Uferschnepfe

Limosa limosa

Das Brutvorkommen der Uferschnepfe im Seewinkel ist das einzige in Österreich.Zur Brutzeit ist die Art in den großen Wiesengebieten des Seewinkels relativ leicht zu beobachten. Gleich nach der Brutzeit lassen sich große Trupps mausernder Uferschnepfen an den größeren Lacken beobachten, der beste Platz ist dabei der Illmitzer Zicksee, in den letzten Jahren konnten Uferschnepfen-Ansammlungen auch am Unteren Stinkersee, an der Warmblutkoppel und an der Podersdorfer Pferdekoppel festgestellt werden.

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Merkmale

Die Uferschnepfe ist ein großer Watvogel mit einem langen, geraden und an der Basis orange und ansonsten schwarz gefärbten Schnabel. Im Prachtkleid sind Hals, Brust und Kopf orange bis tief rostrot gefärbt. Unterbauch und Unterschwanz sind weiß, Brust und Bauch sind von schwarzen Querbändern überzogen. Weibchen sind zumeist etwas weniger intensiv und unauffälliger gefärbt als Männchen. Uferschnepfen haben einen weißen Schwanz mit im Flug sehr auffälliger schwarzer Endbinde. Im Winter sind Mantel und Flügel hellgrau, Brust und Bauch schlicht weiß-grau. Der Schnabel ist im Schlichtkleid rosa mit schwarzer Spitze. Juvenile Vögel sehen aus wie die Adulten im Schlichtkleid, nur ist die Oberseite dunkel grau-braun. Hals und Brust sind blass/ hellbraun.  Der Ruf klingt laut und klagend, in etwa wie „wed-wed-wed“, oder „gritta-gritta-gritta“.

Lebensräume

Die Uferschnepfe ist ein Brutvogel ausgedehnter, offener Niederungswiesen mit weichem, nassem bis feuchten Untergrund und hohem Grundwasserstand. Als Neststandorte werden eingestreute trockene Stellen benötigt. Umgekehrt brütet die Art auch in eher trockenen Wiesen, sofern in der näheren Umgebung auch kleiner Feuchtstellen vorhanden sind. Bezüglich der Vegetationsstruktur, ist ein Deckungsgrad von maximal 85 - 90%, sowie ein Mosaik aus höheren und niedrigen, krautigen und grasigen Abschnitten wichtig. Diesen Anforderungen entsprechen am ehesten extensiv genutzte Wiesen und Weiden (z.B. Pfeifengras- und Kleinseggenwiesen) und anmooriges Wiesengelände (Großseggenwiesen). In Jahren mit hohem Wasserstand werden auch ansonsten trockene Hutweiden, spärlich bewachsene Zickböden und ausnahmsweise auch Äcker (Mais, Wintergetreide) besiedelt. Geeignete Lebensräume finden sich in breiten Flusstälern, an den Rändern größerer Flachseen, in größeren Nieder- und Hochmoorgebieten und in Feuchtsteppen. In West- und Mitteleuropa, wo solche „primären“ Lebensräume heutzutage weitgehend verschwunden sind, besiedelt die Uferschnepfe auch feuchte Mähwiesen in den Niederungen, extensiv beweidetes Grünland und selbst intensivere Weiden. Seltener sind auch Fischteiche, Absetzbecken oder Salinen sowie Hackfruchtfelder besetzt. Am Zug und im Winterquartier wechseln die Vögel von den Grünlandhabitaten auf Schlammflächen in Küstenlagunen, Flussmündungen, Brack- und Salzwasserseen sowie Reisfelder.

Verbreitung

Global und national

Das Brutgebiet der weit verbreiteten, aber kleinräumig nur zerstreut vorkommenden Uferschnepfe reicht von Island bis West- und davon getrennt auch Ostsibirien. In Europa brütet die Art in Island, auf den britischen Inseln, in West-, Mittel- und Osteuropa sowie im Norden bis nach Südskandinavien. Die größten Brutpopulationen gibt es in Holland, Deutschland, Polen, Weißrussland, in der Ukraine und im westliche Russland, die übrigen Länder beherbergen deutlich kleinere Brutbestände. Über 50 % der Gesamtpopulation der Art brütet in Europa. Rezent ist der Bestand der Uferschnepfe in wichtigen Teilen des Verbreitungsgebiets stark zurückgegangen, so etwa in den Niederlanden, wo 1969 noch 120,000 - 135,000, 1989 85,000 - 100,000 und 2009 nur mehr 46,000 - 62,000 Paare brüteten.

Wanderungen

Die Uferschnepfe ist in allen Teilen des Areals Zugvogel, die Überwinterungsgebiete liegen in Europa, Afrika, im Mittleren Osten, in Süd- und Südostasien sowie in Australien. Die Winterquartiere liegen meistens an der Küste, doch werden auch große im Binnenland gelegene Feuchtgebiete frequentiert.  In Westeuropa brütende Vögel fliegen nach Marokko, in den Senegal und nach Guinea-Bissau. Vögel weiter östlich brütender Populationen fliegen nach  Nordafrika, Zentralafrika und überwintern in den großen binnenländischen Feuchtgebieten im Mali und im Tschad.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren wurde die Uferschnepfe als spärlicher Brutvogel in den Steppengebieten östlich des Neusiedler Sees eingestuft. Im Juni und Juli konnten schon damals bis zu 300 - 400 Exemplare gezählt werden, die das Gebiet zur Mauser nutzten. Anfang der 1950er Jahre wurde die Art als „sehr spärlicher Brutvogel des Seewinkels“ eingestuft, manchmal aber in großen Scharen übersommernd“. Die übersommernden Scharen waren die Mausergäste, von denen damals bis zu 500 Exemplare gezählt wurden. In den 1960er Jahren brüteten 25 - 30, 1974/75 25 - 40 und 1976 bei hohem Wasserstand 60 - 70 Paare. 1986 und 1987 wurden bereits 74 bzw. 116 - 119 Paare im Seewinkel erfasst, und in der ersten Hälfte der 1990er Jahre waren es 100 - 150 Paare. Vollständige Bestandsaufnahmen in den Jahren 1988 - 1995 ergaben stark schwankende Brutbestände: 1988 und 1991 nur 37 bzw. 67 Paare, 1992 hingegen 132 und 1995 sogar 158 Paare.

Aktuelle Erhebungen

Die Uferschnepfe ist Brutvogel der größeren Wiesengebiete im Osten und Süden des Seewinkels sowie auf den Zitzmannsdorfer Wiesen. Die aktuellen Zählungen der Jahre 2001 - 2004 ergaben 113 (2001), 93 (2002), 159 (2003) und 142 Paare (2004). Die trockenen Jahre 2002 - 2004 führten also offenbar nicht zu einem Rückgang des Bestandes. 2005 blieb der Brutbestand mit 138 warnenden Paaren gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. 2006  war das letzte Jahr mit einem sehr hohen Brutbestand (149 Paare), seither schwankte der Bestand in den Jahren 2007 - 2011 zwischen 83 (2010) und 127 (2008); im Schnitt waren es in diesen Jahren 104 Paare. Die neuesten Bestandszahlen von 2012 und 2014 zeigen einen starken Abwärtstrend mit nur 83 bzw. 54 Brutpaaren, es bleibt aber abzuwarten, ob dieser Rückgang als Tiefpunkt eines fluktuierenden Bestandes zu sehen ist oder ob tatsächlich eine negative Entwicklung vorliegt.

Ab Anfang Juni beherbergt der Seewinkel auch mausernde Uferschnepfen aus anderen Brutgebieten. Bereits Ende Juni/Anfang Juli wird das Maximum erreicht. Wurden noch in den 1960er Jahren bis zu 1.500 Individuen gezählt, blieben die Tagessummen in den Jahren 1995 - 2001 stets unter 900. In den Jahren 2006 - 2010 war der maximale Juli-Tageswert ca. 560 im Jahr 2007. Die mausernden Vögel nutzen bevorzugt bestimmte Lacke, wie etwa den Unteren Stinkersee, Illmitzer Zicksee, Stundlacke und Fuchslochlacke. Der Abzug der Mehrzahl der Mausergäste erfolgt in der ersten Augusthälfte. Die neuesten Zählungen aus den Jahren 2011 - 2014 zeigten, dass der Bestand der Mausergäste noch weiter abgenommen hat und nunmehr zwischen 300 und 400 Exemplaren liegt (Maxima: 2011 413, 2013 317 und 2014 384). 2012 wurden im Seewinkel bei sehr geringen Wasserständen keine nennenswerten Mauser-Ansammlungen registriert, das Maximum blieben 54 Exemplare. Im Gegensatz zum weiterhin relativ hohen Brutbestand, nehmen die Mauserbestände ab, da diese von Altvögeln gebildet werden, die direkt nach der Brut in den Seewinkel fliegen und wohl aus Ländern stammen, deren Brutbestände stark zurück gehen.

