Garten
7 Fleischhauer, Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen
 

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