Tafelente

Aythya ferina

Das Neusiedler See Gebiet ist eines der drei wichtigsten Brut- und Rastgebiete der Tafelente in Österreich und daher von nationaler Bedeutung. Generell liegt die Zahl der hier brütenden Paare mit Maximalwerten um 20 nicht besonders hoch, tendenziell ist der Brutbestand aber in feuchten Jahren größer als in trockenen. Gute Beobachtungsmöglichkeiten ergeben sich meist an den tieferen Lacken wie Unterer Stinkersee, St. Andräer Zicksee oder auch im Bereich der Warmblutpferdekoppel.

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Merkmale

Die Tafelente ist eine kräftig gebaute Tauchente, etwas kleiner als eine Stockente. Die Männchen sind ober- und unterseits hellgrau mit einem im Brutkleid auffällig gefärbten rostroten Kopf und grauem Schnabel. Die Augen sind beim Männchen auffällig rot. Weibchen sind schlicht braun/grau/grauweiß gefärbt. Die Männchen sind von Juni bis September im Schlichtkleid und ähneln dann stark den Weibchen.

Lebensräume

Die Tafelente brütet an mäßig bis stark eutrophen Stillgewässern sehr unterschiedlicher Größe, die einen zumindest schmalen Vegetationsgürtel oder Inseln sowie flache Uferbereiche mit höchstens 1 - 2 m Wassertiefe aufweisen müssen; die Ausdehnung der offenen Wasserfläche scheint von untergeordneter Bedeutung zu sein. Sofern Inseln vorhanden sind, werden die Nester gut gedeckt auf trockenem und festem Untergrund angelegt, fehlen Inseln, brütet die Art zumeist im Röhricht; die meisten Nester liegen in unmittelbarer Nähe der Wasserlinie, können aber bisweilen auch weiter entfernt sein. In Österreich brütet die Art mit Ausnahme der Salzlacken des Seewinkels/Bgld und des Neusiedler Sees/Bgld ausschließlich an künstlichen Gewässern, vor allem an Fischteichen. Im Neusiedler See Gebiet brüten sie im Schilfgürtel und halten sich auch zu den Zugzeiten vor allem an den tieferen Lacken auf.

Verbreitung

Global und national

Die Tafelente ist ein Brutvogel der Paläarktis, in Mitteleuropa ist sie sowohl Brut- als auch Jahresvogel. Sie lebt auch im mediterranen Bereich und an den salzigen Gewässern der Steppen- und Wüstenzonen. Die Tafelente ist auch in Eurasien und Nordafrika weit verbreitet. Der europäische Bestand wird auf 210.000 bis 440.000 Brutpaare geschätzt, davon brütet der Großteil in Osteuropa und circa 41.000 bis 70.000 in Mitteleuropa.

Wanderungen

Die Tafelente ist sowohl Stand- als auch Zugvogel. In den gemäßigten Zonen in West- und Südeuropa verbleibt sie ganzjährig im Brutgebiet, weiter nördlich brütende Populationen sind aber Langstreckenzieher und fliegen bis nach West- und Zentralafrika. Die im Westeuropa überwinternden Tafelenten können auch einen sehr weit östlichen Ursprung haben und Brutvögel der Waldsteppe Zentralasiens beinhalten. Die auf den Britischen Inseln und in Holland überwinternden Tafelenten kommen aus Skandinavien, Deutschland, Polen, dem Baltikum und Russland. Die im Mittelmeergebiet überwinternden Vögel kommen aus dem westlichen und zentralen Sibirien, aus Kasachstan und aus den anderen zentralasiatischen Republiken.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Der Brutbestand an den Lacken schwankt mit den Wasserständen. So wurden in den 1980er Jahren in feuchten Jahren wie z. B. 1981 und 1983 24 bzw. 31 Weibchen mit Jungvögeln gezählt, in trockenen Jahren wie z.B. 1989 - 1991 brütete die Art nur vereinzelt. 1992 wurden bei etwas höheren Wasserständen wiederum 26 Junge führende Weibchen erfasst. Im sehr feuchten Jahr 1997 brüteten zumindest 22 Weibchen erfolgreich.

Aktuelle Erhebungen

Im Neusiedler See Gebiet wurden 1981 - 1992 (M. Dvorak u. a. im Auftrag der Biologischen Station)und seit 2007 (M. Dvorak, J. Laber, B. Wendelin) systematische Zählungen brütender durchziehender Wasservögel im Rahmen der Projektes „Vogelmonitoring im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel“ durchgeführt. Für die dazwischen liegenden Jahre liegen einige wenige Zufallsdaten vor, so gut wie nie handelt es sich jedoch um vollständige Zählungen.

2001 und 2002 gelangen im Seewinkel wegen der Trockenheit keine Brutnachweise, 2003 wurden aber trotz niederer Wasserstände 20 - 22 erfolgreich brütende Weibchen (davon 18 - 20 an der Östlichen Wörthenlacke) gezählt 2005 waren es hingegen nur drei und 2006 vier. 2007 - 2011 gab es alljährlich 6 - 10 erfolgreiche Bruten an den Lacken, 2012 keine einzige und 2013 wiederum 15, der beste Wert seit dem Spitzenjahr 2003. Am Neusiedler See ist die Tafelente ein vereinzelter Brutvogel, ein Brutnachweis liegt z. B. aus dem Juni 2001 vom Westufer bei Mörbisch vor.

In den 1990er Jahren war die Tafelente im Frühjahr zwischen Mitte Februar und Anfang April ein recht häufiger Durchzügler an den Lacken mit Höchstzahlen von 200 - 350 Exemplaren, die vor allem Mitte März erreicht werden. In den Jahren 2011 - 2014 wurden alljährlich sehr unterschiedliche Zahlen erfasst: 2011 Mitte März 398 Exemplare, 2012 Anfang April 227, 2013 dann Ende März erstaunliche 1.711und 2014 Mitte März wiederum nur 148. Ein ausgeprägter Herbstzug lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten, doch können von August bis November auch größere Trupps für längere Zeit an bestimmten Lacken (sehr oft am Darscho und am St. Andräer Zicksee) verweilen. In den 1990er und frühen 2000er Jahren wurden mit regelmäßig 100 - 200 und maximal bis zu 350 Exemplaren weitaus größere Trupps als noch in den 1980er Jahren festgestellt. 2011 - 2014 wurden wie im Frühjahr im Herbst  alljährlich sehr unterschiedliche Zahlen erfasst: Mitte September 2011 156 Exemplare, im Herbst 2012 nur 2 - 8, Anfang September 2013 jedoch unerwartete 1.034 und Mitte September 2014 316.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet ist eines der drei wichtigsten Brut- und Rastgebiete der Tafelente in Österreich und daher von nationaler Bedeutung.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Gute Beobachtungsmöglichkeiten bieten die tieferen Lacken z.B. der Untere Stinker See, Östliche und Westliche Wörthenlacke und der St. Andräer Zicksee.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Für die Tafelente wichtig sind die Sicherung der Störungsfreiheit von Rast- und Brutplätzen.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M. (1994): Schwimmvögel. Pp. 90-131 in G. Dick, M. Dvorak, A. Grüll, B. Kohler & G. Rauer: Vogelparadies mit Zukunft?. Ramsar-Bericht 3 Neusiedler See - Seewinkel. Umweltbundesamt, Wien. 356 pp.

Scott, D.A. & P.M. Rose (1996): Atlas of Anatidae Populations in Africa and Western Eurasia. Wetlands International Publication No. 41, Wetlands International, Wageningen. The Netherlands. 336 pp.