Seidenreiher

Egretta garzetta

Der Seidenreiher brütet in geringer Anzahl auf der großen Schilfinsel in der Kernzone des Nationalparks. Zu beobachten ist er am besten bei der Nahrungssuche auf überschwemmten Wiesen und Hutweiden oder in den Weideflächen am Ostufer des Neusiedler Sees, wie z. B. an der Podersdorfer Pferdkoppel und an der Illmitzer Warmblutkoppel.

mehr erfahren...

Merkmale

Die schneeweißen Seidenreiher sind an den gelben Zehen an den sonst schwarzen Beinen auch im Flug schnell zu identifizieren. Außer der auffälligen Zehen- und Beinfärbung  ist er vom ebenso weißen Silberreiher durch die deutlich kleinere Körpergröße und die weitaus grazierlichere Gestalt zu unterscheiden und im Brutkleid durch den langen Schopf am Kopf.

Lebensräume

Der Seidenreiher brütet im Binnenland an seichten Seen, in Teichgebieten und an langsam fließenden Flüssen, an der Küste in küstennahen Brack- und Salzwasserlagunen sowie in Salinen. Er brütet in Kolonien und ist oft mit anderen Reiherarten vergesellschaftet. Die Nester werden in niederen Bäumen, großen, hohen Bäumen angelegt, zumeist entlang von Flussläufen aber bisweilen, wie am Neusiedler See, auch in Schilfbeständen oder anderer hoher Verlandungsvegetation. Zur Nahrungssuche benötigt der Seidenreiher Gewässer mit geringen Wassertiefen. Bevorzugt werden offene, mit Ausnahme von Einzelbäumen und -büschen mit wenig höherer Vegetation bewachsene Gebiete. Im Neusiedler See Gebiet brüten die Seidenreiher in Kolonien auf der Großen Schilfinsel im Südteil des Neusiedler Sees. Zur Nahrungssuche nutzen die Vögel bevorzugt die großen Viehweiden in der landseitigen Verlandungszone am Ostufer vom Neudegg bis zur Podersdorfer Pferdekoppel sowie seicht überschwemmte, nieder bewachsene Verlandungszonen an den Lacken und in den Wiesengebieten.

Verbreitung

Global und national

Der Seidenreiher ist ein sehr weit verbreiteter Brutvogel, sein Areal erstreckt sich von Nordafrika und Südeuropa über den Nahen und Mittleren Osten nach Süd- und Südostasien, er brütet ferner in Australien und Neuseeland sowie lokal auch in vielen Ländern des tropischen Afrika und in Madagaskar. In Europa besiedelt die Art vorwiegend den Süden und erreicht im Nordwesten die Küste Frankreichs und den Süden Englands, in Mitteleuropa Norditalien und die Kleine und Große Ungarische Tiefebene sowie im Osten die Küstenregionen des Schwarzen Meeres. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 68.000 - 94.000 Paare geschätzt, der Schwerpunkt des Vorkommens liegt im Südosten der Iberischen Halbinsel, in Süd- und Westfrankreich sowie Oberitalien mit zusammen rund der Hälfte aller Brutpaare Europas.

Wanderungen

Seidenreiher sind Zugvögel, im westlichen Mittelmeerraum ist aber in den letzten drei Jahrzehnten eine Tendenz zu verstärkter Überwinterung zu verzeichnen. Französische Vögel überwintern an den Küsten des südlichen Mittelmeerraumes oder überfliegen die Sahara, um in der nördlichen Sahelzone und auch noch weiter südlich zu überwintern. Weiter östlich brütende Seidenreiher wandern ebenfalls ins Mittelmeergebiet, ins tropische Afrika oder in den Mittleren Osten. Die Ankunft der ersten Brutvögel fällt auf Anfang April, der Wegzug der Altvögel setzt Ende August/September ein.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Aktuelle Erhebungen

Der Seidenreiher ist als Brutvogel im Nationalpark auf ein kleines Vorkommen beschränkt, dessen Zahl in den Jahren 1998 bis 2013 in weiten Grenzen schwankte. 1998 wurde die Art auf der Großen Schilfinsel erstmals als Brutvogel für den Neusiedler See und damit auch für Österreich nachgewiesen; es scheint allerdings möglich, dass das Vorkommen bereits in den Jahren 1995 - 1997 bestanden hat. Brüteten 1998 4 - 5 Paare so lag der Bestand 1999 bei 1 - 5, 2000 bei 5 - 10 und 2001 bei zumindest einem Paar. In den Trockenjahren 2002 - 2006 gelangen keine Brutnachweise, erst 2007 konnte wiederum ein Horst entdeckt werden. 2009 - 2012 schwankte der Brutbestand von 3 - 6 Paaren, 2013 wurde der bisherige Rekordwert von 11 Horsten ermittelt.

Bedeutung des Vorkommens

Die Brutkolonie am Neusiedler See ist das einzige über mehrere Jahre hinweg besetzte Vorkommen in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Der Seidenreiher brütet in geringer Anzahl auf der großen Schilfinsel in der Kernzone des Nationalparks. Zu beobachten ist er am besten bei der Nahrungssuche auf überschwemmten Wiesen und Hutweiden oder in den Weideflächen am Ostufer des Neusiedler Sees, wie z. B. an der Podersdorfer Pferdkoppel und an der Illmitzer Warmblutkoppel.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Erforderlich ist die Lenkung der Schilfbewirtschaftung durch die Ausweisung von Zonen unterschiedlicher Nutzung inklusive der Einrichtung von großflächigen Altschilfreservaten in Gebieten mit bestehenden Reiherkolonien oder in Gebieten, die hinsichtlich Struktur und Störungsfreiheit als Standorte für Brutkolonien geeignet sind.

Weiterführende Literatur

Nemeth, E., P. Grubbauer, M. Rössler & A. Schuster (2004): Ökologische Untersuchungen an den Reihern und Löfflern des Neusiedler See-Gebietes. Habitatwahl. Nahrungsökologie, Bruterfolg, Populationsentwicklung und Schutz der in Kolonien brütenden Schreitvögel. Biol. Forschungsinstitut Burgenland - Bericht 92: 1-22.

Nemeth, E. & P. Grubbauer (2005): Zur aktuellen Bestandssituation der Reiher und Löffler des Neusiedler See-Gebietes. Egretta 48: 1-18.

Schuster, A., E. Nemeth, A. Grüll. & M. Rössler (1998): Der Seidenreiher (Egretta garzetta) – ein neuer Brutvogel für Österreich. Egretta 41: 61-65.