Beutelmeise

Remiz pendulinus

Das Vorkommen im Neusiedler See Gebiet ist mit den Auen an Donau und March eines der drei wichtigsten in Österreich. Gute Beobachtungsmöglichkeiten bestehen überall, wo geeignete Baumbestände am Rand von Schilfflächen vorhanden sind, so auch etwa im Seebad Illmitz.

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Merkmale

Die Beutelmeise ist die einzige außerhalb Afrikas vorkommende Art ihrer Familie. Sie zeichnet sich durch eine aus schwarzer Stirn und Wangen gebildete Maske aus, die mit dem blass grau gefärbten übrigen Kopf stark kontrastiert. Rücken und Flügeldecken sind lebhaft rostbraun gefärbt, Kehle, Brust und Bauch sind hellgrau und beige überlaufen. Das Weibchen ist insgesamt etwas blasser gefärbt. Die Jungvögel haben noch keine schwarze Maske und sind am Kopf ohne Zeichnung. Die Beutelmeise ist sehr ruffreudig und leicht an ihrem hohen, durchdringenden „ziiiiiihhhh“ zu erkennen. Die Beutelmeise gehört zu den besten Nestbauern unter den europäischen Brutvögeln. An den äußeren Zweigenden des Nestbaums beginnt das Männchen mit Pflanzenfasern und Samenwolle eine birnenförmige Grundkonstruktion, die dann zum beutelförmigen Nest mit röhrenartigem Eingang vollendet wird.

Lebensräume

Als Charakterart der Ufer- und Verlandungszonen von Fließ- und Stillgewässern findet die Beutelmeise ihre natürlichen Habitate in Auwäldern, sekundären Weichholzbeständen, Bruchwäldern und in Baumbeständen am Rand von Röhricht umgebenen Stillgewässern. Hier brütet sie bevorzugt an Stellen, wo Röhrichte, Büsche und Bäume mit freien Wasserflächen ein abwechslungsreiches Mosaik bilden. Abseits von offenen Gewässern besiedelt die Beutelmeise auch grundwassernahe Standorte mit reich strukturierter Vegetation, sofern Möglichkeiten zum Nestbau vorhanden sind. Die Nester werden in der Regel in höheren Baumbeständen angelegt, wobei Weiden, Pappeln, Erlen und Birken die Mehrzahl der Brutbäume stellen. Davon abweichend finden sich Brutplätze lokal auch in ausgedehnten, homogenen Schilfbeständen und selbst in Grauweidengebüschen.

Verbreitung

Global und national

Die Beutelmeise ist in Mittel-, Ost- und Südosteuropa verbreitet, sie fehlt in Westeuropa als Brutvogel weitgehend und erreicht den Nordrand ihres Areals in Südschweden und im Baltikum. Die europäische Brutpopulation umfasste Anfang der 2000er Jahre 210.000 - 420.000 Brutpaare.

Wanderungen

Die Beutelmeise ist im Norden ihres Areals Zugvogel, im Süden hingegen Standvogel, die dazwischen liegenden Populationen haben gemischte Zugstrategien. Die im Westen des Verbreitungsgebiets lebenden Vögel ziehen in südwestliche Richtungen nach Südwest- und Südeuropa, Population aus Osteuropa überwiegend nach Süden. Die Beutelmeise ist in Mitteleuropa Teilzieher und trifft ab der zweiten Märzhälfte in den Brutgebieten ein. Der Herbstzug erreicht sein Maximum im Oktober.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren wurde der Status der Art folgendermaßen eingeschätzt: „Die Beutelmeise ist ein zwar nicht häufiger, aber vielleicht auch nicht als selten zu bezeichnender Brutvogel des Sees, der sich hier infolge seines Brutvorkommens auch im geschlossenen Rohrwald nur leichter der direkten Beobachtung entziehen dürfte“. Im Seewinkel dürfte die Beutelmeise damals nur vereinzelt vorgekommen sein. Anfang der 1950er Jahre wurde eine Zunahme der Beutelmeisen-Bestände registriert.

Häufig nistete die Beutelmeise auch in den an die Verlandungszone grenzenden Pappel- und Weidenpflanzungen, 1986 konnten auf einem 12 km langen Abschnitt am Ostufer des Neusiedler Sees 52 Brutnester und ebenfalls 52 begonnenen Nester gefunden werden, 1987 47 bzw. 27. Attraktive Brutplätze waren damals die im Zuge von Dammaufschüttungen und Kanalbauten quer durch den Schilfgürtel lückig gepflanzten Weidenalleen. Eine Schätzung für das österreichische Neusiedler See-Gebiet ergab damals 400 - 500 Nester.

Aktuelle Erhebungen

Zu Bestand und Verbreitung der Beutelmeise liegen aus den letzten 15 Jahren keine detaillierten Informationen aus dem Neusiedler See Gebiet vor. Die Art ist zwar nach wie vor regelmäßiger Brutvogel am Ostufer des Neusiedler Sees, entlang der Seedämme und vereinzelt auch im Lackengebiet, es liegen jedoch keine Daten zur großräumigen Häufigkeit der Art vor. Eine Untersuchung der Zitzmannsdorfer Wiesen im Jahr 1991 und 20 Jahre später im Jahr 2011 ergab mit fünf und sechs bis sieben Revieren nahezu keine Bestandsveränderung.

Bedeutung des Vorkommens

Das Vorkommen im Neusiedler See Gebiet ist mit den Auen an Donau und March eines der drei wichtigsten in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Gute Beobachtungsmöglichkeiten bestehen überall, wo geeignete Baumbestände am Rand von Schilfflächen vorhanden sind. Naturgemäß eignen sich die Seedämme gut dafür, die Art zu beobachten (z.B. am Beginn des Illmitzer Seedamms). Im Spätsommer sind im Schilfgürtel große Schwärme aus Alt- und Jungvögeln zu sehen, auch dafür bietet sich der Illmitzer Seedamm als Beobachtungspunkt an.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Für die Beutelmeise sind im Neusiedler See Gebiet aktuell keine Gefährdungsfaktoren in Bezug auf ihren Lebensraum bekannt. Allerdings ist über die Populationsdynamik der Art seit den am Ende der 1980er Jahre durchgeführten Studien nichts bekannt, auch zur Bestandsentwicklung existieren keine Informationen. Daher wäre es dringlich, die Bestandsituation und Ökologie der Art intensiver zu untersuchen.

Weiterführende Literatur

Dvorak, M., B. Wendelin & J. Lehner (2011): Die Brutvögel der Zitzmannsdorfer Wiesen in den Jahren 1991 bis 2011. Studie von BirdLife Österreich im Auftrag des Nationalparks  Neusiedler See – Seewinkel. 85 pp.

Franke, H. (1954): Die Beutelmeise am Neusiedlersee. Om. Mitt. 6: 159-161.

Franke, H. (1955): Die Beutelmeise am Neusiedlersee. Om. Mitt. 7: 101-105.

Franz, D. (1991): Paarungssystem und Fortpflanzungsstrategie der Beutelmeise (Remiz p. pendulinus).]. Om. 132: 241-266.

Koenig, O. (1952): Ökologie und Verhalten der Vögel des Neusiedlersee-Schilfgürtels. J. Orn. 93: 207-289.

Seitz, A. (1943): Ein Beitrag zur Singvogelwelt des Neusiedlersees: Die Brutvögel der Sumpflandschaft. Beitr. Fortpflanzungsbiol. Vögel 19: 1-9.