Schnatterente

Anas strepera

Die Wasserflächen im Seewinkel, an den landseitigen Rändern des Neusiedler Sees sowie der Südteil des Neusiedler Sees beherbergen regelmäßig mehr als 1 % der zentraleuropäischen/schwarzmeer/mediterranen Population und sind daher ein internationaler bedeutender Rastplatz der Schnatterente. Zu beobachten sind die Schnatterenten eigentlich auf fast allen Lacken, so diese über eine ausreichenden Wasserstand verfügen.

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Merkmale

Schnatterenten sind nur etwas kleiner als Stockenten. Die Männchen haben einen hellen, oft bräunlichem Kopf und sind ansonsten dunkelgrau. Nur aus der Nähe erkennt man die hübsche Bänderung auf der Brust der Oberseite und die feine Strichelung von Kopf und Hals. Im Schlichtkleid ähnelt die Schnatterente sehr der Stockente, ist aber im Flug sehr gut durch ihren rechteckigen weißen Flügelspiegel von der zu unterschieden. Auffallend ist auch das schwarze Hinterteil des Männchens.

Lebensräume

Die Schnatterente bevorzugt große, offene und flache, eutrophe Stillgewässer mit reichhaltiger Ufer- und Unterwasservegetation. Da der Brutplatz in höherer Ufervegetation liegt müssen geeignete Brutgewässer zumindest teilweise mit einem Röhrichtbestand bewachsen sein, sehr günstig ist das Vorhandensein von stark bewachsenen (Schilf-)inseln. Schnatterenten ernähren sich überwiegend vegetarisch und fressen die untergetauchten Teile von Wasserpflanzen (Blätter, Sprossen und Rhizome) sowie deren Samen. Tierische Nahrung macht nur einen kleinen Teil des Nahrungsspektrums der Art aus. Da die Nahrungssuche vor allem seiend und knapp unter der Oberfläche pickend erfolgt und die Schnatterente selten gründelt benötigt sie sehr seichte Wasserflächen. Als Rastplätze kommen im Binnenland ungestörte Bereiche größerer, seichter Stillgewässer und an den Meeresküsten seichte Brack- und Süßwassersümpfe, Lagunen und flache Buchten in Frage.

Verbreitung

Global und national

Die Schnatterente ist ein weit verbreiteter Brutvogel der gemäßigten Zonen Eurasiens und Nordamerikas. In Europa brütet die Art in West-, Süd- und Mitteleuropa, im Nordosten erreicht das Areal lediglich den Süden der Skandinavischen Halbinsel und Finnlands. Die aktuellste Angabe für den europäischen Brutbestand bewegte sich bei 60.000 - 96.000. Die Flyway-Population, der die Vögel des Neusiedler See Gebiets angehören,  wird derzeit, wie bereits in den 1990er Jahren auf 75.000 - 150.000 Exemplare.

Wanderungen

Die Schnatterente wandert entweder nur über relativ kurze Distanzen oder ist, wie viele Populationen in Westeuropa, überhaupt mehr oder weniger sedentär. Die Vögel der zentraleuropäischen/schwarzmeer/mediterranen Population, zu der auch das Neusiedler See Gebiet zählt, überwintern im Mittelmeergebiet, in Mitteleuropa und rund ums Schwarze Meer.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Mitte der 1930er Jahre war die Schnatterente als Brutvogel sehr selten, wenige Jahre später bei höheren Wasserständen dann sehr häufig. Zu Beginn der  1940er Jahre wurde sie ebenfalls als häufig beschrieben. Für die Mitte der 1960er Jahre wurde ein Bestand von ca. 50 Brutpaaren angegeben. In den Jahren 1995 - 1997 wurden im Auftrag der Biologischen Station Illmitz Bestandsaufnahmen der brütenden Schwimmvögel durchgeführt. Der Brutbestand lag in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre bei 30 - 40 Paaren, stieg dann aber ab 1992 stark an und erreichte im Hochwasserjahr 1997 mit rund 115 Brutpaaren einen Höhepunkt.

Aktuelle Erhebungen

Die Schnatterente ist im Neusiedler See Gebiet einerseits Brutvogel, andererseits zieht sie im Frühjahr und im Herbst auch in größerer Zahl durch. In den letzten Jahren mehren sich Hinweise, dass dem Gebiet auch als Mauserplatz größere Bedeutung zukommt. Der Großteil des Brutbestandes findet sich im Seewinkel, wo die Schnatterente zum Teil an den Lacken, in den letzten 10 Jahren aber zunehmend in den Beweidungsflächen am landseitigen Rand des Neusiedler Sees zwischen dem Neudegg und Illmitz brütet. Im Schilfgürtel selbst ist die Schnatterente nur ein seltener und sehr lokaler Brutvogel.

In den Jahren 2001 - 2013 schwankte der Brutbestand, hauptsächlich in Abhängigkeit von den Wasserständen am Neusiedler See und an den Lacken, zwischen rund 30 - 60 Paaren in trockenen und zwischen rund 70 und 90 Paaren in feuchteren Jahren. Zwischen 2009 und 2013 entfielen zwischen 20 und 50 Prozent der Brutpopulation auf die Beweidungsflächen am landseitigen Rand des Neusiedler Sees.

Im Neusiedler See Gebiet wurden 1981 - 1992 (M. Dvorak u. a. im Auftrag der Biologischen Station)und seit 2007 (M. Dvorak, J. Laber, B. Wendelin) systematische Zählungen brütender durchziehender Wasservögel im Rahmen des Projektes „Vogelmonitoring im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel“ durchgeführt. Für die dazwischen liegenden Jahre liegen einige wenige Zufallsdaten vor, so gut wie nie handelt es sich jedoch um vollständige Zählungen.

