Salbei

Steppensalbei (S. nemorosa)

Salvia sp.

Der Wiesensalbei (Salvia pratense) beeindruckt die Beobachter mit dem Bestäubungsmechanismus seiner Blüten. Dabei klappen die Staubblätter durch eine Hebelfunktion auf den Rücken des nektarsuchenden Insekts. Dadurch wird der Pollen auf dieses übertragen und kann somit zur nächsten Blüte transportiert werden.

Der Steppensalbei (Salvia nemorosa) bringt durch seine violetten Blüten und Kelchblätter kräftige Farbtupfer in die Landschaft. Er ist ein typisches Elemt des pannonischen Raumes.

Der Österreichische Salbei (Salvia austriaca) ist mit seinen weißen Blüten und der dicht an den Boden gedrückten Blattrosette eine selten anzutreffende Besonderheit im Seewinkel.

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Wiesensalbei (S. pratense)
Die Salbeiarten zählen zur Familie der Lippenblütler, wie auch Minze, Oregano oder Thymian. Im Seewinkel sind 3 Salbeiarten zu finden: der häufige und österreichweit verbreitete Wiesensalbei, der wärmeliebende Steppensalbei und der seltene und auf den pannonischen Raum begrenzte Österreichische Salbei. Der Name Salbei stammt vermutlich von lateinisch salvus (heil, gesund) ab – Salbei wurde und wird als Heilpflanze verwendet, um Krämpfe zu lösen, bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum oder zur Verdauungsförderung.1
 
Beschreibung
Der Wiesensalbei wird etwa 30 bis 60 cm hoch, ist behaart und hat runzelige, haarige Blätter, die meist gestielt und zum Teil als Bodenrosette angelegt sind. Die am 4-kantigen Stängel quirlig angeordneten Blüten sind intensiv dunkelblau-violett und auf der Wiese als Farbtupfer kaum zu übersehen. Der Wiesensalbei besiedelt verschiedene Standorte, etwa Böschungen, Magerwiesen und Trockenrasen und wurzelt bis zu einem Meter tief.2 Er riecht stark aromatisch – dadurch ist er gegen Fraß durch Weidetiere geschützt. Auch die bodennahe Blattrosette, die von weidenden Rindern nicht erreicht wird, verhindert das Gefressen werden. Der Wiesensalbei blüht von Mai bis August.
 
Der Steppensalbei erreicht eine Größe von 20 bis 70 cm und wächst als Staude. Die Blätter sind am Stiel verteilt und die ganze Pflanze ist behaart. Die quirligen Blüten sind etwas rötlicher als beim Wiesensalbei und im Gegensatz zu diesem sind beim Steppensalbei auch die Hochblätter und die Kelchblätter violett eingefärbt. Das verleiht der Pflanze insgesamt eine intensivere Farbwirkung, was durch das buschige Auftreten noch verstärkt wird. Der Steppensalbei wächst auf Halbtrockenrasen, Böschungen und Wegrändern –                                                                                           auch neben den Straßen ist er nicht zu übersehen.
                                                             Er blüht von Juni bis September.
 
Österreichischer Salbei (S. austriaca)
Der Österreichische Salbei wird ca 50 bis 100 cm hoch und hat eine dicht am Boden angedrückte Blattrosette, die aus gestielten, eiförmigen Blättern besteht3. Die weißen bis gelblich-weißen Blüten stehen in engen Quirlen. 4, 5Im Gegensatz zum Wiesensalbei, bei dem weiße Blüten auch vorkommen können, ragen die Staubblätter aus der Blüte hinaus und sind gut sichtbar. Der Österreichische Salbei wächst auf Steppenwiesen und ehemaligen Hutweideflächen.6 Seine niedrige Blattrosette ist eine gute Anpassung an Beweidung, da die kaum vom Boden abstehenden Blätter von weidenden Rindern nicht abgefressen werden können.7 Er blüht von Juni bis August und ist stark gefährdet.
 
Besonderheit Wiesensalbei
Die Blüte des Wiesensalbei ist auf eine besondere Art auf die Zusammenarbeit mit bestäubenden Insekten spezialisiert: Der Pollen wird mit einem speziellen Klappmechanismus auf den Rücken des Insekts, zum Beispiel der Hummel, appliziert. Dieser Klappmechanismus wird ausgelöst, wenn die Hummel auf der Suche nach dem Nektar nach der Landung auf der Blütenlippe weiter in die Blüte vordringt. Dabei stößt die Hummel an einen Teil der 2 Staubblätter, der wie ein Hebel funktioniert und durch den Druck nach vorne die Staubblätter von oben auf den Rücken der Hummel drückt – der Pollen bleibt am Insekt hängen. Es ist faszinierend, diesen Mechanismus auch einmal mit der Hand auszulösen, indem man etwa einen Grashalm als Insektenersatz nimmt und ihn in die Blüte einführt – sofort klappen die Staubblätter hinunter. Wenn der Grashalm oder das Insekt die Blüte wieder verlassen hat, klappen die Staubblätter wieder hinauf und sind nicht mehr sichtbar. Der Pollen, der nun am Insekt haftet, wird zur nächsten Blüte transportiert und dort an der Narbe abgestreift, die bei älteren Blüten ebenfalls von oben in die Blütenmitte ragt. Da die Narbe erst später reift als die Staubblätter, wird eine Selbstbefruchtung der Blüte verhindert.
Die Insekten, denen der Wiesensalbei als Nahrungspflanze dient und die ihn dabei bestäuben, sind verschiedene Hummelarten, Honigbienen und viele Wildbienenarten – sie verwenden den Pollen auch als wichtige Eiweißnahrung und zur Ernährung der Larven. Schmetterlinge nutzen den Nektar ebenfalls.8
 
Schutzmaßnahmen
Die Salbeiarten wachsen auf Halbtrockenrasen, die aufgrund der Veränderungen in der Landnutzung immer weniger werden. Im Nationalpark werden mithilfe des Flächenmanagements seit Jahrhunderten genutzte Weideflächen weiter und wieder beweidet, um die Flächen offen zu halten. Die Beweidung erfolgt – je nach Fläche – auf einer Koppel oder mit einem Hirten, der die Herde gezielt zu einzelnen Flächen lenken kann. Dadurch wird verhindert, dass die Flächen verbuschen oder durch Düngung für empfindlichen Pflanzen unbrauchbar werden.
 
Beobachtung im Nationalpark
Der Wiesensalbei und der Steppensalbei können zur Blütezeit überall im Nationalpark beobachtet werden, sehr schön etwa am Geiselsteller in Illmitz oder um die Lange Lacke in Apetlon. Der Österreichische Salbei kann am besten am Wiesenwanderweg östlich der Langen Lacke beobachtet werden, hier gibt es einen Standort von einigen Quadratmetern Größe, wo sich der Österreichische Salbei ausgebreitet hat.
 
Literatur
1 Scherf, Wildpflanzen neu entdecken.
2 Scherf, Wildpflanzen neu entdecken.
3 Höpflinger und Schliefsteiner, Naturführer Österreich
4 Fischer, Blütenvielfalt im Pannonikum
5 Fitter, Blumen
6 Fischer, Blütenvielfalt im Pannonikum
7 Fischer, „Ein Hauch Orient - pannonische Vegetation und Flora“
8 Hintermeier und Hintermeier, Blütenpflanzen und ihre Gäste
 

Förderleiste