Blutspecht

Dendrocopos syriacus

Der Blutspecht besiedlet im gegnsatz zum Buntspecht offene Habitate. Daher ergeben sich die besten Beobachtungsmöglichkeiten auch in den Dörfern oder in der Kulturlandschaft, in Bereichen mit größeren Bäumen.

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Merkmale

In ihrem Aussehen sind Blutspecht und Buntspecht nur schwer zu unterscheiden. Dem Blutspecht fehlt aber die, beim Buntspecht vorhandene Verbindung zwischen dem schwarzen Wangenstreif und dem Nacken. Der Steiß ist hellrot gefärbt, beim Buntspecht ist dieser dunkelrot. Der Schwanz weist weniger weiß in den Steuerfedern auf als beim Buntspecht. Der Ruf ist weicher als der des Buntspechts.

Lebensräume

Der Blutspecht besiedelt im Gegensatz zum Buntspecht offene Habitate. In Mitteleuropa ist er ein Kulturfolger, der sowohl in ländlichen Siedlungen als auch im städtischen Raum Parks, Friedhöfe, Alleen mit Altbaumbeständen, Streuobstwiesen und Hausgärten besiedelt. Abseits des Siedlungsgebietes bewohnt die Art sehr oft Weinbaugebiete, sofern diese Obstbäume aufweisen. Im offenen Agrarland kann man den Blutspecht auch entlang von Nuss- und Kirschbaumalleen finden.

Verbreitung

Global und national

Das Verbreitungsgebiet des Blutspechts reicht vom Süden des Iran und Israel, über Kleinasien bis ins südöstliche Mitteleuropa. In Europa besiedelt der Blutspecht den Großteil der Balkanhalbinsel. Das Vorkommen erstreckt sich im Osten bis nach Moldawien und in die westliche Ukraine. Im Nordwesten reicht es bis nach Ungarn, Slowakei und Tschechien. Die ostösterreichischen Vorkommen liegen am Nordwestrand des Verbreitungsareals. Der europäische Bestand wurde Ende der 1990er Jahre auf 120.000 - 390.000 Brutpaare geschätzt. Der Blutspecht hat im 20. Jahrhundert sein Verbreitungsgebiet, das ursprünglich nur Kleinasien, die südkaspische und transkaukasische Region umfasste, deutlich nach Norden hin erweitert. 1860 erreichte der Blutspecht in der europäischen Türkei erstmals Europa und dehnte sein Vorkommen bis zum Beginn des 20 Jahrhunderts auf den Balkan aus. In den 1930ern erreichte er Ungarn und später auch Polen. Die erste Feststellung eines Blutspechts in Österreich erfolgte 1951, wobei er zu diesem Zeitpunkt das weitere Gebiet um den Neusiedler See schon besiedelt hatte.

Wanderungen

Blutspechte sind sehr standorttreu und bleiben selbst im Winter in ihren Revieren. Einzig die Jungvögel wandern durchschnittlich 100 km ab.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Der Blutspecht wurde im April 1951 in Podersdorf erstmals im Neusiedler See Gebiet und damit auch in Österreich nachgewiesen. Es stellte sich damals in den folgenden Monaten heraus, dass die Art im Nordburgenland bereits recht weit verbreitet war, mit Nachweisen sowohl vom Westufer des Sees bis nach Rust als auch vom Seewinkel. 1952 wurde die Art dann bereits in Illmitz nachgewiesen, gezielte Nachsuchen ergaben weiters, dass weite Teile des Wiener Beckens ebenfalls schon vom Blutspecht besiedelt waren. Weitere Angaben zum Vorkommen des Blutspechts im Neusiedler See Gebiet sind rar. Am Nordrand des Seewinkels wurde für die Mitte der 1970er Jahre eine Siedlungsdichte von 0,5 - 1 Revieren/km² angegeben.

Aktuelle Erhebungen

2006 wurden im Neusiedler See Gebiet bei der bislang einzigen systematischen Erhebung 65 - 73 Reviere des Blutspechts kartiert. Auf eine Offenlandfläche von 252 km² bezogen, ergab sich daraus eine großflächige Siedlungsdichte von 0,26 - 0,30 Revieren/km². Im Inneren der Siedlungen wurde nicht systematisch kartiert, hier ist noch mit zusätzlichen Brutpaaren zu rechnen. Man kann davon ausgehen, dass die Siedlungsdichte innerhalb der Siedlungen sogar deutlich höher ist als im Offenland, leider existieren dazu in der Literatur keinerlei Angaben. Aufgrund eigener mehrjähriger Erfahrungen in der Ortschaft Gols, wird von einer Dichte von zumindest 2 - 3 Revieren/km² ausgegangen. Der Siedlungsraum umfasst eine Fläche von 18,9 km², daher ist mit zusätzlichen 40 - 60 Revieren in den Ortschaften zu rechnen. Der Gesamtbestand kann daher auf 100 - 150 Brutpaare geschätzt werden. Am Westufer des Sees wurde im Offenland mit einer durchschnittlichen Dichte von einem Revier/km² eine höhere Dichte erreicht als im Seewinkel. Im Seewinkel fehlt der Blutspecht im baumarmen Offenland vielerorts und zeigt deutliche Schwerpunkte im Umkreis der Ortschaften. Reviere abseits der Ortschaften liegen immer im Bereich größerer Baumbestände.

Bedeutung des Vorkommens

Das Gebiet um den Neusiedler See und der Seewinkel beherbergen einen wichtigen Teil des österreichischen Brutbestandes.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Blutspechte sind ganzjährig zu beobachten, und zwar am besten in den Dörfern im und um den Nationalpark oder in der Kulturlandschaft, in Bereichen mit größeren Bäumen.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Sicherung von Altbäumen in den Siedlungen und in der Kulturlandschaft, z. B. im Seewinkel vor allem in den Weinbaugebieten.

Weiterführende Literatur

Bauer, K. (1952): Der Blutspecht Brutvogel in Österreich. J. Orn. 93: 104-111.

Ruge, K. (1969): Beobachtungen am Blutspecht Dendrocopos syriacus im Burgenland. Vogelwelt 90: 201-223.