Purpurkönigskerze

Verbascum phoeniceum

Die auffallende violett blühende Purpurkönigskerze ist in Österreich im pannonischen Klima beheimatet. Sie ist gut an trockene Standorte und durch eine am Boden anliegende Blattrosette auch an Beweidung angepasst und kommt daher mit den Bedingungen im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel gut zurecht. Dennoch ist sie auch hier selten und gefährdet.

mehr erfahren...
Die Purpurkönigskerze gehört zur Familie der Braunwurzgewächse, zu der zum Beispiel auch der Sommerflieder Buddleja gezählt wird. Die Zugehörigkeit zu dieser Familie ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, da die Blütenform radiärsymmetrisch erscheint und nur die Anzahl und Form der Staubblätter auf nur eine Symmetrieebene in der Blüte schließen lassen.1 Die Purpurkönigskerze ist eine von verschiedenen im Seewinkel vertreten Arten der Königskerzen und unterscheidet sich von diesen in erster Linie durch die Farbe: das leuchtende Violett der Pflanze macht sie nahezu unübersehbar.
Die Purpurkönigskerze ist ausdauernd, wird etwa 30 - 70 cm hoch und ist meist unverzweigt. Die Laubblätter bilden dicht am Boden eine Blattrosette, die unten am Stängel sitzenden Blätter sind gestielt, weiter oben werden sie kleiner und sind ungestielt, der Stängel ist behaart. Die Blüten sitzen traubig und gleichmäßig verteilt auf einzelnen Stängeln an der Spitze der Pflanze, die Blütenknospen sind auffällig fünfkantig, die Blüten sind violett und die Staubblätter weisen violette Haare auf. 2, 3 Die Blütezeit der Purpurkönigskerze ist im Mai und Juni. Sie ist in Österreich gefährdet.
 
Wissenswertes
Der botanische Name der Königskerzen (Verbascum) kommt vermutlich von „Barbascum“, der Bärtige, was auf die dichte Behaarung vieler Königskerzenarten zurückzuführen ist.4 Diese Eigenschaft befähigt sie, auch trockene Standorte zu besiedeln, da die Behaarung als Verdunstungsschutz dient.
Alle Teile der Königskerzen wurden lange Zeit medizinal verwendet, etwa die Wurzel gegen Durchfall oder Blüten und Blätter gegen Augenentzündungen, sowie bei Lungenerkrankungen,                                                                bei Erkältungen oder gegen Krämpfe im Verdauungsapparat.
 
Ökologie
Die Purpurkönigskerze bietet den Blütenbesuchern keinen Nektar an. Dennoch wird sie von verschiedenen Insekten gerne angeflogen, da sie reichlich Pollen zur Verfügung stellt. Zu diesen Insekten gehören verschiedene Schwebfliegen, Honigbienen, Hummeln, Furchenbienen und verschiedene Käfer. Auch die grünen Teile der Pflanze werden von Schmetterlingen als Ablageort und Nahrung für die Eier bzw. Raupen genutzt.5
 
Standort
Die Purpurkönigskerze ist eine Pflanze der pannonischen Flora und damit in Österreich nur im Burgenland, Niederösterreich und Wien an passenden Standorten zu finden. Um mit den Bedingungen im pannonischen Gebiet gut zurechtzukommen, hat die Purpurkönigskerze spezielle Anpassungen entwickelt: die Behaarung, die jedoch nicht so stark ausfällt wie bei anderen Königskerzenarten und sowohl gegen Fraß als auch gegen Verdunstung schützt6, und eine tief am Boden liegende Blattrosette, die als Fraßschutz dient: die Blätter liegen so tief an den Boden gepresst, dass weidende Rinder sie mit der Zunge nicht fassen können.7 Die Purpurkönigskerze wächst auf Halbtrockenrasen.
 
Maßnahmen zur Erhaltung
Die Purpurkönigskerze ist in Österreich gefährdet und wird immer seltener, da ihre Lebensräume weniger werden. Die Halbtrockenrasen, die sie als Lebensraum braucht, sind großteils durch Beweidung entstanden und müssen auch weiterhin beweidet werden, um zu verhindern, dass die Flächen verbuschen oder zu nährstoffreich werden. Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel wird mithilfe eines Managementplans versucht, die verschiedenen Habitate zu erhalten, etwa durch gezielte Beweidung mit von Hirten geführten Rinderherden.
 
Beobachtung
Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel kann die Purpurkönigskerze zur Blütezeit im Mai bis Juni zum Beispiel beim Hochstand am Unteren Stinkersee beobachtet werden. Auch bei der Biologischen Station oder am Wiesenweg am Ostufer der Langen Lacke gibt es Standorte.
 
Literatur
1 Schmeil, Pflanzenkunde
2 Fischer, Blütenvielfalt im Pannonikum
3 Höpflinger und Schliefsteiner, Naturführer Österreich
4 Hintermeier und Hintermeier, Blütenpflanzen und ihre Gäste
5 Ebd.
6 Müller und Müller, Geheimnisse der Pflanzenwelt
7 Fischer, „Bunt blühende Puszta“
 

Fördeleiste