Ringelnatter

Natrix natrix

Die Ringelnatter findet man oft in der Nähe von Gewässern, was ihr auch den Namen Wassernatter eingebracht hat. Dort jagd sie, schwimmend und tauchend, nach Amphibien und Fischen. Die Ringelnatter ist nicht giftig und bei Berührung auch nicht bissfreudig, dennoch besitzt sie eine Vielzahl an Abwehrmechanismen, wie übelriechende Sekrete oder den bekannten ‚Totstellreflex‘.

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Lebensraum:
Die Ringelnatter ist von Portugal bis zum Baikalsee sowie vom südlichen Skandinavien bis zu den Mittelmeerländern vertreten. Weiters gibt es Vorkommen in Nordwestafrika und Vorderasien. 
Bevorzugt hält sie sich in Höhenstufen von 200 – 600 m auf, wurde aber auch schon in höheren Lagen bis zu 3000 m angetroffen. In Österreich ist die Ringelnatter bis auf die hochalpinen Lagen weit verbreiten. In den Alpen kommt sie bis 2500 m vor. Auwälder, Grünland und Feuchtwiesen gehören zu den primären Habitatstypen.
Oft findet man die Schlange in der Nähe von Gewässern. Weiters dienen Seen, Altwasser, Tümpel und Bäche als Orte der Nahrungssuche.
 
Merkmale:
Die Männchen der Ringelnatter werden durchschnittlich 60 - 80 cm groß, die Weibchen hingegen können 80 - 150 cm erreichen. Die Färbung der Schlange kann stark variieren, zumeist hat sie eine graue Oberseite durchzogen von schwarzen Flecken. Die Unterseite zeigt ein ‚Schachbrettmuster‘, also schwarze, oft rechteckige Befleckung auf weißlichem Untergrund. Es gibt auch gänzlich schwarze Individuen.
Die Kopfschilder sind groß und die Pupille ist rund. Ringelnattern besitzen keine Giftzähne.
Weiters sind 2 seitliche, gelbliche Flecken an der Basis des Kopfes, die ‚Halbmondflecken‘, ein wichtiges Bestimmungsmerkmal der Ringelnatter, worauf man sich aber nicht immer verlassen sollte, denn auch junge Äskulapnattern zeigen dieses Merkmal.
 
Ökologie:
Die Ringelnatter ist tag- und dämmerungsaktiv und muss ihrer Körpertemperatur durch Aufsuchen sonniger und schattiger Plätze regulieren. Sie hat eine Aktivitätsperiode von März bis November und überwintert in frostfreien Verstecken. Ringelnattern wurden früher häufig auch Wassernattern genannt, was auf die aquatischen Lebensweise und den damit verbundenen Anpassungen ans Wasser zurück zu führen ist. Sie können sehr gut schwimmen und tauchen und jagen bevorzugt Amphibien und Fische.
Laubfrösche, Braunfrösche, Molche und Jungfische zählen zu den wichtigsten Nahrungsressourcen. Andererseits ist die Ringelnatter beliebtes Beutetier von verschiedenen Greifvögeln, Störchen und Reihern, aber auch Säugetiere, wie Rotfuchs oder verschiedene Marderartige, vergreifen sich manchmal an Schlangen.
Bei Gefahr ist die Ringelnatter wenig bissfreudig, viel häufiger faucht sie und entleert ihre Analdrüse, wodurch eine stark unangenehm riechende Flüssigkeit dem Angreifer entgegenspritzt.
Ein besonderes Verhalten ist der ‚Totstellreflex‘, wobei die Schlange jeglichen Muskeltonus verliert, das Maul weit aufreißt und die Zunge aus diesem heraushängen lässt, manchmal tritt sogar ein wenig Blut aus.
Ringelnattern werden durchschnittlich 3 - 5 Jahre alt, können aber ein Alter von 15 Jahren erreichen.
Die Geschlechtsreife wird mit etwa 3 Jahren erreicht, wobei sich Weibchen erst mit 4 - 5 Jahren verpaaren. Geschlechter lassen sich von außen, wenn überhaupt, nur anhand der Größe unterscheiden. Die Paarung findet von April bis Juni statt. Es handelt sich um eine innere Befruchtung mittels Hemipenis. Die Kopulation kann einige Stunden dauern.
Die Eiablage findet meist von Juni bis August statt, wobei die Weibchen geeignete Plätze aufsuchen und 10 - 50 Eier bevorzugt in Mist-, Kompost- oder Sägespänehaufen absetzen. Aufgrund der Abbauprozesse pflanzlichen Materials wird hier Wärme frei und fungieren somit als natürlicher Inkubator. Nach 6 - 8 Wochen schlüpfen die jungen Schlangen und sind ohne elterliche Obhut auf sich allein gestellt.
 
Die Ringelnatter im Seewinkel – Gefahren, Schutz und Management:
Oberste Priorität hat der Schutz der Lebensräume, denn eine Zerschneidung oder Trennung der geeigneten Habitate oder eine Isolation der einzelnen Lebensraumstrukturen geht mit dem Verlust der Reptilienfauna einher. Weiters gehören Straßen, Mahd, Pestizideinsatz und Umstrukturierung geeigneter Habitate zu den großen Bedrohungen für Reptilien.
Managementpläne bzgl. Mahd, Schilfschnitt und Beweidung sind daher von großer Bedeutung.
Bei einer Mähgutuntersuchung 2014 waren die meisten Todfunde Ringelnattern.
Die Ringelnatter kommt im Seewinkel v.a. im Grünland und in Feuchtwiesen vor. Oft sind sie abends auf der Straße zu beobachten, wenn sie die Restwärme des Asphalts ausnutzen. Leider kommt es dadurch zu sehr vielen Verkehrsopfern.
Die ausgewiesenen Wege durch den Nationalpark bieten gute Beobachtungsmöglichkeiten. Die Chancen für eine Sichtung sind bei richtigen Bedingungen entlang der Seestraße in Illmitz, auf dem Weg zum Sandeck oder in der Nähe von Weihern und Teichen sehr gut.
 
Andere Schlangen im Seewinkel:
Die Schlingnatter (Coronella austriaca):
Es gibt immer wieder vereinzelte Funde, vor allem im Hanság und in Neudegg, dennoch ist sie eher eine Seltenheit im Seewinkel und kann häufiger auf den Hügeln südlich und westlich des Neusiedler Sees beobachtet werden.
 
Die Äskulapnatter (Zamenis longissimus):
Diese Schlange ist im Seewinkel extrem selten, da sie trockene und warme Waldhabitate bevorzugt. Gute Beobachtungsplätze bieten daher die Eichenwälder des Leithagebirges auf der Westseite des Neusiedler Sees.
 
Die Würfelnatter (Natrix tesselata):
Für diese ausgeprochen seltene Schlange gibt es seit 1980 keine Nachweise im gesamten Seewinkel.
 
Die Wiesenotter (Vipera ursinii):
Einst das Flachlandpendant zur Kreuzotter wurde die Wiesenotter 1973 das letzte Mal auf österreichischem Boden nachgewiesen und gilt heute als ausgestorben. Lebensraumverlust und direkte Verfolgung gelten als primäre Ursachen für das Verschwinden dieser schönen Schlange. 
 

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