Bienenfresser

Merops apiaster

Der Bienenfresser ist eine der wenigen tropisch-bunten Vogelarten der europäischen Vogelfauna. Das Neusiedler See Gebiet beherbergt ca. 15 % des österreichischen Brutbestandes. Von Ende April bis Mitte September sind die Bienenfresser im Neusiedler See Gebiet zu beobachten.

mehr erfahren...

Merkmale

Der Bienenfresser ist eine der wenigen tropisch-bunten Vogelarten der europäischen Vogelfauna. Der lange Schnabel ist schwarz und etwas nach unten gebogen. Am Kopf findet sich ein weißer Stirnfleck, Scheitel und Nacken sind kastanienbraun, Kehle und Kinn intensiv gelb gefärbt, Zügel und Augenstreifen schwarz; der Kehlfleck ist durch ein schmales schwarzes Band „umrahmt“. Die übrige Unterseite ist blau bis türkisgrün gefärbt, der Hinterrücken bräunlich-goldgelb sowie Bürzel und Oberschwanzdecken dunkelgrün. Bei Adulten sind die mittleren Schwanzfedern deutlich zu Spießen verlängert.

Lebensräume

Bienenfresser brüten in Steilwänden aus Löß, Lehm oder Sand, in die sie jedes Jahr neue Bruthöhlen graben. In Mitteleuropa sind die primären, ursprünglichen Brutplätze, hohe Steilböschungen an Flussufern, ausgedehnte Geländeanrisse, u. a. durch Flussverbauungen und Verlust der natürlichen Dynamik nach Regulierung längst verschwunden. Die Bienenfresser brüten deshalb in Österreich ausschließlich in anthropogen geschaffenen, sekundären Lebensräumen: Steilwände in Sand- und Schottergruben, kleinflächige Lössabbrüche, Weingartenterrassen oder Hohlwege, sofern ein geeignetes feinkörniges und daher grabfähiges Substrat vorhanden ist.

Verbreitung

Global und national

Das Verbreitungsgebiet reicht von Südwest- und Vorderasien, Nordwestafrika sowie Süd- und Südosteuropa nordwärts bis Nordfrankreich, ins mittlere Deutschland, Südostpolen, Weißrussland und Lettland. In den letzten Jahren hat sich das Areal des Bienenfressers deutlich ausgeweitet, einige völlig neue, größere Brutpopulationen sind z. B. in einigen Teilen Deutschlands (z. B. Sachsen-Anhalt) entstanden. Die Brutpopulation in Europa liegt bei vermutlich 480.000 bis 1,1 Mio. Brutpaaren.

Wanderungen

Der Bienenfresser ist ein Zugvogel, der in Afrika südlich der Sahara überwintert. Das Hauptüberwinterungsgebiet erstreckt sich von Ostafrika, unter weitgehender Meidung des Regenwaldblockes (der überflogen wird), bis Südafrika. Weiters überwintert die Art auch in den Feucht- und Trockensavannengebieten Westafrikas. Als ausgeprägter Zugvogel besetzt der Bienenfresser seine Brutplätze in der Regel erst Mitte Mai, der Wegzug beginnt bereits Anfang August.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

R. Zimmermann konnte während seiner dreijährigen Tätigkeit im Neusiedler See Gebiet keine Bienenfresser beobachten; noch fand er in der Literatur Angaben zu einem Vorkommen im frühen 20. Jahrhundert. In den späten 1940er Jahren wurden einzelne Vorkommen im Ruster Hügelland sowie am Wagram der Parndorfer Platte, bei Neusiedl entdeckt. Zwischen Neusiedl und Gols wurden dann auch in den Jahren 1951 und 1952 mehrere Brutkolonien festgestellt. Es wird angenommen, dass damals eine Arealerweiterung im westlichen Teil des Bienenfresser-Vorkommens begann, die bis jetzt anhält.

Aktuelle Erhebungen

Systematische Untersuchungen der Bestandsentwicklung des Bienenfressers im Bezirk Neusiedl/See begannen im Jahr 1991. Seit 1996 werden im Auftrag der der Bgld. Landesregierung landesweite fünfjährige Monitoringprojekte durchgeführt, die neben den Bestandserhebungen auch Schutz- und Managementmaßnahmen beinhalten. Zuletzt lief das Projekt für den Zeitraum 2009 bis 2014.

In den letzten Jahren kam es zu einer Vergrößerung und Ausbreitung der europaweiten Bestände, die sich auch in der Bestandsentwicklung im Burgenland widerspiegelt. Im Neusiedler See Gebiet brüten Bienenfresser in einigen wenigen Schottergruben im nördlichen Seewinkel, verbreitet und häufig am Wagram zwischen Mönchhof und Neusiedl am See sowie vereinzelt am Westufer des Neusiedler Sees. Bienenfresser brüten nur vereinzelt im Seewinkel und nicht innerhalb der Grenzen des Nationalparks. Die Kolonie am Ungerberg gehört zu den am längsten und stetigsten besetzten Standorten des Burgenlandes. Für die Brutvögel dieser Kolonie ist besonders die Nationalpark Bewahrungszone Zitzmannsdorfer Wiesen ein wichtiges Jagd- und Rastgebiet.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt ca. 15 % des österreichischen Brutbestandes. Gemeinsam mit den angrenzenden Bereichen, der Parndorfer Platte – Heideboden und dem Ruster Hügelzug, zählt es zu den besten Brutvorkommen Österreichs.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Ab Ende April sind erste durchziehende Trupps zu sehen, die Brutkolonien im Nordburgenland werden etwa ab der zweiten Mai-Dekade bezogen. Zur Brutzeit ist der Bienenfresser auf die Bereich um die Brutkolonien beschränkt. Am besten sind die Vögel der nahe gelegenen Brutkolonie am Ungerberg im Nationalpark-Teilgebiet Zitzmannsdorfer Wiesen beim Jagen zu beobachten. Für einen kurzen Zeitraum sammeln sich die Familien nach der Brutzeit im August in Trupps von bis zu mehreren 100 Exemplaren im Seewinkel, bevorzugt in oder zwischen kleineren Gehölzen oder Wäldchen wie z. B. in der Bewahrungszone Hölle nördlich des Oberen Stinkersees. Aber auch in und um die Ortschaften im Seewinkel sind gegen Ende des Sommers immer wieder größere Schwärme zu beobachten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Der Bestand des Bienenfresser ist europaweit und auch im Burgenland stark im Ansteigen. Eine Gefährdung ergibt sich durch die Knappheit an geeigneten Brutplätzen und durch Störungen am Brutplatz.

Weiterführende Literatur

Aumüller, S. (1948): Zur Verbreitung von Merops apiaster im Burgenland. Burgen!' Heimatbl. 10: 147-149.

Bauer, K. (1952): Der Bienenfresser (Merops apiaster L.) in Österreich.]. Om. 93: 290-294.

Kollmann, G. (1947): Bienenfresser im Burgenland auch 1947. Natur und Land 33/34: 215.