Südrussische Tarantel

Lycosa singoriensis

Die Südrussische Tarantel ist mit bis zu 4 cm Körperlänge die größte Spinne Mitteleuropas. Neben dem imposanten Erscheinungsbild fasziniert diese Art auch durch ihre Lebensweise in selbst gegrabenen Erdröhren. Im Seewinkel ist die Art im Uferbereich von Salzlacken sowie auch in etwas höher gelegenen beweideten Trockenrasen zu finden. 

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Die Südrussische Tarantel ist über den gesamten eurasischen Steppengürtel verbreitet und erreicht am Alpenostrand ihre westliche Verbreitungsgrenze. Mit bis zu 4 cm Körperlänge ist sie die größte Spinne Mitteleuropas. Neben dem imposanten Erscheinungsbild fasziniert die Südrussische Tarantel durch ihre Lebensweise in selbst gegrabenen Erdröhren. Ihr Biss kann zwar schmerzhaft sein, führt jedoch allenfalls zu lokaler Schwellung und Rötung, in seltenen Fällen zu Benommenheit und Atemnot. Als Beutetiere dienen unter anderem Käfer und Heuschrecken.
 
Jahreszeitliches Auftreten & Lebensweise
Der Lebenszyklus dieser Art kann in 4 Perioden eingeteilt werden - „Überwinterungsperiode“, „Brutperiode“, „Nachwuchsperiode“ und „Paarungsperiode“. Zu Beginn der Überwinterungsperiode von November bis März wird die selbst gegrabene Röhre vollständig mit Erde verschlossen. Während der Brutperiode im Folgejahr zwischen März und April wird die Röhre wieder geöffnet und zum Teil neu gegraben. Kommt es zu Kälteeinbrüchen, wird die Röhre erneut verstopft. Der Durchmesser der Röhrenöffnung beträgt während dieser Zeit zwischen 1,5 und 3,5 cm. Die Eiablage, der Kokonbau und die Brut erfolgen zwischen Mai und Juni. Die Röhre wird in dieser Zeit zum Schutz mit einer Kuppel aus Gespinst, Erde und Pflanzenmaterial verschlossen. Nach dem Fertigstellen des Kokons wird die Röhre geöffnet und der am Hinterleib befestigte Kokon an der Röhrenöffnung zur Sonne hin exponiert. Die ersten Jungtiere können bei günstigen Witterungsverhältnissen bereits im Mai schlüpfen, ansonsten fällt die Nachwuchsperiode in die Monate Juni und Juli. Anfangs sitzen die Jungspinnen am Hinterleib der Mutter, später graben sie eigene kleine Röhren, die oft nah nebeneinander liegen und einen Durchmesser von 8 – 12 mm aufweisen. Bis September streifen die raschwüchsigen Jungtiere weit umher, dabei kommt es wiederholt zu Häutungen und dem Bau von Röhren. Nach der letzten Häutung zum Adult-Stadium setzt die Paarungsperiode gegen September und Oktober ein. Die Paarung dürfte in den rund 15 cm tiefen Röhren der Weibchen stattfinden. Nach der Paarung sterben die Männchen vermutlich, während die Weibchen mit den gespeicherten Spermien überwintern.
 
Vorkommen im Seewinkel
Die Südrussische Tarantel lebt im Seewinkel im Uferbereich von Salzlacken sowie auch in etwas höher gelegenen beweideten Trockenrasen. Die größten Vorkommen konnten in den Bereichen „Illmitzer Zicksee“, „Geiselsteller“ und „Seevorgelände-Hölle“ dokumentiert werden.
 
Schutzmaßnahmen 
Die unterirdischen Röhren, in denen diese Art lebt, findet man im Seewinkel auf sandigen Böden und Flächen mit offener Vegetationsstruktur auf Grund hoher Salzkonzentration, Beweidung oder Mahd. Dem Nationalpark Flächenmanagement mit Beweidung durch Säugetiere und dem Schutz der Salzlacken kommt somit große Bedeutung für den Erhalt dieser Art zu.
 
Beste Beobachtungsgebiete
Die Südrussische Tarantel lebt sehr verborgen und ist schwer zu Beobachten. Gute Chancen bestehen während der Paarungszeit im Herbst, wenn die Spinnen zwecks Partnersuche zu wandern beginnen. Dann können Schotterwege entlang von Weideflächen und Salzlacken mögliche Beobachtungsplätze sein.
 
Literatur:
Milasowszky, N. & Zulka, P: „Verbreitung und Lebensraumtypen der Südrussischen Tarantel, Lycosa singoriensis (Laxmann 1770), im Seewinkel“, Biologischens Forschungsinstitut für Burgenland, 1996
 

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