Salzaster

Aster tripolium

Die Salzastern bilden im Herbst lila blühende Teppiche im Seewinkel, die auf einen erhöhten Salzgehalt im Boden hindeuten – die Salzaster verträgt mehr Salz als die meisten anderen heimischen Pflanzen und hat damit einen Konkurrenzvorteil auf den sodahaltigen Böden rund um die Salzlacken. Sie ist eine wichtige Nahrungsquelle für verschiedene Insekten wie Bienen, Hummeln, Fliegen und Schmetterlinge, die bei ihr auch zur späten Blütezeit bis September/Oktober noch Nektar finden.

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Die Salzaster, auch Pannonische Salzaster genannt, wächst auf salzhaltigen Böden, im Seewinkel oft an den Randbereichen der Sodalacken. Diese Flächen werden im Frühjahr meist überschwemmt und sind – im Vergleich zum Umland – recht stark salzhältig. Das Zentrum der Salzlacken weist für die Salzaster bereits zu hohe Salzkonzentrationen auf.
 
Aussehen
Die Salzaster kann bis zu 60 cm oder, an günstigen Standorten, auch bis zu einem Meter hoch werden. An den meisten salzhaltigen Standorten im Seewinkel bleibt sie aber mit bis zu etwa 20 cm sehr niedrig, weil der Umgang mit der hohen Salzkonzentration viel Energie braucht, die sonst in das Wachstum hätte fließen können.
Der Stiel ist oft rot überlaufen, die Laubblätter länglich bis lanzettlich und schwach sukkulent; dadurch ist auch kein deutlich ausgebildetes Adernetz erkennbar. Die Strahlenblüten sind zungenförmig und hellblau bis lila gefärbt, die Röhrenblüten sind gelb.1 An feuchten, sumpfigen Standorten kann die Pflanze ein luftführendes Gewebe ausbilden, ein Aerenchym, das die Luftversorgung der Wurzeln sichert.
Die Salzaster ist ein- bis zweijährig, kann aber durch Abmähen oder Beweidung auch mehrjährig wachsen. Zum Überwintern bildet sie gegebenenfalls Überdauerungsknospen in der Nähe der Erdoberfläche – bei ungünstigen Lebensbedingungen bildet sie vor dem ersten Winter Samen und stirbt ab. Als Standort bevorzugt die Salzaster baum- und strauchfreie, helle Flächen.
Die Pannonische Salzaster Tripolium pannonicum oder Aster tripolium subsp. pannonicus hat sich durch die geographische Isolation von den Salzastern der Küstengebiete eigenständig weiterentwickelt und unterscheidet sich heute leicht von den maritimen Artgenossen.2
Die Blütezeit ist von Juni bis September/Oktober. Die pannonische Salzaster bildet stellenweise dichte Bestände, die die ganze Wiesenfläche in lila Farbe hüllen. Sie ist eine wertvolle Nahrungspflanze für Insekten, da sie reichlich Nektar produziert – besonders Bienen, Fliegen, Hummeln und Schmetterlinge sind auf ihr anzutreffen.3 Ihre Samen werden mit dem Wind verbreitet und können große Entfernungen zurücklegen. Sie ist geschützt (Gefährdungsgrad 3, „gefährdet“).4
 
Wissenswertes/Salz
Die Salzaster zählt zu den Halbrosettenpflanzen. Dieses Rosettenwachstum ist eine wichtige Eigenschaft beim Umgang mit dem Salz im Boden: ältere Blätter, in die bereits zu viel Salz eingelagert wurde, werden abgestoßen und durch nachwachsende junge, vom Salz unbelastete Blätter ersetzt. Im Durchschnitt kann die Pflanze so den Salzgehalt in den Zellen auf einem erträglichen Niveau halten.
Die Salzaster ist eine fakultative Salzpflanze, kann also sehr wohl ohne Salz im Boden leben und wird dabei auch größer. Da sie aber mehr Salz ertragen kann als die meisten anderen Pflanzen dieser Klimazone, hat sie einen entscheidenden Konkurrenzvorteil bei der Besiedlung salzhaltiger Flächen und nutzt diesen Lebensraum großflächig.
 
Schutzmaßnahmen
Den Lebensraum der Salzaster bilden salzhaltige Flächen rund um die Salzlacken und die Böden ehemaliger Salzlacken, die noch nicht ausgesüßt sind. Der Erhalt dieser salzigen Böden und des Ökosystems der Salzlacken ist wichtig, um die Salzaster zu bewahren – dazu gehören der Schutz der Lacken vor Entwässerung, das Hochhalten des Grundwasserspiegels und auch Mahd oder Beweidung, um zu verhindern, dass die Flächen durch Eintrag von Nährstoffen immer mehr zuwachsen. Auch die Entfernung von Büschen und Bäumen ist notwendig, um die offenen Flächen zu bewahren, auf denen die Salzaster gedeiht.
 
Beobachtung im Nationalpark
Die Salzaster ist bei vielen Lackenrändern und bei ehemaligen Lacken zu beobachten. Lohnend ist etwa der Blick auf die Illmitzer Zicklacke, wo durch -für Seewinkler Verhältnisse relativ große- Höhenunterschiede die Zonierung des Bodens und des Bewuchses gut erkennbar ist. Die Salzaster wächst auch am Geißelsteller, bei der Langen Lacke oder auf tiefliegenden Wiesen beim Darscho.
 
Literatur
1 Fischer, Blütenvielfalt im Pannonikum
2 Albert, „Die salzliebende (halophile) Vegetation des Seewinkels“
3 Eberle, Pflanzen unserer Feuchtgebiete und ihre Gefährdung
4 Fischer, „Floristische Steckbriefe“
 

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