Steppenthymian

Thymus pannonicus

Der Steppenthymian ist eine pannonische Pflanze, die auf den Halbtrockenrasen des Seewinkels gut gedeiht. Er ist durch kleine Blätter und holzige Strukturen an die Trockenheit angepasst und durch ätherische Öle vor Fraß durch Weidetiere geschützt – der intensive Geruch des Steppenthymians wird bei Berührung freigesetzt und ist ein charakteristisches Element der sommerlichen Hutweide.

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Der Steppenthymian gehört zu den Lippenblütlern. Zu dieser Familie zählen viele unserer beliebten Kräuter, die in der Volksmedizin oder der Küche Verwendung finden, wie Rosmarin, Salbei, Oregano oder Minze. Gemeinsam ist den Pflanzen dieser Familie die Blütenform, bei der die Blütenkrone röhrenförmig ist und zwei Lippen aufweist: eine Oberlippe, die aus zwei verwachsenen Blütenblättern besteht, und eine Unterlippe, die aus 3 Blütenblättern geformt wird. Der Steppenthymian ist eine von vielen wildwachsenden Verwandten des kultivierten Echten Thymians (Thymus vulgaris).1 Die verschiedenen wildwachsenden Thymian-Arten sind auch unter dem Namen Quendel bekannt. Sie sind untereinander schwer zu unterscheiden und bastadieren auch. Der Steppenthymian ist eine ausdauernde Pflanze, die etwa 5 - 15 cm hoch wird, wobei die Stängel eher am Boden kriechen. Die Blüten sind rosa-lila.2
 
Besonderheiten/Ökologie
Der Steppenthymian ist eine wichtige Nahrungspflanze für viele Insekten. Die Kronröhren der Blüten sind relativ kurz und so kommen auch kurzrüsselige Insekten wie verschiedene Wildbienen- und Schwebfliegenarten an den Nektar. Für Schmetterlinge ist der Thymian ebenso eine gute Nahrungsquelle und auch Honigbienen fliegen den Thymian gerne an. Für sie ist die relativ lange und späte Blühzeit von Vorteil: da die Hauptblütezeit von Juni bis in den September reicht und der Thymian dabei reichlich Nektar produziert, bildet er eine wichtige Grundlage für die als Winterfutter dienende Honigmenge. In den Ländern des Mittelmeerraumes kann sogar stellenweise sortenreiner Thymianhonig beerntet werden.3
Traditionell wurde der Steppenthymian – wie alle Thymianarten – gesammelt und aufgrund antibakterieller Eigenschaften der ätherischen Öle in der Volksmedizin bei Husten und Erkrankungen der oberen Atemwege angewandt.
 
Lebensraum und Anpassung
Der Steppenthymian ist eine Pflanze der pannonischen Flora. Er ist gut an das warme, eher trockene pannonische Klima angepasst, das mit dem östlichen Teil von Österreich seine westliche Grenze findet. Mehrere Strategien erlauben es dem Steppenthymian, im Seewinkel gut zu gedeihen: Neben den Anpassungen an Trockenheit und Hitze, etwa kleinen, festen Blättern, haarigen Strukturen und Verholzung, ist der Steppenthymian durch seinen hohen Gehalt an ätherischen Ölen auch gut davor geschützt, gefressen zu werden. Im Gebiet des Seewinkels war das lange Zeit ein sehr wichtiger Konkurrenzvorteil, da die hier für Österreich einzigartige Steppe erst durch Beweidung über hunderte von Jahren entstanden ist. Die daraus resultierenden Halbtrockenrasen bieten dem Steppenthymian einen guten Lebensraum, und die weidenden Tiere, die auch heute wieder das Gebiet prägen, dezimieren den Thymian kaum. Damit wird er zu den Weidezeigern gezählt, eine Pflanze, die dort vermehrt auftritt, wo beweidet wird, da sie nicht gern gefressen wird.
 
Schutzmaßnahmen
Die Erhaltung des Lebensraumes des Steppenthymians im Seewinkel kann nur über menschliches Eingreifen geschehen – ohne Maßnahmen verbuschen und verwalden die Halbtrockenrasenflächen langsam. Die Beweidung mit Rinderherden, die von einem Hirten geführt und gezielt zu im Maßnahmenplan festgelegten Weideflächen gelenkt werden, ist im Gebiet notwendig und wird rund um die Lange Lacke durchgehend seit Jahrzehnten, rund um andere Lacken seit der Gründung des Nationalparks gewährleistet.
 
Beobachtung
Der Steppenthymian wächst auf vielen Flächen rund um die Lacken im Nationalparkgebiet. Einfach und aus der Nähe zu beobachten ist er etwa beim Ziehbrunnen an der Illmitzer Zicklacke, beim Ziehbrunnen am Geißelsteller in Illmitz oder bei einer Wanderung an der Ostseite der Langen Lacke.
 
Literatur
1 Hintermeier und Hintermeier, Blütenpflanzen und ihre Gäste - Teil 3.
2 Fischer, Blütenvielfalt im Pannonikum.
3 Hintermeier und Hintermeier, Blütenpflanzen und ihre Gäste - Teil 3.

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