Gewöhnlicher Wasserschlauch

Utricularia vulgaris

Der Gewöhnliche Wasserschlauch zählt zu den fleischfressenden Pflanzen. In kleinen Fangbläschen von 4 bis 5 mm Länge fängt er mithilfe eines mit Unterdruck arbeitenden Fangmechanismus Kleinkrebse, die von der Pflanze verdaut werden. Von Juni bis August bildet er gelbe, aus dem Wasser ragende Blüten.

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Blüte des Wasserschlauchs
Der Wasserschlauch ist eine im Schilfgürtel des Neusiedler Sees häufige Wasserpflanze, die zur Familie der Wasserschlauchgewächse gehört. Sie ist wurzellos und mixotroph, betreibt also Photosynthese und ernährt sich zusätzlich durch die Verdauung anderer Organismen1.
Der lateinische Name des Wasserschlauchs Utricularia kommt von dem Wort utriculus, das „kleiner Schlauch“ bedeutet und sich auf die Form der kleinen Fangbläschen bezieht, die charakteristisch für diese Pflanze sind.
 
Aussehen
Die bis über einen Meter lange, grün bis rötliche Pflanze bildet am Spross nach allen Richtungen abstehende, haarfein zerteilte Blätter, die bis zu 8 cm lang sind. An einigen Blattzipfeln sitzen die Fangbläschen, die dem Nahrungserwerb dienen. Der Wasserschlauch bildet zur Blütezeit von Juni bis August gelbe, in Trauben stehende Blüten aus, die etwa 30 cm aufrecht aus dem Wasser ragen. Bestäuberinsekten für die Blüten sind kräftige Insekten, die in der Lage sind, die fest zusammengepressten Unter- und Oberlippen der Blüten durch Druck zu öffnen2. Keimfähige Samen entstehen nach der Bestäubung nur selten – die Vermehrung des Wasserschlauchs erfolgt Großteils über Bruchstücke der Pflanze, aus denen eine neue, eigenständige Pflanze entstehen kann, sowie über Sprossknospen, die von der Pflanze im Herbst gebildet werden. Auch harte Winter überstehen die Pflanzen wenn nötig mithilfe dieser zu Boden sinkenden Vegetativknospen3.
 
 
geöffnete Fangblasen mit Copepoden
Wissenswertes
Die Gattung der Wasserschläuche ist weltweit verbreitet und vor allem in Südamerika und Australien auch mit landlebenden Pflanzen sehr artenreich vertreten. Der heimische Gewöhnliche Wasserschlauch ist nicht im Boden verwurzelt, sondern schwimmt frei im Wasser des Schilfgürtels im Neusiedler See. Auch wenn das Wasser im Schilfgürtelbereich durchaus nährstoffreich ist, braucht der Wasserschlauch, da er nicht über Wurzeln im Erdreich verankert ist und auf diesem Weg Nährstoffe aufnehmen kann, andere Nährstoffquellen zur Deckung seines Bedarfs: er fängt kleine tierische Organismen, etwa Kleinkrebse wie Hüpferlinge und Wasserflöhe, um an die notwendigen Nährstoffe Phosphat, Stickstoff und an Salze zu kommen4.
 
Fleischfressende Pflanze
Der Gewöhnliche Wasserschlauch fängt seine Nahrung mithilfe von kleinen, zusammengedrückt erscheinenden Fangbläschen, die aus der Fallenwand, einer Klappe, Drüsenhaaren sowie Antennen und Fühlhaaren bestehen. Kleine Tiere werden durch von den Drüsenhaaren abgesonderte chemische Stoffe angelockt. Sie berühren die Antennen und Fühlhaare, worauf sich die Fallenklappe blitzschnell – in Bruchteilen einer Sekunde - öffnet und durch den Unterdruck, der in dem Bläschen herrscht, Wasser mit dem Beutetier in das Innere des Bläschens saugt. Die Klappe schließt sich wieder und Verdauungsenzyme, die durch Drüsen im Inneren des Bläschens freigesetzt werden, beginnen, die Nahrungstiere zu verdauen. Die gelösten Nährstoffe werden aufgenommen, zusammen mit einem Teil des im Fangbläschen befindlichen Wassers, um den Unterdruck für den nächsten Fang zu erzeugen5.
Neben der Fangfunktion der Bläschen wird in der Literatur auch eine andere Funktion dieser Organe genannt: um die aus dem Wasser ragende, aufrechte Position der Blüte zu gewährleisten, sind die Bläschen vor der Blütezeit luftgefüllt. Dadurch schwebt die Pflanze nahe an der Wasseroberfläche6.
 
Schutzmaßnahmen
Der Wasserschlauch benötigt freie Wasserflächen im Schilfgürtelbereich als Lebensraum. Schilfschnitt und das Aufrechterhalten der Fischerkanäle bieten neben den natürlichen schilffreien Flächen im Schilfgürtel, den Plänken, die Möglichkeit zur Ausbreitung.
 
Beobachtung im NP Neusiedler See - Seewinkel
Der Gewöhnliche Wasserschlauch ist im Neusiedler See Gebiet nur im Schilfgürtelbereich des Neusiedler Sees zu finden. Hier tritt er stellenweise flächendeckend auf. Er besiedelt dabei die Bereiche des Schilfgürtels, die durch Schilf vor Wellenschlag geschützt sind aber tief genug sind, um nicht auszutrocknen7. Am besten zu beobachten ist der Gewöhnliche Wasserschlauch daher im Rahmen einer geführten Kanuexkursion durch den Schilfgürtel. Aber auch entlang der Seestraße zum Seebad Illmitz kann er im Wasser gefunden werden und ist vor allem in der Blütezeit von Juni bis August nicht zu übersehen – jedoch blüht der Gewöhnliche Wasserschlauch nicht jedes Jahr8.
 
Literatur
1 Vetvicka, Pflanzen auf Wiesen und am Wasser
2 „Uni Rostock - Biologie - Utricularia“
3 Ebd.; „Nationalpark Donau-Auen, Wasserschlauch“.
4 „Uni Rostock - Biologie - Utricularia“.
5 Ebd.
6 Vetvicka, Pflanzen auf Wiesen und am Wasser.
7 „1_1986_Knoll_Schilfschnitt_Neusiedlersee.pdf“
8 Vetvicka, Pflanzen auf Wiesen und am Wasser 
 

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