Die Bestände rastender Schnatterenten haben im Neusiedler See-Gebiet in den letzten Jahrzehnten sowohl im Frühjahr als auch im Herbst zugenommen.  1981-1992 lag der Mittelwert aller Zählungen vom Frühjahrszug bei 87 Individuen, das Maximum waren 192 Exemplare am 14.3.1982. Im Gegensatz dazu wurden in den Jahren 2008-2014 im Durchschnitt 700 Exemplare gezählt, was grob einer Verachtfachung des Bestandes entspricht! Die Maxima in diesem Zeitraum wurden 2011 mit 1.806 am 12.3.und 1.013 am 3.4. sowie 2013 mit 1.235 Exemplaren am 7.4. und erreicht.

Im Spätsommer kam es in den letzten Jahren vor allem in den Seerandzonen zu bedeutenden Ansammlungen von vermutlich mausernden Schnatterenten: So wurden am 20.8.2010 2.304 Exemplare gezählt, 2011 waren es am 8.8. 1.283 und am 4.9. 1.887. In den Jahren 2012 bis 2014 wurden nicht ganz so hohe Werte zwischen 600 und 800 Exemplaren ermittelt. Auch in den späten 1990er Jahren wurden solche spätsommerlichen Rastgesellschaften fallweise aus dem Neusiedler See Gebiet gemeldet: Im Südteil des Neusiedler Sees wurden am 28.8.2000 555 und am 11.9.2000 sogar 1.100 gezählt, an der Langen Lacke waren am 2.9.1995 460 Exemplare versammelt und am 3.9.1999 wurden auf der Oberen Halbjochlacke 400 Schnatterenten gezählt.

Der Herbstzug kann in Abhängigkeit von den Wasserständen wie bei den anderen Wasservögeln unterschiedlich stark ausfallen. In den Jahren 1981 - 1992 wurden im November im Durchschnitt 122 Schnatterenten gezählt. In den Jahren 2006 - 2013 waren es hingegen im September im Mittel 437, im Oktober 534 und im November 465. Die Maximalzahlen bei guten Wasserständen an See und Lacken liegen um 1.000 Individuen, ein Wert der nur einmal, am 19.10.2010 mit 1.753 Exemplaren deutlich übertroffen wurde.

Eine hohe Bedeutung als Rastplatz im Herbst hat zusätzlich in manchen Jahren der Südteil des Neusiedler Sees. In den 1980er Jahren wurden hier z. B. am 16.11. 1981 600 und am 15.11.1982 500 Schnatterenten gezählt, 1987 waren sogar noch größere Trupps am See versammelt mit 1.700 Individuen am 19.10 und 2.000 am 16.11.; andererseits waren in einigen Jahren auch gar keine Schnatterenten am Neusiedler See zu finden, so z. B. am 13.10.1986 und am 24.10.1990. Auch in den Jahren 2007 bis 2013 ergaben die Zählungen im Südteil des Sees sehr unterschiedliche Ergebnisse und schwankten zwischen 150 und 400 Schnatterenten, am 18.11.2009 wurden maximal 680 Exemplare gezählt.

Bedeutung des Vorkommens

Die Wasserflächen im Seewinkel, an den landseitigen Rändern des Neusiedler Sees sowie der Südteil des Neusiedler Sees beherbergen regelmäßig mehr als 1 % der zentraleuropäischen/schwarzmeer/mediterranen Population und sind daher ein internationaler bedeutender Rastplatz der Schnatterente.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die Schnatterente ist im Neusiedler See Gebiet ein Brutvogel, zieht aber auch im Frühjahr und im Herbst in größerer Zahl durch. In den letzten Jahren mehren sich Hinweise, dass dem Gebiet auch als Mauserplatz größere Bedeutung zukommt. Im Neusiedler See Gebiet herrschen durch die Kombination von Seichtwasser und reichhaltiger Ufer- und Unterwasservegetation an den Lacken und landseitigen Seerändern optimale Bedingungen für die Art; durch die großflächige Beweidung im Bereich zwischen Neudegg und Podersdorf sind hier hervorragend geeignete Lebensräume zu finden. Zu beobachten sind die Schnatterenten eigentlich auf fast allen Lacken, so diese über eine ausreichenden Wasserstand verfügen.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Derzeit sind keine Gefährdungsfaktoren für die Rastbestände der Schnatterente zu erkennen. Störungen durch Jagdausübung und die nur mehr unregelmäßige Wasserführung von wichtigen Rastplätzen stellen die maßgeblichen Gefährdungen auf österreichischer Seite des Neusiedler See Gebiets dar.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M. (1994): Schwimmvögel. Pp. 90-131 in G. Dick, M. Dvorak, A. Grüll, B. Kohler & G. Rauer: Vogelparadies mit Zukunft?. Ramsar-Bericht 3 Neusiedler See - Seewinkel. Umweltbundesamt, Wien. 356 pp.

Festetics, A. & B. Leisler (1968): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (I.Teil: Biogeographie des Gebietes, II.Teil: Schwimmvögel.). Wiss. Arb. Burgenland 40: 83-130.

Seitz, A. (1942): Die Brutvögel des „Seewinkels“ (der "Burgenländischen Salzsteppe") am Ostufer des Neusiedlersees, Gau Niederdonau. Niederdonau / Natur und Kultur 12. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig. 52 pp.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.