Bartmeise

Panurus biarmicus

Der Schilfgürtel des Neusiedler Sees beherbergt eine der größten Bartmeisen-Populationen Europas, zugleich ist dies auch der einzige regelmäßig besetzte Brutplatz Österreichs. Gute Beobachtungsmöglichkeiten ergeben sich mit etwas Glück an den Straßen, die durch den Schilfgürtel zu den Seebädern führen, sowie am Wanderweg entlang des Purbacher Kanals.

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Merkmale

Bartmeisen haben ein überwiegend gelbbraunes Gefieder. Der Kopf der adulten Männchen ist blaugrau gefärbt, namensgebend ist der lange schwarze Bartstreif. Die Schwanzseiten sind weiß. Beim Weibchen ist der Kopf beigebraun ohne schwarzen Bart. Jungvögel ähneln den adulten Weibchen, haben jedoch einen schwarzen Strich am Rücken und schwarze Federn im Schwanz. Die Bartmeise ist die einzige europäische Vertreterin einer vorwiegend in tropischen Regionen verbreiteten Familie. Sie ist nicht näher mit den eigentlichen Meisen verwandt. Besonders charakteristisch und auffällig sind die metallisch klingenden„psching- psching“ Rufe, mit denen die in kleineren oder auch größeren Trupps lebenden Bartmeisen untereinander Kontakt halten.

Lebensräume

Die Bartmeise ist in Europa ein spezialisierter Bewohner ausgedehnter Schilfröhrichte in den Verlandungszonen von nährstoffreichen Stillgewässern der Niederungen. Besonders bevorzugt werden Bereiche, wo umgebrochenes Altschilf über dem Wasser eine dichte Decke in Form einer sogenannten Knickschicht bildet. Die Nester werden am Neusiedler See überwiegend in dichte, starkhalmige und hohe Schilfhorste gebaut, wie sie zumeist am Rand von Kanälen oder kleineren offenen Wasserflächen zu finden sind, seltener auch in größere, im Schilf stehende Seggenhorste. Das Nest wird, im Gegensatz zu den Rohrsängern, nicht an den Schilfhalmen aufgehängt, sondern auf einer Unterlage aus dichtem Schilf oder einer mächtigen Knickschicht gesetzt. Auch außerhalb der Brutzeit hält sich die Bartmeise im Schilfröhricht auf.

Verbreitung

Global und national

Das Areal der Bartmeise reicht von Westeuropa quer durch Europa und Asien bis nach Ostchina. In Europa ist sie lückig von Südengland, Frankreich und der Iberischen Halbinsel, nach Norden hin bis Südschweden und Südfinnland, nach Süden zu im nördlichen Mittelmeergebiet verbreitet. Der europäische Brutbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 240.000 - 480.000 Brutpaare geschätzt. Die größten Brutbestände werden aus Rumänien (85.000 - 125.000 Paare), Russland (50.000 - 150.000), aus der Ukraine (60.000 - 95.000), aus Ungarn (6. - 9.000) und aus Italien (4.000 - 10.000) gemeldet.

Wanderungen

Die Bartmeise ist Stand- und Strichvogel. Die mitteleuropäischen Populationen überwintern zum Großteil in ihren Brutgebieten, in ungünstigen Wintern und bei hohem Populationsdruck kann aber ein Teil des Bestands im Herbst die Brutgebiete verlassen und im Mittelmeergebiet überwintern.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In der ersten Hälfte der 1930er Jahre nahm die Bartmeise in den Jahren 1933 - 1938 beständig zu und wurde 1939 „der häufigste Vogel des Seegebiets“ genannt. Überraschenderweise konnte dann der deutsche Forscher R. Zimmermann in den Jahren 1940 - 1942 die Bartmeise nur einige wenige Male beobachten, sodass anzunehmen ist, dass die Art zu dieser Zeit aus dem Neusiedler See Gebiet weitgehend verschwunden war. Verantwortlich dafür war vermutlich der sehr strenge Winter 1939/40, in dem ein großer Teil der Population versucht hatte, im Gebiet zu überwintern, was die Mehrzahl der Vögel offensichtlich nicht überlebte. Noch 1946 war die Bartmeise relativ selten. In den frühen 1950er Jahren wurde sie dann wiederum als „sehr häufiger Standvogel des Schilfgürtels des Sees“ beschrieben, die Population hatte sich augenscheinlich wieder völlig erholt. Die Verbreitung war allerdings nicht gleichmäßig, da die Art am ganzen West- und Nordufer sehr häufig war, am Ostufer zwischen Weiden und Illmitz hingegen nur spärlich. Ähnliche, aber weniger extreme Bestandsschwankungen wurden auch für den Zeitraum 1955 bis 1962 beschrieben.

