Sandregenpfeifer

Charadrius hiaticula

Die bereits im März/April im Neusiedler See Gebiet durchziehenden Sandregenpfeifer gehören der im gemäßigten und borealen Europa brütenden Unterart hiaticula an, während die im Mai bis in den Juni in größerer Zahl hier rastenden Individuen der weiter nördlich und östlich brütenden Unterart tundrae zuzurechnen sind. Gute Bobachtungsplätze sind meist flache Lackenufer wie am Illmitzer Zicksee, an der Podersdorfer Pferdekoppel, die Lange Lacke oder der Obere Stinkersee.
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Merkmale

Der Sandregenpfeifer ähnelt aus der Distanz gesehen etwas dem Flussregenpfeifer, ist aber größer und kräftiger. Der Rücken ist wie beim Flussregenpfeifer graubraun, die Unterseite ist weiß gefärbt. Der kurze Schnabel ist vorne dunkel und hinten gelb gefärbt. Die Beine sind auffällig gelb gefärbt, und es fehlt im Unterschied zum Flussregenpfeifer der gelbe Augenring. Die Stirn ist schwarz und weiß gezeichnet, der weiße Überaugenstreifen ist deutlich. Der Sandregenpfeifer besitzt ein breites schwarzes Halsband. Anders als der Flussregenpfeifer hat der Sandregenpfeifer eine weiße Flügelbinde, die man deutlich im Flug erkennen kann.

Lebensräume

Der Sandregenpfeifer ist ein Brutvogel der Meeresküsten, besiedelt aber auch ähnlich strukturierte Lebensräume im Binnenland. An den Meeresküsten besiedeln Sandregenpfeifer vegetationslose oder -arme Kies-, Sand- und trockene Schlickflächen oder die Ufer von, an der Küste gelegenen Seen und Teichen. In den südlichen Teilen des arktischen Areals besiedelt die Art auch schütter bewachsene, schlammige oder steinige Stellen in der Zwergstrauchtundra. Im Binnenland brütet der Sandregenpfeifer auf den Kiesinseln und –ufern von Flüssen, Seen, Schottergruben und Stauseen oder auch auf sehr kurzgrasigem Grasland. Außerhalb der Brutsaison ist der Sandregenpfeifer in ganz ähnlichen Lebensräumen zu finden, seine Überwinterungsgebiete liegen an vegetationsarmen Küstengebieten wie Flussmündungen, Wattflächen, Sandbänken und aufgetauchte Korallenriffe; im Binnenland nutzt die Art strukturell ähnliche Gebiete wie zur Brutzeit, kommt aber auch in überflutetem Agrarland vor.

Verbreitung

Global und national

Das Verbreitungsgebiet des Sandregenpfeifers erstreckt sich vom Nordosten Kanadas über Grönland, Island und die Tundrenzonen, die borealen Zonen und die gemäßigten Klimazonen Eurasiens bis an die Westküste des arktischen Nordamerikas. Die Nominatform hiaticula kommt von Südskandinavien über Island und Grönland bis zum Nordosten Kanadas vor. Die Unterart tundrae ist vom Norden Skandinaviens bis nach Sibirien verbreitet. Sandregenpfeifer überwintern an den Küsten West- und Südeuropas, in Afrika südlich der Sahara und in Südwestasien.

Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf 120.000 bis 220.000 Brutpaare geschätzt. Länder mit Beständen von mehr als 10.000 Brutpaaren sind unter anderem Grönland, Island, Norwegen, Russland und Schweden. Im südlichsten Teil des europäischen Areals, an den Küste und den binnenländischen Tiefebenen von Belgien, Hollands, Deutschlands und Polens brüten ca. 1.800 bis 2.600 Brutpaare.

Wanderungen

Zu beiden Zugzeiten queren jedenfalls die Sandregenpfeifer den europäischen Kontinent in breiter Front. Die im nördlichen Mitteleuropa und in Nordeuropa brütende Unterart hiaticula, überwintert in Südwesteuropa und Nordwestafrika. Die im arktischen europäischen Russland, auf Spitzbergen und in Sibirien brütende Unterart tundrae, überwintert hingegen in Ost- & Südafrika. Beide Unterarten ziehen zu unterschiedlichen Zeiten vornehmlich an der Küste entlang in die Winterquartiere, und sind nur in kleinerer Zahl auch im Binnenland anzutreffen.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren herrschte weitgehende Unklarheit über den Status der Art im Neusiedler See Gebiet. Zu Anfang der 1950er Jahre lagen dann sehr viel mehr Beobachtungen zum Vorkommen der Art vor, der Status wurde daher mit „regelmäßiger, ziemlich häufiger Durchzügler“ beschrieben. Eine auf zufällig gesammelten Daten der 1960er Jahre basierende Auswertung, konnte bereits recht gut den zweigipfeligen Verlauf des Heimzuges beschreiben (siehe unten).

Aktuelle Erhebungen

Die beiden im Seewinkel auftretenden Unterarten von Sandregenpfeifern weisen zwei völlig unterschiedliche Durchzugsmuster auf. Die im gemäßigten und borealen Europa brütende Unterart hiaticula zieht bereits Mitte März bis Anfang April durch, die Zahlen erreichten 1995 - 2001 zehn bis 15 Exemplare. Die Unterart tundrae, der in subarktischen und arktischen Breiten von Nordskandinavien ostwärts brütet, zieht erst fast zwei Monate später, ab der zweiten Mai-Woche bis Anfang Juni durch. Der sehr späte Zuggipfel, der um den 20. Mai liegt, deutet auf eine westsibirische Herkunft der im Seewinkel durchkommenden Vögel hin. Tundrae zieht auch in sehr viel größerer Zahl durch, im Schnitt waren es 1995 - 2001 20 - 60 Individuen, das Maximum erreichte sogar knapp über 90 Exemplare.

Am Wegzug überlappen sich die Zugperioden und die beiden Unterarten können nicht mehr so anschaulich voneinander getrennt werden. Der Altvogeldurchzug beginnt Mitte/Ende Juli und dauert bis Mitte September. Im Schnitt wurden 1995 - 2001 10 - 20 Exemplare gezählt. Hiaticula zieht dabei überwiegend Ende Juli/Anfang August, die sibirischen tundrae ziehen erst Mitte August bis Mitte September durch. Im August ist daher mit beiden Unterarten zu rechnen, im September dürfte es sich ausschließlich um tundrae handeln. Der Jungvogelzug startet Mitte August mit den ersten Vögeln der Unterart hiatcula, im September gefolgt von der Masse von aus Sibirien kommenden tundrae. Die Durchschnittszahlen im September lagen 1995 - 2001 bei 30 - 50 Exemplaren, maximal waren es 70 Individuen.

Der Frühjahreszug beider Unterarten war in den Jahren 2011 - 2014 in allen Jahren schwach ausgeprägt bis höchsten durchschnittlich, die Maximalzahl aller vier Jahre lag bei 32 Exemplaren. Der Herbstzug fiel in den Jahren 2011, 2012 und 2014 mit 19 - 37 Individuen schwach aus, dafür konnte 2013 am 7.9. mit 104 Sandregenpfeifern ein neuer Gebietsrekord für die Art verzeichnet werden. An diesem Tag fanden sich alleine fünf größere Trupps von 14 - 30 Vögeln an der Graurinderkoppel, am Illmitzer Zicksee, am Oberen Stinkersee, an der Östlichen Wörthenlacke und in den Wasserstätten.

Bedeutung des Vorkommens

Der Seewinkel ist eines von drei bedeutenden Rastgebieten für den Sandregenpfeifer in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Regelmäßig vom Sandregenpfeifer frequentierte Gebiete sind die Graurinderkoppel, der Illmitzer Zicksee, der Obere Stinkersee, die Neubruchlacke, die Lange Lacke, die Obere Hölllacke und die Podersdorfer Pferdekoppel.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Die Rastplätze im Seewinkel als Teil des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel vor negativen Eingriffen geschützt. Allerdings kam es in den letzten Jahrzehnten aufgrund des durch niedere Grundwasserstände verursachten „Lackensterbens“ zu einem nicht zu unterschätzenden Verlust an Rastmöglichkeiten für den Sandregenpfeifer und viele andere an die Lacken gebundene Vogelarten. Diese besonders niedrigen Grundwasserstände in den oft über mehrere Jahre hinweg andauernden Trockenphasen sind vermutlich im Wesentlichen auf Wasserentnahmen für die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen zurückzuführen.

Langfristig ist daher die Sicherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der verbliebenen Salzlacken eine zentrale Maßnahme für den Sandregenpfeifer und alle anderen durchziehenden Limikolen und Wasservögel im Seewinkel. Dazu zählt auch die Renaturierung von bereits degradierten Salzlacken. Im gesamten Neusiedler See Gebiet sollte durch natürliche Wasserstandsschwankungen eine möglichst große Amplitude an Wasserständen gegeben sein, um die kurzfristige Entstehung günstiger Rastmöglichkeiten zuzulassen.

Weiterführende Literatur

Kohler, B. & G. Rauer (2009): Bestandsgrößen und räumliche Verteilung durchziehender Limikolen im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel in den Jahren 1995-2001. Egretta 50: 14-50.

Laber, J. (2003): Die Limikolen des österreichisch/ungarischen Seewinkels. Egretta 46: 1-91.

Winkler, H. & B. Herzig-Straschil (1981): Die Phänologie der Limikolen im Seewinkel (Burgenland) in den Jahren 1963 bis 1972. Egretta 24: 47-69.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.