Ziesel

Spermophilus citellus

Das Ziesel ist ein Verwandter von Eichhörnchen und Murmeltier, und ist in Österreich nur im pannonischen Klima beheimatet. Seinen Lebensraum findet es auf kurzrasigen Wiesen und Weiden, wo es sich aufgerichtet auf den Hinterbeinen stehend einen Überblick über die Umgebung verschafft - bei Gefahr warnt es Artgenossen mit schrillen Pfiffen.

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Das Ziesel zählt – wie Eichhörnchen und Murmeltier – zur Familie der Hörnchen. Das kleine beigebraune Tier lebt auf kurzrasigen Flächen in unterirdischen Bauen. Es wird ca. 20 cm groß, der Schwanz ist dazu noch etwa 6 cm lang, und es wiegt zwischen 240 und 340 Gramm.1 Ziesel bringen pro Jahr 2-8 Junge zur Welt und können 4-6 Jahre alt werden. In Österreich kommt das Ziesel in den Gebieten mit pannonischem Klima vor: im Osten Niederösterreichs, in Wien und im Burgenland.
Der lateinische Name Spermophilus deutet auf eine wichtige Nahrung des Ziesels hin: der „Samenfreund“ ernährt sich neben grünen Pflanzenteilen auch von Sämereien aller Art.
Früher war das Ziesel ein häufiger und auch gefürchteter Bewohner der Agrarlandschaft im Osten Österreichs. Für den Fang dieses „Schädlings“ waren zum Teil vor allem in den 1950er Jahren von den Gemeinden Prämien ausgesetzt worden. Heute ist die Art stark gefährdet und streng geschützt.
 
Lebensraum
Ziesel benötigen in ihrem Lebensraum kurzrasige Flächen, um sich – auf den Hinterbeinen stehend – einen Überblick über die Gefahrensituation verschaffen zu können. Der Bewuchs soll daher die Körpergröße der Tiere von etwa 20 cm nicht überschreiten. Wenn Ziesel eine Bedrohung ausmachen, warnen sie Artkollegen lautstark mit Pfiffen.
Im Seewinkel fanden Ziesel gute Voraussetzungen für Nahrungserwerb und Höhlenbau, da die Landschaft vor der Mitte des letzten Jahrhunderts hauptsächlich als Weide für verschiedene Tiere genutzt wurde. Auf diesen Hutweiden und Trockenrasen konnten sich große Zieselpopulationen ausbreiten.2 Mit den Änderungen in der landwirtschaftlichen Struktur und dem Wechsel von Weidetierhaltung zu Ackerbau und Weinbau fielen viele Flächen weg, die vorher als Lebensraum für Ziesel dienen konnten. Heute sind Zieselkolonien im Seewinkel auf Flächen zu finden, die aufgrund des Flächenmanagements des Nationalparks noch immer oder wieder als Hutweide genutzt werden oder als Weidekoppeln dienen. Ziesel siedeln sich auch immer wieder auf Brachen, an Wegrändern, auf Weingartenflächen, die nicht umgebrochen werden, oder auch auf Flugplätzen oder sonstigen kurzrasig gehaltenen Flächen an. Bedroht sind Ziesel durch das Fehlen geeigneter Lebensräume oder auch durch zu hohen Bewuchs oder Aufforstung. Auch Hunde und Katzen in Siedlungsnähe sind eine Bedrohung für Ziesel.3 Problematisch ist heute die mangelnde Verbindung der verschiedenen Populationen durch die Fragmentierung der Lebensräume, da der genetische Austausch zwischen den Populationen fehlt.4
 
Lebensweise
Das Ziesel lebt in unterirdischen Erdbauen, von wo aus es oberirdisch auf Nahrungssuche geht. Meistens siedeln Ziesel sich in Kolonien an, wobei jedes erwachsene Tier einen eigenen Bau hat, mehrere Baue aber nah beieinander liegen – die Zahl der Tiere in einer Kolonie kann von wenigen Individuen bis zu einigen hundert reichen. Die von den Zieseln selbst gegrabenen Erdbaue sind über mehrere Eingänge erreichbar und gehen etwa einen Meter in die Tiefe. In den Bauen spielt sich ein Großteil des Lebens der Ziesel ab: sie werden als Nachtquartier, für die Jungenaufzucht, als Rückzugsort bei Schlechtwetter und für den Winterschlaf genutzt. Wintervorräte legen die Ziesel im Bau nicht an, sie erhöhen stattdessen den Nahrungskonsum im Spätsommer und bauen so vor dem Winterschlaf körpereigene Fettdepots auf. Als Nahrung sammeln sie vor allem grüne Pflanzenteile von Gräsern und Kräutern, Zwiebel und Samen, aber hin und wieder werden auch Insekten wie Käfer, Heuschrecken oder Raupen gefressen.5 Den Winterschlaf beginnen die Ziesel etwa Ende August/Anfang September und sie sind ab März/ Anfang April wieder auf Nahrungssuche unterwegs.
Ziesel sind tagaktive Tiere, die erst weit nach Sonnenaufgang gesichtet werden können und sich schon lange vor Sonnenuntergang wieder in ihre Baue zurückziehen.
 
Maßnahmen zum Schutz
Für die Ansiedlung von Zieseln und den Erhalt von Kolonien ist das Flächenmanagement von großer Bedeutung. Der Bewuchs von Wiesen und Weideflächen muss durch gezielte Beweidung und Mahd kurz gehalten werden. Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel wird das großteils über die Beweidung mit Rinderherden erreicht, etwa die Graurinderherde in Apetlon, oder Aberdeen-Angus- und Fleckviehherden, die durch einen Hirten zu den Hutweideflächen rund um die Lacken gelenkt werden. Immer wieder müssen Gehölze händisch entfernt werden. Flächen, die nicht beweidet werden, werden gemäht.
 
Beobachtung im Gebiet
Im Seewinkel kann man mit ein bisschen Geduld Ziesel gut beobachten. Zieselkolonien befinden sich zum Beispiel westlich der Langen Lacke, wo sie vom Rad- und Fußweg um die Lange Lacke gut zu sehen sind. Lohnend ist auch ein Ausflug zum ungarischen Teil des Nationalparks, zur Mexikopuszta, wo man in den Weideflächen neben der Straße Ziesel beobachten kann. Als Beispiel für einen von den Zieseln gut angenommenen und vom Menschen genutzten Lebensraum darf der Campingplatz in St. Andrä nicht unerwähnt bleiben. Hier leben Ziesel und Camper friedlich neben- und übereinander.
 
Literatur
1 Höpflinger und Schliefsteiner, Naturführer Österreich
2 Naturschutzbund Burgenland, „Ziesel, Feldhamster und Ährenmaus im Burgenland“
3 Schmelzer und Herzig-Straschil, „Ziesel Feldhamster Ährenmaus - Endbericht zum Leader-Projekt Schutzprogramm Ziesel - Feldhamster - Ährenmaus“
4 Naturschutzbund Niederösterreich, „Vorkommen und Schutz des Ziesels in Niederösterreich - Ergebnisse einer 2-jährigen Bestandserfassung des Naturschutzbund NÖ“
5 Enzinger, „Säugetiere der Trockenrasen“

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