Queller

Salicornia prostrata

Der Queller ist ein obligater Halophyt. Das heißt, dass er Salz im Boden braucht, um gut gedeihen zu können. Auf dem ausgetrockneten Lackenboden und am Rand der Lacken des Seewinkels findet er dafür geeignete Standorte. Er entwickelt stark sukkulente Stängel und Seitenäste und lagert Salz in den Vakuolen der Zellen ein.

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Queller und Dorngras auf ausgetrocknetem Lackenboden
Der Queller gehört zu den Gänsefußgewächsen, zu denen auch bekannte Gemüsepflanzen wie etwa Spinat, Mangold, Rüben oder auch Quinoa zählen. Er ist eine krautige Pflanze, die ihre größte Verbreitung in Küstengebieten hat, wo sie auf salzigen Böden wächst.
 
Aussehen
Der Queller ist eine dickfleischige, glasige Pflanze, die keine Blätter besitzt, aber zahlreiche, vom Stängel abzweigende Seitenäste, die grün oder rötlich überlaufen sind. Eine knotige Struktur und unscheinbare, hinter kleinen Schuppen versteckte Blüten tragen zur ungewöhnlichen Erscheinung des Quellers bei. Die Pflanze wird 5 - 40 cm hoch und blüht von August bis September.1
 
Besonderheiten
Der Queller ist eine Pflanze, die Salz im Boden nicht nur gut verträgt sondern für die Salz zum Wachsen sogar notwendig ist – die meisten anderen Salzpflanzen sind nur salztolerant und könnten auch an salzfreien Standorten gut wachsen, sind dort aber zu großer Konkurrenz ausgesetzt.2 Der Queller tritt an Küsten massenhaft auf und wächst auch auf Sandböden, die vom Meerwasser überflutet werden. In manchen Regionen wird der Queller großflächig angebaut, um Verlandung zu fördern und Schlick zu binden.
Für viele Pflanzen verhindert ein hoher Salzgehalt im Boden ein Überleben, da die Umgebung um die Wurzeln eine höhere Salzkonzentration aufweist als die Pflanzenzellen, sodass Wasser aus der Wurzel in die Umgebung fließt und die Pflanze auf Dauer verdurstet. Halophyten, „Salzpflanzen“, haben Strategien entwickelt, um mit dem hohen Salzgehalt im Boden umzugehen.
Der Queller nimmt das Salz mit dem Wasser zwar auf, transportiert es aber dann aus dem Zellplasma in Vakuolen, wo es auf die Stoffwechselaktivitäten keinen negativen Einfluss mehr nehmen kann.3 Ein besonderes Kennzeichen von vielen Salzpflanzen ist die Fleischigkeit der Stängel und Blätter, die Sukkulenz genannt wird. Je länger die Vegetationsperiode dauert, umso stärker wird die Sukkulenz, da mit der Aufnahme von Salzen auch die Einlagerung von Wasser erfolgen muss.
Die Salze, die in den Lacken im Seewinkel an der Oberfläche angereichert werden und mit denen die Pflanzen umgehen müssen, sind vor allem Soda (NaHCO3/Na2CO3), daneben noch Glaubersalz (Na2SO4), Bittersalz (MgSO4) und Kochsalz (NaCl) in geringeren Mengen. Der Queller verträgt Salzkonzentrationen von bis zu 8 - 12 Prozent, am besten gedeiht er bei 2,5 – 3 % Salzgehalt – ohne Salz kann er nicht die Größe erreichen, zu der er in salziger Umgebung heranwächst.
 
Der Queller wird in Küstengebieten auch als Wildgemüse geschätzt und als Delikatesse genutzt.4 Dabei kann die gesamte Pflanze von April bis August genutzt werden.Sie wird sowohl roh als Salatbeigabe als auch gekocht verwendet.5 Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel dürfen aber die Flächen nicht betreten und keine Pflanzen entnommen werden.
 
Schutzmaßnahmen
Der Queller wächst auf den salzigen Flächen rund um die Salzlacken und am Boden der ausgetrockneten Salzlacken des Seewinkels. Der Erhalt dieser Salzlacken und des Salzgehaltes sind also notwendig, um den Lebensraum der Pflanze zu bewahren. Um das zu erreichen, muss das gesamte Ökosystem betrachtet werden – ein hoher Grundwasserspiegel ist notwendig, um die Lacken am Leben zu erhalten und das Wasser darf nicht durch Kanäle abgeführt werden. Dafür sind die Zusammenarbeit mit den LandwirtInnen der Region, Öffentlichkeitsarbeit und Bildung wichtig. Diese Aufgaben werden vom Nationalpark wahrgenommen.
 
Beobachtung
Der Queller kann im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel nur aus der Entfernung von den Wegen aus betrachtet werden. Möglich ist das etwa bei der Zicklacke oder dem Geißelsteller in Illmitz.
 
Literatur
1 Aichele und Schwegler, „Die Blütenpflanzen Mitteleuropas“
2 Eberle, Pflanzen unserer Feuchtgebiete und ihre Gefährdung
3 Raven, Evert, und Eichhorn, Biologie der Pflanzen
4 Aichele und Schwegler, „Die Blütenpflanzen Mitteleuropas“
5 Dreyer, Essbare Wildpflanzen Europas: 1500 Arten
 

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