Purpurreiher

Ardea purpurea

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt mit jährlich etwa 200 - 300 Brutpaaren das einzige regelmäßig besetzte Brutvorkommen in Österreich und hat für de Art auch internationale Bedeutung als Brutplatz. Die besten Beobachtungsmöglichkeiten ergeben sich entlang der Straßen zu den Seebädern, wie zum Beispiel in Illmitz.

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Merkmale

Der Purpurreiher ist kleiner und zierlicher als Grau- und Silberreiher. Auffällig sind seine weißlichen, grau und braun gefärbten, stark verlängerten Schmuckfedern am unteren Hals und auf der Brust. Am Kopf ist er oberseits schwarz. Das Schwarz verlängert sich zum Hinterkopf hin in lange ebenso gefärbte Schmuckfedern.

Lebensräume

Der Purpurreiher besiedelt in Mitteleuropa dichte, überflutete Schilfbestände und andere Röhrichte an stehenden Gewässern. Im Schilfgürtel des Neusiedler Sees bauen die Vögel ihre Nester ausschließlich in ungemähte Altschilfbestände und bevorzugen Bereiche dichteren Schilfs. Der Wasserstand dürfte ein wichtiger ökologischer Faktor sein: In Südfrankreich wiesen vom Purpurreiher besiedelte Schilfflächen im Frühjahr im Mittel einen signifikant höheren Wasserstand von 32,9 cm auf als unbesiedelte. In Zentralfrankreich fanden sich die meisten Kolonien an den dortigen Fischteichen in 40 - 55 cm tiefem Wasser. Für den Neusiedler See wurden für die Jahre 1981 und 1982 grob Wassertiefen von 0,5-1 m in den Koloniebereichen angegeben.

Verbreitung

Global und national

Der Purpurreiher ist lokaler Brutvogel in West-, Mittel- und Osteuropa, brütet ferner in Nordwestafrika, Teilen Zentral- und Südafrikas, in Madagaskar und in Asien von Kleinasien bis Kasachstan, in Nordostchina und im russischen Fernen Osten. In Europa kommt der Purpurreiher vorwiegend im Süden vor, ein nach Norden vorgeschobenes Vorkommen liegt in den Küstenregionen der Niederlande. In Mitteleuropa ist der Purpurreiher ein lokaler Brutvogel, wobei das Neusiedler See-Gebiet der westlichste Vorposten eines relativ geschlossen besiedelten Vorkommens in der Kleinen und Großen Ungarischen Tiefebene ist. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf  29.000 - 42.000 Paare geschätzt, ca. 60 % davon entfielen damals auf Russland und die Ukraine.

Wanderungen

Der Purpurreiher ist ein Weitstreckenzieher, die Brutvögel Europas überwintern in den Steppengebieten West-, Ost- und Südafrikas. Die ersten Vögel kommen Ende März/Anfang April in ihren Brutgebieten an. Der Zwischenzug der Jungvögel beginnt Mitte Juli, der Wegzug der Altvögel im August und erstreckt sich bis in den Oktober hinein. Fernfunde französischer und holländischer Purpurreiher gelangen bislang ausschließlich in Westafrika, es ist daher anzunehmen, dass der Großteil der Vögel aus Westeuropa hier überwintert. Die bisherigen Fernfunde am Neusiedler See beringter Purpurreiher deuten ebenfalls auf ein Winterquartier in Westafrika hin; ein Fund liegt allerdings auch aus Zypern vor, was nahe liegt, dass österreichische Vögel auch in Ostafrika oder im Nahen Osten überwintern können.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts brütete der Purpurreiher regelmäßig im Neusiedler See Gebiet, konkrete Zahlenangaben sind jedoch rar und beschränken sich immer auf einzelne Kolonien. Während der Purpurreiher in den frühen 1940er Jahren die seltenste der drei in Kolonien brütenden Reiherarten war, kehrten sich die Verhältnisse um 1950 um. Für die Jahre 1951 - 1953 wurde der Brutbestand auf 240 Paare geschätzt, eine andere Quelle kam mit 250 Paaren zu einem fast identischen Ergebnis. Die nächste Zahlenangabe lieferte eine Erhebung aus dem Hubschrauber, die 1960 273 Brutpaare ergab. In den Jahren 1970 - 1976 schwankte der Brutbestand, ebenfalls nach Ergebnissen von Zählungen mit dem Hubschrauber, zwischen ca. 240 und 340 Paaren.

