Brandgans

Tadorna tadorna

Die Brandgans hat sich von einem noch in den 1980er Jahren unregelmäßigen Durchzügler zu einem regelmäßigen Brutvogel an den Seewinkellacken entwickelt. Beobachtungsmöglichkeiten ergeben sich im Lange Lacke Gebiet, aber auch am Illmitzer Zicksee oder am Oberen Stinkersee sind immer wieder Brandgänse zu sehen.

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Merkmale

Im Brutkleid sind beim Männchen Kopf und Hals schwarzgrünlich schillernd gefärbt. Von den Schultern weg zieht sich ein grünschwarzes Band nach hinten. Um die vordere Brust und den vorderen Rücken zieht sich ein breites rotbraunes Band. Ausgehend davon verläuft ein schwarzer Streifen zum Bauch. Das Körpergefieder ist ansonsten überwiegend weiß. Die Unterschwanzdecken sind ockerfarben, der weiße Schwanz hat am Ende eine schmale schwarze Binde. Bei Brandgänsen gibt es nur einen gering ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Das Unterscheidungsmerkmal ist während der Brutzeit der rot gefärbte Schnabelhöcker, den nur das Männchen hat. Weibchen sind kleiner als Männchen.

Lebensräume

Die Brandgans brütet an flachen, sandigen Küstengebieten, in Wattgebieten mit ausgedehnten Schlammfluren und Flussmündungen, seltener auch an steilen oder felsigen Küstenabschnitten. In der Brutzeit halten sich die Vögel meist in flachen Buchten und Flussmündungen auf. Im Binnenland besiedelt die Brandgans Salz- und Sodaseen in Steppen- und Wüstengebieten, sie ist aber auch an großen Klärteichen und auf Rieselfeldern anzutreffen. Als Nahrungsbiotope dienen den Brandgänsen vor allem das Watt, Schlickbänke in Flussmündungen und seichte Lagunen. Die Lacken des Seewinkels entsprechen also ganz diesen Lebensraumanforderungen. Das Nest befindet sich entweder in Baumhöhlen oder im Boden in den Höhlensystemen von Säugetieren; hier spielt vor allem das Wildkaninchen eine große Rolle als Höhlenlieferant. Im Seewinkel sind die Bauten von Kaninchen und Füchsen die wichtigsten Neststandorte.

Verbreitung

Global und national

Brandgänse brüten an den europäischen Atlantikküsten bis hinunter in die Biskaya, an den Küsten der Nordsee und an den Küsten der westlichen Ostsee sowie im Bereich des Kaspischen Meeres. Weitere, kleinere Ansiedlungen finden sich im Westen des Mittelmeergebiets. Das binnenländische asiatische Verbreitungsgebiet reicht von der Türkei und dem Norden des Schwarzen Meeres über Zentralasien bis in die Mongolei und den Norden Chinas. Die kleinen Brutvorkommen in Mitteleuropa entstanden alle erst in den letzten 2 - 3 Jahrzehnten. Die Südgrenze des Verbreitungsgebietes verläuft durch den Iran und Afghanistan. Die asiatischen Populationen bewohnen Flüsse und insbesondere Sumpfgebiete und Seen in Halbwüsten und Steppen. In Österreich ist die Brandgans ein sehr lokaler Brutvogel mit zwei regelmäßig besetzten Brutgebieten am unteren Inn in Oberösterreich und im burgenländischen Seewinkel. Die Art hat Österreich erst rezent als Brutvogel besiedelt, der jeweils erste Brutnachweis gelang am unteren Inn 1990 und im Seewinkel 1996.

Wanderungen

In Europa ist die Brandgans Strich- und Zugvogel. Sie zieht fast ausschließlich in der Nacht. Die Überwinterungsgebiete der europäischen Populationen liegen in der südlichen Nordsee und an der britischen Nordseeküste, an der Atlantikküste Frankreichs, Spaniens und Portugals sowie an den Küsten des westlichen und östlichen Mittelmeers. Wie bei anderen Entenvögeln fallen bei mausernden Brandgänsen die Schwungfedern praktisch gleichzeitig aus, so dass die Vögel vorübergehend flugunfähig werden. Daher benötigen die Vögel zu dieser Zeit besonders ruhige, aber auch nahrungsreiche Gebiete. