Schwarzhalstaucher

Podiceps nigricollis

Die Lacken im Seewinkel sind derzeit der einzige regelmäßig besetzte Brutplatz des Schwarzhalstauchers in Österreich. Der Brutbestand schwankt mit den Wasserständen, bei niedrigen Pegelständen brüten nur wenige Paare an den tieferen Lacken und auch diese oftmals ohne Erfolg.

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Merkmale

Beide Geschlechter sehen gleich aus. Im Prachtkleid fallen Schwarzhalstaucher durch die fächerförmig herabhängenden goldenen Ohrbüschel und rostbraune Flanken auf. Im Schlichtkleid haben sie eine schwarz-weiße Zeichnung, nur die Augen bleiben leuchtend korallenrot.

Lebensräume

Schwarzhalstaucher leben an Überschwemmungsgebieten, Seen, größeren Teichen oder in Sumpfgebieten. Im Neusiedlerseegebiet legen sie ihre Nester meist in die Randvegetation von tieferen Lacken. Nur in Jahren mit hohen Wasserständen brüten sie in kleineren oder größeren Brutansammlungen. Der Schwarzhalstaucher ist in seiner Habitatwahl selektiver als die anderen einheimischen Lappentaucherarten, er benötigt relativ flache, nährstoffreiche, vor allem aber reich mit Ufervegetation bewachsene Gewässer, die außerdem eine gewisse Mindestgröße aufweisen müssen. Bekannt ist auch seine Tendenz zur Bildung kleinerer Kolonien, die sich oft in enger Nachbarschaft zu Möwen-Brutkolonien befinden. In Österreich brütet der Schwarzhalstaucher überwiegend an gut bewachsenen, seichten Fischteichen, in geringerer Zahl auch an einigen Salzlacken des Seewinkels

Verbreitung

Global und national

Schwarzhalstaucher sind in weiten Teilen von Europa, Nord- und Südamerika, Asien sowie im südlichen und östlichen Teil von Afrika beheimatet.

Wanderungen

Die weiter nördlich brütenden Populationen sind Zugvögel und ziehen im Herbst nach Südeuropa, Südamerika und Südostasien, wo sie meistens an großen Binnenseen, seltener an der Küste überwintern. Die Winterquartiere südlicher Populationen liegen in Südeuropa an Seen, an Stauseen, in Meeresbuchten und an Flussmündungen.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Der Schwarzhalstaucher war in den 1930er und frühen 1940er Jahren ein nicht seltener Brutvogel des Seewinkels, zeitweilig soll er auch am Neusiedler See gebrütet haben. In den frühen 1950er-Jahren war die Art an den Lacken häufiger Brutvogel und am See nur spärlich vorhanden. In den 1960er-Jahren soll der Schwarzhalstaucher im Seewinkel in 150 - 200 Paaren gebrütet haben mit Brutkolonien von bis zu 70 Paaren am Illmitzer Zicksee. Eine Auswertung der Bestandsituation für die Jahre 1981 - 1992 ergab nur für 1981, 1983 und 1992 höhere Brutbestände (34 - 36, 26 - 28 bzw. 13 - 17 Paare), ansonsten brütete der Schwarzhalstaucher nur vereinzelt (unter 6 Paare) oder gar nicht (1989 und1990) an den Lacken.

In den 1990er Jahren werden aus den Hochwasserjahren ab 1996 sehr gute Bestände gemeldet, eine konkrete Bestandszahl liegt jedoch nur aus dem Jahr 1997 vor: An sechs Lacken (Albersee, Fuchslochlacke, Obere Halbjochlacke, Illmitzer Zicksee, Lange Lacke, Westliche Wörthenlacke) waren insgesamt 50 - 60 Paare anwesend, davon brüteten zumindest 24 am Illmitzer Zicksee, Albersee und an der Westlichen Wörthenlacke. Auch in den Jahren 1996 sowie 1998 - 2000 dürfte der Brutbestand in ähnlicher Höhe gelegen sein.

Aktuelle Erhebungen

Im Neusiedler See-Gebiet wurden 1981 - 1992 (M. Dvorak u. a. im Auftrag der Biologischen Station)und seit 2007 (M. Dvorak, J. Laber, B. Wendelin) systematische Zählungen brütender durchziehender Wasservögel im Rahmen der Projektes „Vogelmonitoring im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel“ durchgeführt. Für die dazwischen liegenden Jahre liegen einige wenige Zufallsdaten vor, so gut wie nie handelt es sich jedoch um vollständige Zählungen.

Dabei werden zwar fast jedes Jahr einzelne Altvögel zu Beginn der Brutzeit im Lackengebiet gesichtet, ziehen dann aber offenbar rasch wieder ab und es kommt aufgrund der zu niederen Wasserstände zu keinen Ansiedlungen. In der Abbildung ist der Zusammenhang deutlich sichtbar: Erfolgreiche Bruten gelangen in Jahren den letzten 13 Jahren nur bei hohen Wasser - Pegelständen an den Lacken. Führende Schwarzhalstaucher wurden 2008 bis 2011 und 2013 gesichtet, alles Jahre, in denen der Untere Stinkersee (stellvertretend für andere tiefere Lacken) deutlich höhere Wasserstände aufwies. In den trockenen Jahren 2001 - 2007 wurden keine erfolgreichen Bruten des Schwarzhalstauchers bekannt, erst in der wieder feuchteren Periode ab 2008: Mit Ausnahme des Jahres 2012 brüteten alljährlich 3 - 12 Paare erfolgreich.

Bewertung des Vorkommens

Die Lacken im Seewinkel sind derzeit der einzige regelmäßig besetzte Brutplatz der Art in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Zu beobachten sind sie zur Brutzeit nur in Jahren mit hohen Wasserständen an den tieferen Lacken wie z.B.: an der Westlichen und Östlichen Wörthenlacke, an der Langen Lacke, am Illmitzer Zickssee und am Unteren Stinkersee.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Für den Schwarzhalstaucher ist in Jahren mit hohen Wasserständen vor allem an den Lackenrändern die Sicherung der Störungsfreiheit von Brutplätzen entscheidend wichtig. Bestandsunterstützend wäre in diesem Zusammenhang auch eine Verhinderung von zu raschem Abfließen der Frühjahrshochwässer aus den Lackenmulden.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M. (1994): Schwimmvögel. Pp. 90-131 in G. Dick, M. Dvorak, A. Grüll, B. Kohler & G. Rauer: Vogelparadies mit Zukunft?. Ramsar-Bericht 3 Neusiedler See - Seewinkel. Umweltbundesamt, Wien. 356 pp.

Festetics, A. & B. Leisler (1968): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (I.Teil: Biogeographie des Gebietes, II.Teil: Schwimmvögel.). Wiss. Arb. Burgenland 40: 83-130.

Seitz, A. (1942): Die Brutvögel des „Seewinkels“ (der "Burgenländischen Salzsteppe") am Ostufer des Neusiedlersees, Gau Niederdonau. Niederdonau / Natur und Kultur 12. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig. 52 pp.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.