Salzkresse

Lepidium cartilagineum

Die Salzkresse ist ein obligater Halophyt. Das heißt, sie barucht einen gewissen Salzgehalt im Boden, um gut gedeihen zu können. Sie lagert das Salz in die Vakuolen der Blätter ein, die dadurch – neben dem typischen scharfen Kressegeschmack – auch salzig schmecken. Die Blätter werden im Laufen der Vegetationsperiode immer dickfleischiger und salzhaltiger und werden schließlich abgeworfen, um die Salzkonzentration in der Pflanze wieder zu verringern.

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Salzkesse auf Solontschak
Die Salzkresse gehört zu den Kreuzblütlern, einer Familie, aus der viele unserer Nahrungspflanzen wie Kraut, Brokkoli oder Senf stammen. Auch die Salzkresse ist im Prinzip essbar und schmeckt aufgrund der Senföle und des Salzgehaltes scharf und salzig – sie steht aber aufgrund ihrer Seltenheit unter Naturschutz.
 
Aussehen
Die Salzkresse ist eine ausdauernde Pflanze mit kahlen, sukkulenten, bodenständigen Blättern, die silbriggrün gefärbt, ganzrandig und gestielt sind. Die Stängel können leicht verzweigt sein und weisen Laubblätter auf, die direkt am Stängel sitzen. Der Blütenstand ist doldig und weiß. Die Blütezeit ist von Mai bis Oktober, wobei die Hauptblütezeit zwischen Mai und Juni liegt. 1, 2
In Österreich ist die Salzkresse nur im Seewinkel zu finden. International gesehen erreicht das Vorkommen dieser kontinentalen Salzpflanze hier die westlichste Verbreitungsgrenze.
 
Besonderheiten/Salz
Die Salzkresse ist eine der im Binnenland seltenen Pflanzen, die auf salzigen Standorten wachsen können und – im Fall der Salzkresse – auch müssen. Sie gehört damit zu den obligaten Halophyten, die ohne Salz nur kümmerlich wachsen. Salz im Boden ist für den Organismus von Pflanzen aus verschiedenen Gründen eine große Herausforderung: wenn die Konzentration von Ionen in der Umgebungsflüssigkeit größer ist als die in den Pflanzenzellen, strömt Wasser aus der Pflanze in die Umgebung und die Pflanze verdurstet. Außerdem kann bei zu großer Salzkonzentration von den Wurzeln nicht verhindert werden, dass Ionen in die Pflanze eindringen und dort toxisch wirken. Nur wenige Pflanzen haben Strategien entwickelt, um mit hohen Salzgehalten im Boden umgehen zu können, und wiederum nur einige von diesen – zum Beipsiel die Salzkresse - brauchen die Salzionen sogar um überhaupt gedeihen zu können. Die Salzkresse akkumuliert in ihren Zellen Salze, um in den Zellen eine höhere Konzentration an Ionen zu erreichen als außerhalb der Pflanze. Im Vergleich zu anderen Halophyten kann die Salzkresse durch ziemlich hohe Salzanreicherung auch auf sehr salzigen Böden, wie etwa an den Lackenrändern und auf Blindzickstellen, bestehen. Die Ionen werden von der Pflanze dabei hauptsächlich in der Vakuole gespeichert, wo die Salze keine Stoffwechselprozesse beeinflussen können.3
Mit zunehmendem Alter werden die Blätter der Salzkresse immer sukkulenter. Dabei wird der Wassergehalt der Blattzellen gesteigert und das Volumen der Zellen nimmt zu, da die eintretenden Salze immer wieder verdünnt werden müssen, um eine relativ stabile Konzentration aufrecht zu erhalten. Die Blätter, die zum Teil in einer Rosette am Boden angeordnet sind, können, wenn sie zu alt und zu sukkulent werden, abgeworfen werden, damit junge, noch unverbrauchte Blätter ihre Funktion übernehmen.
 
Schutzmaßnahmen
Die Salzkresse ist wie alle anderen Halophyten im Seewinkel auf salzige Böden angewiesen, um ihren Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Pflanzen nutzen zu können. Das Bewahren der sodahaltigen Böden und Lacken ist daher wichtig für den Erhalt der Salzkresse; dazu muss dem sensiblen Wasserkreislauf der Lacken Rechnung getragen werden: der Grundwasserspiegel spielt eine große Rolle, da die Salze mit dem aufsteigenden Wasser an die Oberfläche gelangen. Sinkt nun der Grundwasserspiegel zu sehr, wird kein Salz aus dem Boden nachgeliefert. Auch oberflächliche Entwässerung senkt den Salzgehalt, bis die Lacken aussüßen und konkurrenzstarke Pflanzen die Salzkresse verdrängen. Information und Zusammenarbeit mit den LandwirtInnen ist für das Erhalten der salzigen Flächen daher von großer Wichtigkeit, genauso wie der Rückstau bereits bestehender Entwässerungskanäle und der Schutz der betroffenen Flächen vor Bebauung. Über Beweidung und Mahd wird verhindert, dass die Flächen verbuschen oder die Lacken durch Eintrag von organischem Material langsam verschwinden.
 
Standort und Beobachtung im Seewinkel
Im Seewinkel ist die Salzkresse an vielen Standorten anzutreffen, an denen der Salzgehalt des Bodens hoch genug ist. Bei diesen Salzböden, Solontschak genannt, tritt der salzführende Horizont, der sonst unter nicht-salzigen Bodenschichten bedeckt ist, an die Oberfläche. Das passiert im Seewinkel oft sehr kleinräumig, sodass salzige Bodenbereiche oft in einem Mosaik mit nicht-salzigen Bereichen auftreten und innerhalb weniger Meter verschiedene Pflanzengesellschaften anzutreffen sind. Im Seewinkel lässt sich das immer wieder gut beobachten, etwa am Geißelsteller in Illmitz oder auf den Hutweideflächen östlich der Langen Lacke. Größere Ansammlungen von Salzkresse sind im direkten Anschluss an einige der Salzlacken zu finden, etwa beim Oberstinker See in Illmitz/Hölle oder der Illmitzer Zicklacke.
 
Literatur
1 Fischer, Blütenvielfalt im Pannonikum
2 Fischer, „Floristische Steckbriefe“.
3 Albert, „Die salzliebende (halophile) Vegetation des Seewinkels“
 

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