Aktuelle Erhebungen

Der Purpurreiher brütet in schwankender Zahl im Schilfgürtel des Neusiedler Sees.

Die im Auftrag der Biologischen Station Illmitz durchgeführten Zählflüge ergaben für die Jahre 1984 - 1997 nur relativ geringe Schwankungen zwischen 60 und 109 und damit einen dramatischen Einbruch im Vergleich zu den 1970er Jahren. Ab 1998 erbrachten intensivierte Erfassungen mit mehreren Flügen pro Jahr, die zeitlich besser auf die Erfassung von Purpurreihern abgestimmt waren wieder sehr viel höhere Bestandszahlen: 1998 - 2001 waren es 256 - 298 Brutpaare und 2002 wurden 255 gezählt In den Jahren 2003 und 2004 kam es hingegen (wieder) zu einem Rückgang in Österreich, der Bestand schrumpfte auf 133 bzw. 86 Brutpaare. Dieser Rückgang der Zahlen auf österreichischer Seite ist allerdings nicht auf einen Bestandsrückgang am gesamten Neusiedler See zurückzuführen, sondern auf eine Verlagerung von Koloniestandorten in den ungarischen Teil des Schilfgürtels. Ab 1999 brüteten Purpurreiher bei Fertörakos, zuerst in 30 - 40 Paaren, ab 2006 nahm der Bestand hier zu. 2009 wurden auf ungarischer Seite des Neusiedler Sees insgesamt 149 Nester gezählt. Auf österreichischer Seite schwankte der Brutbestand in den Jahren 2006 - 2013 zwischen 90 und 160 Paaren und lag im Mittel bei 122 Paaren. Der Gesamtbestand am Neusiedler See (Österreich und Ungarn) dürfte also bei 200 - 300 Brutpaaren liegen und hat sich damit in den letzten Jahrzehnten nicht wesentlich verändert.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt das einzige regelmäßig besetzte Brutvorkommen in Österreich und hat daher internationale Bedeutung als Brutplatz für den Purpurreiher.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Purpurreiher sind am besten bei der Nahrungssuche im Seevorgelände auf feuchten Flächen, am Schilfrand seichterer Gewässer und oft auch an den seenahen Entwässerungskanälen zu beobachten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Wichtigster Einflussfaktor auf die Bestandsentwicklung am Neusiedler See ist auch beim Purpurreiher der Wasserstand, wobei wie bei den anderen Arten eine kritische Marke vorhanden zu sein scheint, die in Jahren 2004 und vor allem 2005 erreicht wurde, als der Brutbestand auf einen Tiefstwert von 35 Paaren auf österreichischer Seite fiel.

Von großer Bedeutung ist die Lenkung der Schilfbewirtschaftung durch die Ausweisung von Zonen unterschiedlicher Nutzung inklusive der Einrichtung von großflächigen Altschilfreservaten in Gebieten mit bestehenden Reiherkolonien oder in Gebieten, die hinsichtlich Struktur und Störungsfreiheit als Standorte für Brutkolonien geeignet sind.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

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Koenig, O. (1952): Ökologie und Verhalten der Vögel des Neusiedlersee-Schilfgürtels. J. Orn. 93: 207-289.

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Müller, C. Y. (1983): Die Bedeutung von Altschilfbeständen für die Löffler und Reiher am Neusiedlersee. Egretta 26: 43-46.

Nemeth, E. & P. Grubbauer (2005): Zur aktuellen Bestandssituation der Reiher und Löffler des Neusiedler See-Gebietes. Egretta 48: 1-18.

Nemeth, E., P. Grubbauer, M. Rössler & A. Schuster (2004): Ökologische Untersuchungen an den Reihern und Löfflern des Neusiedler See-Gebietes. Habitatwahl. Nahrungsökologie, Bruterfolg, Populationsentwicklung und Schutz der in Kolonien brütenden Schreitvögel. Biol. Forschungsinstitut Burgenland - Bericht 92: 1-22.

Pellinger, A: (2012): Die Vögel. Pp. 207-217 in J. Fally & L. Kárpáti: Nationlapark Neusiedler See – Seewinkel, Fertő-Hanság Nemzeti Park. Monographische Studien über das Gebiet Neusiedler See und Hanság. Nationalparkverwaltung Fertő-Hanság, Szaktudás Kiadoó Ház AG, Budapest. 450 pp.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.