Wasserralle

Rallus aquaticus

Die Wasserralle ist ein verbreiteter Brutvogel des Schilfgürtels des Neusiedler Sees, brütet aber nur an wenigen Stellen des Seewinkels. Wie alle Rallen, ist auch die Wasserralle nicht leicht zu beobachten. Entlang von Dämmen durch den Schilfgürtel (Purbacher Seedamm, Dammstraße zum Seebad Illmitz) ist die Art jedoch oft gut zu hören.
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Merkmale

Die Wasserralle ist deutlich kleiner als das, auf den ersten Blick ähnliche Teichhuhn. Auffällig sind der lange, leicht nach unten gebogene rote Schnabel, die gestreiften Flanken und das rote Auge. Kehle, Brust, Hals und Kopfseiten sind schiefergrau. Die Oberseite ist dunkelbraun mit schwarzen Längsflecken und die Unterschwanzdecken sind weißlich. Der Schnabel ist beim Männchen im Brutkleid knallrot, im Ruhekleid und bei den Weibchen deutlich blasser. Bei den Jungvögeln ist die Unterseite graubräunlich, die Kehle ist fast weiß und die Flankenbänderung ist nur leicht angedeutet. Das Rückengefieder ähnelt dem der Altvögel. Am ehesten äußert sich die Anwesenheit von Wasserrallen im so genannten „Schweinchenruf“.  Er ist der Revierabgrenzungsruf der Art und klingt tatsächlich entfernt wie das Quicken eines Schweins. Männchen und Weibchen bringen den Ruf oft im Duett vor. Kenner können daran die Anwesenheit von Paaren erkennen.

Lebensräume

Die Wasserralle brütet in den Verlandungszonen stehender Gewässer und besiedelt hier in erster Linie dichte und zumindest flach überflutete Röhrichte. Tiefer unter Wasser stehende Gebiete werden nur dann besiedelt, wenn entweder eine dichte Knickschicht aus niedergebrochenem Pflanzenmaterial, oder auf der Wasserfläche, eine tragende Schicht aus Algenmatten und untergetauchten Wasserpflanzen vorhanden ist. Der bevorzugte Lebensraum der Wasserralle sind dichte, ältere Schilfbestände mit oder ohne Seggenunterwuchs. Sie kann daher im Schilfgürtel des Neusiedler Sees vom landseitigen Seerand bis zur seeseitigen Schilfkante alle Bereiche besiedeln, allerdings werden frische und ein- bis zweijährige Schnittflächen gemieden. Bei hohen Wasserständen werden aber auch reine Großseggenbestände, Weiden-Erlen-Gebüsche und Pfeifengraswiesen besiedelt, die sich kleinflächig an den landseitigen Rändern des Schilfgürtels befinden. Die Größe der Brutbiotope scheint keine wesentliche Rolle zu spielen, es werden auch kleinste geeignete Schilfflächen von wenigen 100 m² Ausdehnung angenommen.

Verbreitung

Global und national

Die Wasserralle brütet quer durch Eurasien von Irland und Portugal im Westen bis nach China im Osten und von Island und Südskandinavien im Norden bis nach Nordafrika und in den Iran und Zentralasien im Süden. In Europa ist die Art ein weit verbreiteter Brutvogel vom Mittelmeergebiet bis in den Norden der Britischen Inseln und bis Südschweden und Südfinnland. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 140.000 - 360.000 Paare geschätzt, wobei die große Schwankungsbreite den Unsicherheitsgrad bestehender Schätzungen für diese sehr versteckt lebende Art illustriert.

Wanderungen

Die Wasserralle ist ein Kurzstreckenzieher, wobei aus der Brutpopulation des Neusiedler See Gebiets Ringfunde aus Oberitalien und Nordgriechenland vorliegen. Die Brutvögel treffen im März im Gebiet ein, der Abzug erfolgt von September bis Oktober.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren gab es zum Vorkommen der Art die klare Aussage: „Die Wasserralle ist ein häufiger Brutvogel im Gebiet“. Auch in den frühen 1950er Jahren wurde die Art als „häufiger Brutvogel des Sees, spärlicher der Lacken“, eingestuft. Bei ersten quantitativen Untersuchungen in den 1980er Jahren, schwankte die Siedlungsdichte im Schilfgürtel je nach Habitateignung zwischen 0,5 und 3,5 Revieren/ha.

Aktuelle Erhebungen

Die Wasserralle ist ein verbreiteter Brutvogel des Schilfgürtels des Neusiedler Sees, brütet aber nur an wenigen Stellen des Seewinkels.