Der Frühjahrszug gipfelt sehr zeitig bereits in der zweiten Märzhälfte (Anfang April) und erreichte in den Jahren 1995 - 2001 maximal 550, im Schnitt 200 - 400 Individuen, was den lokalen Brutbestand selbst in Optimaljahren übersteigt, und das Vorhandensein von Vögeln aus anderen Brutpopulationen beweist. 2012 konnte aber im Gegensatz zum Jahr 2011 mit 365 Exemplaren ein deutlicher Frühjahresdurchzug bemerkt werden, ebenso 2014 (mit 283 Ex.).

Bedeutung des Vorkommens

Das Brutvorkommen im Seewinkel ist (mit Ausnahme eines Kleinstvorkommens in der Leithaniederung bei Gattendorf) das einzige in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Zur Brutzeit ist die Uferschnepfe in den großen Wiesengebieten des Seewinkels (Arbestau, Lange Lacke, Xixsee, Herrenseegebiet) relativ leicht zu beobachten. Besonders auffällig sind die Warnflüge der Altvögel wenn diese in die Nähe eines möglichen Fressfeindes für die Jungvögel geraten. Gleich nach der Brutzeit lassen sich die großen Trupps mausernder Uferschnepfen an den größeren Lacken beobachten, der beste Platz ist dabei der Illmitzer Zicksee, in den letzten Jahren konnten Uferschnepfen-Ansammlungen auch am Unteren Stinkersee, an der Warmblutkoppel und an der Podersdorfer Pferdekoppel festgestellt werden.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Die akutesten Gefährdungsmomente für eine Vogelart extensiv bewirtschafteter Wiesen, wie die Uferschnepfe, liegen sicherlich in der jahrzehntelang andauernden, fast flächendeckenden Zerstörung von Extensivwiesen durch Entwässerung, Nutzungsaufgabe und nachfolgenden Umbruch und die Umwandlung in intensiver genutzt Landwirtschaftsflächen. Im Seewinkel sind fast alle von der Uferschnepfe besiedelten Flächen entweder vom Nationalpark gepachtet oder werden unter ÖPUL naturschutzgerecht bewirtschaftet. Die Gefährdungsfaktoren Lebensraumzerstörung und Verschlechterung der Habitatqualität sind daher im Seewinkel derzeit minimiert. Die Auswirkungen unterschiedlicher Beweidungs- und Mahdregimes auf die Bestandsentwicklung sollten allerdings langfristig genau verfolgt werden.

Weiterführende Literatur

Bieringer G., B. Kohler B. & G. Rauer (2013): Monitoring der wiesenbrütenden Limikolenarten im Seewinkel: Kiebitz (Vanellus vanellus), Uferschnepfe (Limosa limosa) und Rotschenkel (Tringa totanus). Brutbestände 2012 und erste Bewertung der Methodik. Pp. 50-55 in BirdLife Österreich: Ornithologisches Monitoring im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel. Bericht über das Jahr 2012. Wien, 80 pp.

Kohler, B. (1988): Die Brutbestände von Flußregenpfeifer (Charadrius dubius), Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus), Uferschnepfe (Limosa limosa) und Rotschenkel (Tringa totanus) im Seewinkel in den Jahren 1986 und 1987. Biol. Forschungsinst. Burgenland - Bericht 66: 13-26.

Kohler, B. & G. Rauer (1992): Ergebnisse der Wiesenlimikolenzählungen 1991 im Seewinkel. Vogelkundl. Nachr. Ostösterreich 3/1: 11-17.

Kohler, B. & G. Rauer (1993): Ergebnisse der Wiesenlimikolenzählungen 1992 im Seewinkel. Vogelkundl. Nachr. Ostösterreich 4/2: 48-51.

Kohler, B. & G. Rauer (1995): Die Wiesenlimikolenzählungen 1993 und 1995 im Seewinkel. Vogelkundl. Nachr. Ostösterreich 6: 108-113.

Laber, J. (2003): Die Limikolen des österreichisch/ungarischen Seewinkels. Egretta 46: 1-91.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.