Spinnenragwurz

Ophrys sphegodes

Die Spinnenragwurz ist eine sogenannte Sexualtäuschblume, die mit ihrer Blüte weibliche Sandbienen nachahmt und so männliche Sandbienen anlockt. Beim Versuch die für ein Sandbienenweibchen gehaltenen Blüten zu begatten, wird das Pollenpaket der Spinnenragwurz auf das Insekt geklebt und so weitertransportiert. 

mehr erfahren...
Die Spinnenragwurz gehört zur Familie der Orchideen und ist eine von vier heimischen Ragwurz-Arten (neben Fliegen-Ragwurz, Hummel-Ragwurz und Bienen-Ragwurz). Sie gehört zu den Sexualtäuschblumen, da die Blüten, um Bestäuberinsekten anzulocken, die Sexualpartner dieser Insekten optisch imitieren und Duftstoffe absondern.1 Der Name Spinnenragwurz kommt von der Assoziation der Blüte mit einer Spinne.2
 
Aussehen
Die Spinnenragwurz wird 10 bis 35 cm groß. Sie besitzt unterirdische Speicherknollen, aus denen bei milder Witterung auch schon im Herbst rosettenförmig blaugrüne Blätter austreiben können. Dies weist auf die Herkunft der Pflanzen aus südlichen Gegenden hin, wo die Spinnenragwurz den trockenen, heißen Sommer unterirdisch überdauert und die Winterzeit für Photosynthese nutzt. Die Blütezeit der Spinnenragwurz ist von April bis Mai. Sie wächst auf kalkhaltigen Böden und verträgt keine Verbuschung oder zu hohes Gras.
Optisch haben die Ragwurzen sehr außergewöhnliche Blüten: die gesamte Blüte ist um 180 Grad gedreht, wodurch sich die bei anderen Pflanzen oben stehende Lippe am unteren Teil der Blüte befindet. Dieses Labellum ist außerdem verbreitert, sehr auffallend und dient als Landeplatz für Insekten. Bei der Spinnenragwurz weist die Lippe, die oval ist und kein Anhängsel besitzt, eine silbrige, X- oder H-förmige Zeichnung auf dem rotbraun behaarten Untergrund auf.
 
Besonderheiten/Fortpflanzung
Das Bestäuberinsekt der Spinnenragwurz ist eine Sandbienenart, deren Männchen die Pflanze im Glauben aufsuchen, ein Sandbienenweibchen vor sich zu haben3 - ausgelöst wird diese Täuschung durch Sexuallockstoffe (Pheromone), die die Pflanze absondert. Diese Duftstoffanlockung ist umso wirksamer, da die Männchen der Bestäuberart vor den dazugehörigen Weibchen schlüpfen, und die Anziehung der Täuschpflanzen daher alternativlos und umso größer ist. Die Staubblätter und der Griffel sind verwachsen und bilden eine Säule, das Gynostemium. Darauf befinden sich die Pollen der Spinnenragwurz, die zu Pollenpaketen verklebt sind und ein Stielchen und eine Klebscheibe besitzen, sodass sie dem Insekt beim Blütenbesuch – dem Versuch, ein scheinbares Weibchen zu begatten – auf den Körper geklebt werden. Beim nächsten Begattungsversuch auf der nächsten Blüte werden die Pollenpakete dann deponiert. Nach erfolgter Befruchtung welkt die Pflanze sehr rasch, es werden große Mengen sehr kleiner Samen gebildet, die sehr leicht sind, und daher problemlos vom Wind auch über große Entfernungen verstreut werden können.
 
Wissenswertes/Symbiose
Wie alle Orchideen ist die Spinnenragwurz auf eine Lebensgemeinschaft mit symbiontischen Pilzen angewiesen, da ihre Samen kein Nährgewebe besitzen und zum Keimen auf die von den Pilzen bereitgestellten Nährstoffe angewiesen sind. Dazu wächst der Pilz in den Samen ein und versorgt ihn im besten Fall mit Nährstoffen, Wasser und Vitaminen, unter Umständen kann aber auch der Pilz den Orchideenkeimling töten und verdauen.4
 
Schutzmaßnahmen
Die Spinnenragwurz reagiert empfindlich auf zu hohen Grasbewuchs oder Verbuschung von Wiesenflächen. Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel wurde die im Gebiet früher vorherrschende Beweidung mit von einem Hirten geführten Weidetierherden gefördert oder wieder etabliert, um zu verhindern, dass die Halbtrockenrasenflächen verloren gehen. Der Hirte kann die Beweidung mithilfe eines Managementplanes gezielt lenken und je nach Entwicklungsstand der Vegetation und der Tierwelt werden Flächen geschont. Trotz regelmäßiger Beweidung müssen auch Weideflächen immer wieder von Büschen, die etwa aufgrund von Stacheln nicht gerne gefressen werden, befreit werden, um seltenen Orchideen und anderen Pflanzenarten einen offenen Lebensraum bieten zu können.
 
Beobachtung im Nationalpark
Zur Blütezeit im April und Mai kann die Spinnenragwurz auf vielen Hutweideflächen und Mähwiesen beobachtet werden. Vor allem die Weideflächen östlich der Langen Lacke in Apetlon, wo man auf dem Fußweg zwischen den von Kleinem Knabenkraut und Spinnenragwurz überzogenenen Flächen wandern kann, die Zitzmannsdorfer Wiesen oder der Geißelsteller in Illmitz sind lohnende Gebiete.
 
Literatur
1 Novak, Heimische Orchideen in Wort und Bild
2 Danesch und Danesch, Orchideen Mitteleuropas
3 Novak, Heimische Orchideen in Wort und Bild
4 Presser, Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen
 

Förderleiste