Eine Bestandserhebung mit Punkttaxierungen auf einer Fläche von 12,7 km² im Jahr 1995 ergab 695 Reviere mit einer mittleren Dichte von 0,54 Revieren/ha. Eine darauf basierende Schätzung für den gesamten österreichischen Teil des Sees belief sich auf 2.800 - 5.800 Brutpaare.

Die Erhebungen in den Jahren 2005 und 2006 ergaben im Vergleich zu 1995 eine dramatische Abnahme des Bestandes. Am Ostufer wurde eine durchschnittliche Dichte von nur 0,2 Revieren/ha ermittelt, am Nord- und Westufer waren es sogar nur 0,1/ha. Daraus wurde eine Bestandsschätzung von nur 500 - 2.000 Brutpaaren abgeleitet.

Die Bestanderhebung des Jahres 2012 beschränkte sich auf die Kernzone des Nationalparks. Im Vergleich zu 2005 hat hier die relative Dichte von 0,2 wieder auf 0,7 zugenommen und liegt damit im Bereich der relativen Dichten aus dem Jahr 1995. Nachdem die geringen Dichtewerte für die Jahre 2005 und 2006 auf die damals besonders niedrigen Wasserstände im Schilfgürtel und die deswegen auch ungünstigen Lebensraum-Bedingungen für die meisten Schilf bewohnenden Vogelarten zurück geführt wurden, kam es im Jahr 2012 zumindest in der Kernzone wieder zu einer Erholung der Wasserrallen-Bestände und damit zu einem Bestandsanstieg. Ob diese Entwicklung für den gesamten Schilfgürtel repräsentativ ist, kann derzeit nicht gesagt werden.

Es wird anhand der sehr ähnlichen relativen Dichten in der Kernzone in den Jahren 1995 und 2012 vorläufig davon ausgegangen, dass der Brutbestand der Wasserralle im gesamten Schilfgürtel im Bereich des, für das Jahr 1995 geschätzten Wertes liegt. Allerdings ist in Rechnung zu stellen, dass es in den letzten zehn Jahren durch die Schilfbewirtschaftung in einigen Bereichen zu beträchtlichen Schäden am Schilfbestand gekommen ist, die höchstwahrscheinlich auch einen Lebensraumverlust für die Wasserralle zur Folge hatten. Der Brutbestand wird daher derzeit auf 2.500 - 5.000 Brutpaare geschätzt.

Bedeutung des Vorkommens

Der Neusiedler See beherbergt den mit Abstand größten Brutbestand in Österreich. Auch in internationalem Maßstab muss es sich angesichts der Ausdehnung des Schilfgürtels um ein sehr bedeutendes, wenn nicht das bedeutendste Einzelvorkommen in Mitteleuropa handeln.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Wie alle Rallen, ist auch die Wasserralle nicht leicht zu beobachten. Entlang von Seedämmen ist es relativ leicht die Art anhand des „Schweinchenrufs“ (siehe oben) zu verhören. Eine realistische Chance die Art zu beobachten besteht am ehesten nach der Brutzeit im Spätsommer an den Rändern von Schilfbeständen. Ein erfolgsversprechender Beobachtungspunkt ist die Beobachtungsplattform im Südteil der Warmblutkoppel, hier ist die Art bei entsprechender Geduld und mit etwas Glück relativ verlässlich zu finden.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Zu den Gefährdungsfaktoren zählen die übermäßige Auflichtung geschlossener Schilfflächen durch unsachgemäße Bewirtschaftung, eine wesentliche Ausweitung der jährlich geschnittenen Schilfflächen sowie langfristig niedrige Wasserstände, die ein über längere Zeit andauerndes Austrocknen des Schilfgürtels bewirken.

Notwendig ist daher eine Lenkung der Schilfbewirtschaftung durch die Ausweisung von Zonen unterschiedlicher Nutzung, inklusive der Einrichtung von großflächigen Altschilfreservaten. Erforderlich ist weiters das Offenhalten von bestehenden Kanälen im Schilfgürtel, um die Vitalität des Schilfgürtels zu erhalten.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M., E. Nemeth, S. Tebbich, M. Rössler & K. Busse (1997): Verbreitung, Bestand und Habitatwahl schilfbewohnender Vogelarten in der Naturzone des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel. Biol. Forschungsinstitut Burgenland - Bericht 86: 1-69.

Dvorak, M. (1985): Siedlungsdichte und Biotopwahl von Kleinem Sumpfhuhn (Porzana parva) und Wasserralle (Rallus aquaticus) im Schilfgürtel des Neusiedler Sees. Wiss. Arb. Burgenland Sonderband 72: 446-454.