Rothalsgans

Branta ruficollis

In den letzten Jahrzehnten hat die Rothalsgans ihren Überwinterungsschwerpunkt nach Westen verlagert, was dazu geführt hat, dass auch am Neusiedler See im zunehmenden Maß Rothalsgänse beobachtet werden können. Mit ihrer kontrastreich bunten Färbung sind sie leicht inmitten der großen winterlichen Gänsescharen zu entdecken.

mehr erfahren...

Merkmale

Die Rothalsgans gehört zu den Meergänsen. Ihr buntes kontrastreiches Gefieder macht sie eigentlich unverwechselbar. Die Grundfarbe von Rücken und Bauch sind schwarz, mit deutlich erkennbaren weißen Konturlinien. Ebensolche weißen Umrandungen setzten die rostbraune Brust (nach der die Rothalsgans benannt ist) vom Rest des Gefieders ab. Der Schwanz ist weiß. Jungvögel sind weniger kontrastreich ausgefärbt als Alttiere. Rothalsgänse haben einen relativ kurzen Schnabel und einen dicken Hals. Im Flug sind zwei auffällige helle Flügelbinden zu sehen.

Lebensräume

Rothalsgänse nisten gewöhnlich in kleineren Kolonien an abgelegenen Stellen mit felsigem Untergrund. Grundsätzlich nutzen Rothalsgänse nur wenige Überwinterungsgebiete. Diese müssen neben geeigneten Weideplätzen auch Süßwasser und ruhige Übernachtungsstellen aufweisen. Die Konzentration der Gesamtpopulation der Rothalsgans auf verhältnismäßig wenige Überwinterungsorte trägt zur Gefährdung der Art bei. Störungen an diesen Stellen – etwa durch Ölunfälle oder eine intensivierte Jagd – wirken sich auf die gesamte Population aus.

Verbreitung

Global und national

Die Rothalsgans brütet in den Tundren der Taimyr-, Gydan- und Yamal-Halbinsel. Die Bestandsschätzungen mussten aufgrund der Zählungsergebnissen der Jahre 2003 bis 2005 drastisch nach unten korrigiert werden, von 88.000 auf nur mehr 38.500 Exemplare.

Wanderungen

Rothalsgänse sind Zugvögel, sie überwintern größtenteils in der Ukraine, Rumänien, und Bulgarien am Schwarzen Meer und nur zu geringerem Teil am Kaspischen. Die Art hat aber in den letzten Jahrzehnten ihren Überwinterungsschwerpunkt nach Westen verlagert, was dazu geführt hat, dass auch am Neusiedler See zunehmend Rothalsgänse beobachtet werden können.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Aktuelle Erhebungen

In den 1980er Jahren wurden 22 Individuen gemeldet, in den 1990er Jahren 87, von 2001 bis 2005 121 und von 2006-2010 290 Individuen.. Die Art zählt mittlerweile zu den alljährlichen Erscheinungen, v. a. zu den Zugzeiten mit kleinen Gruppen und Trupps von zusammen öfters 5 -10 Exemplaren und Tagesmaxima von bis zu 38 Individuen. Die durchschnittliche Zahl der Individuen pro Meldung stieg in den Jahren 2006 - 2010 auf 4,7 im Vergleich zu nur 3,4 im Zeitraum 2001 - 2005. Rothalsgänse treten in der Regel mit Blässgänsen vergesellschaftet auf, was den Schluss zulässt, dass sie zunehmend deren Zugwege nach West- und Mitteleuropa benutzen. Auch in Ungarn, Deutschland und Skandinavien kam es in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Beobachtungen.

Von 126 altersmäßig bestimmten Rothalsgänsen waren 67% adult und 33% juvenil, was einem guten Bruterfolg entspricht. Im Gegensatz zur Zwerggans scheint der Bestand der Rothalsgans nicht unmittelbar gefährdet, was auch auf ihren besseren Schutzstatus in den Durchzugsgebieten zurückzuführen ist.

Bedeutung des Vorkommens

Die Rothalsgänse zählen mittlerweile zu den alljährlichen Erscheinungen, vor allem  zu den Zugzeiten mit Tagesmaxima von bis zu 38 Individuen.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

In den letzten Jahrzehnten hat die Rothalsgans ihren Überwinterungsschwerpunkt nach Westen verlagert, was dazu geführt hat, dass auch am Neusiedler See im zunehmenden Maß Rothalsgänse beobachtet werden können. Im Gegensatz  zu den Zwerggänsen sind sie aufgrund ihrer kontrastreich bunten Färbung sehr viel leichter inmitten der großen Gänsescharen zu entdecken.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Wie alle seltenen Gänsearten im Gebiet, sind Rothalsgänse durch Fehlabschüsse während der Winterwasservogeljagd gefährdet. Es wäre dringend notwendig, die erlaubten Jagdzeiten nochmals zu überdenken und besser auf den Durchzug der seltenen Gänsearten abzustimmen.

Weiterführende Literatur

Laber, J. & A. Pellinger (2008): Die durchziehenden und überwinternden Gänsebestände der Gattung Anser und Branta im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel Egretta 49: 35-51.

Laber, J. & A. Pellinger (2011): Die durchziehenden und überwinternden Gänse im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel in den Winterhalbjahren 2006/07 bis 2010/11 Vogelkundl. Nachr. Ostösterreich 22: 1-8.