Zwergschwertlilie

Iris pumila

Die Zwergschwertlilie ist eine kleine, im April in verschiedenen Farben - von gelb bis violett - blühende Pflanze, die oft große Bestände bildet. Sie ist eine Nektartäuschblume, die den blütenbesuchenden Insekten keinen Nektar anbietet und diese durch ihre Fabrbvielfalt verwirrt. 

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Die Zwergschwertlilie gehört zur Familie der Schwertliliengewächse und wird als Rhizom-Geophyt bezeichnet, da sie den Winter mithilfe von Rhizomen unterirdisch überdauern kann. Sie ist eine ausdauernde, niedrige und oft im dichten Verband wachsende Pflanze und wird 8 bis 16 cm groß. Der ca. 10 cm hohe Stängel trägt eine Blüte und ist kürzer als die Blätter, die graugrün, 6 bis 15 mm breit und spitz zulaufend sind. Eine Besonderheit ist die große Variabilität bei der Blütenfarbe, die von weiß über blassgelb und gelb bis zu purpur und blauviolett variiert. Die äußeren Blütenblätter der Blüte sind stark nach außen gebogen und mittig stark behaart. Die Zwergschwertlilie blüht im April und besiedelt kalkhaltige Trockenrasenflächen.1 Sie ist gefährdet und selten zu finden, bildet an geeigenten Standorten aber größere Bestände. Neben den Flächen im Seewinkel wächst sie auch auf Trockenrasenflächen in Niederösterreich und in Ungarn, den nördlichen Balkanländern und Russland.2
 
Besonderheiten
Die Zwergschwertlilie tritt an einem Standort mit einer großen Bandbreit verschiedener Farben auf. Der Vorteil dieser Vielfalt ist die Täuschung der Bestäuberinsekten: Die Zwergschwertlilie stellt ihren Bestäubern keinen Nektar zur Verfügung und ist damit für Insekten nach dem ersten Blütenbesuch nicht mehr interessant. Da die verschiedenen Individuen der Pflanze aber unterschiedliche Farben besitzen, halten die Insekten die beiden Individuen für unterschiedliche Pflanzenarten und fliegen die „neue“ Art an, um dort bei der Nektarsuche erfolgreich zu sein und bestäuben dabei die Pflanze. Erst nach einigen Versuchen und damit erfolgten Bestäubungen geben die Insekten die Zwergschwertlilie als Nahrungsquelle auf. Für den Bestäubungserfolg förderlich wirkt dabei die Tatsache, dass die Zwergschwertlilie früh im Jahr blüht und gerade erst geschlüpfte Bestäuberinsekten, besonders Hummeln, noch keine Erfahrung bei der Nahrungssuche haben und daher auch mehrere gleichfarbige Blüten in der Hoffnung auf Erfolg anfliegen, bevor sie zu andersfarbigen Blüten überwechseln.3, 4
 
Maßnahmen
Als Bewohnerin von Trocken- und Halbtrockenrasenflächen ist die Zwergschwertlilie im Seewinkel darauf angewiesen, dass Maßnahmen zur Erhaltung dieser Lebensräume getroffen werden. Im Nationalpark Neusiedle See - Seewinkel werden diese Maßnahmen in einem Managementplan koordiniert und beinhalten Beweidung, Mahd und das Entfernen von Sträuchern und Gehölzen, die von den Weidetieren verschmäht werden. Die Beweidung erfolgt entweder mit Rindern im Hutweidebtrieb, bei der ein Hirte die Herde zu den Flächen führt, oder mit verschiedenen – auch seltenen – Tierarten, etwa Ungarischen Graurindern, Wasserbüffeln oder Weißen Eseln, die in Koppeln gehalten werden. Auf die Zeit vor und während der Blüte, in denen Pflanzen wie die Zwergschwertlilie besonders empfindlich sind, wird Rücksicht genommen und nicht beweidet.
 
Beobachtung
Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel ist die Zwergschwertlilie im April an verschiedenen Standorten zu beobachten, etwa nördlich und östlich der Langen Lacke bei den Wörthenlacken oder in den Zitzmannsdorfer Wiesen.
 
Literatur
1 Höpflinger und Schliefsteiner, Naturführer Österreich
2 Fischer, Blütenvielfalt im Pannonikum
3 Fischer, „Bunt blühende Puszta“
4 Kuhn und Otteni, „Verschwendung, Sparsamkeit und Täuschung bei Blumen - Unterrichtsmodell für die Sekundarstufe I“
 

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