Aktuelle Erhebungen

Im Neusiedler See Gebiet ist die Bartmeise ausnahmslos auf den Schilfgürtel des Sees beschränkt, bereits an den unmittelbar östlich gelegenen Salzlacken des Seewinkels fehlt sie als Brutvogel fast völlig. Während zur Verbreitung und Häufigkeit anderer Schilfvogelarten seit den frühen 1980er Jahren eine ganze Reihe von Untersuchungen durchgeführt wurde, sind für die Bartmeise keine aktuellen Angaben zu Siedlungsdichte, Bestand und Bestandsschwankungen vorhanden. Grund dafür ist, dass die Bartmeise als nicht territoriale Art mit den üblichen Methoden der Bestandserfassung nicht gezählt werden kann. Da die Vögel nur ein kleines Nestterritorium verteidigen und nur einen sehr leisen und unauffälligen Gesang hervorbringen, sind Bestandszahlen nur durch aufwendiges Nestersuchen zu ermitteln. Angaben zur Dichte sind daher rar und auch nur für wenige kleinere Untersuchungsgebiete bekannt. Mitte der 1980er Jahre wurde eine Doktorarbeit zur Ökologie der Bartmeise durchgeführt, diese erbrachte die bislang einzigen Angaben zur kleinräumigen Häufigkeit der Bartmeise. In ungünstigen Gebieten brütete weniger als ein Paar pro Hektar Schilf, in gut geeigneten Gebieten brüteten zwei bis fünf und in den besten Bereichen sogar bis zu 10 Paare pro Hektar. Ende der 1930er Jahre, zum Zeitpunkt eines Bestandshöhepunkts, wurden an der Wulka sogar 15 Brutpaare auf zwei ha ermittelt. Der Bestand wurde um 1990 auf mindestens 10.000 Brutpaare geschätzt. Derzeit dürfte die Population deutlich kleiner sein und maximal 5.000 Brutpaare oder weniger umfassen.

Bedeutung des Vorkommens

Der Schilfgürtel des Neusiedler Sees beherbergt eine der größten Bartmeisen-Populationen Europas, zugleich ist dies auch der einzige regelmäßig besetzte Brutplatz Österreichs.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Wie für die meisten Schilf bewohnenden Arten, sind auch für die Beobachtung von Bartmeisen besonders die Seedämme geeignet. Recht zuverlässig kann man sie im Bereich um die Beobachtungsplattform am Südrand der Warmblutpferdekoppel sehen.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Die Bartmeise benötigt als Brutplatz Altschilfbestände, daher liegt in der immer weiter fortschreitenden Verringerung der Fläche des Altschilfs ein wesentlicher Gefährdungsfaktor für die Art. Notwendig ist daher eine Lenkung der Schilfbewirtschaftung durch die Ausweisung von Zonen unterschiedlicher Nutzung inklusive der Einrichtung von großflächigen Altschilfreservaten. Ein Forschungs- und Monitoringprogramm zu Brutverbreitung, Abundanz und Bruterfolg der Art in unterschiedlichen Schilfbereichen mit Schwerpunkt (neben dem Nationalpark) auch am Westufer des Neusiedler Sees sollte begonnen werden.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Hoi, H. (1988): Ökologie und Paarungssystem der Bartmeise (Panurus biarmicus).Diss. Univ. Wien. 103pp.

Koenig, O. (1939): Wunderland der wilden Vögel. Verlag Gottschammel und Hammer Wien. 99 pp.

Koenig, O. (1943): Rallen und Bartmeisen. Beiträge zur Biologie und Psychologie auf Grund von Beobachtungen am Neusiedler See. Niederdonau/Natur und Kultur 25. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig.

Koenig, O. (1952): Ökologie und Verhalten der Vögel des Neusiedlersee-Schilfgürtels. J. Orn. 93: 207-289.

Koenig, O. (1952): Das Aktionssystem der Bartmeise (Panurus biarmicus L.). 1. und 2. Teil. Ösrerr. Zool. Zeitschr. 3: 1-82, 247-325.

Seitz, A. (1943): Ein Beitrag zur Singvogelwelt des Neusiedlersees: Die Brutvögel der Sumpflandschaft. Beitr. Fortpflanzungsbiol. Vögel 19: 1-9.

Spitzenberger, F. (1963): Verbreitung und Bestandesschwankungen der Bartmeise (Panurus biarmicus L.) in Österreich. Egretta 6: 53-59.

Spitzer, G. (1974): Zum Emigrationsverhalten der osteuropäischen Bartmeise (Panurus biarmicus russicus). Eine Diskussion der Fernfunde Neusiedler Bartmeisen. Vogelwarte 27: 186-194.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.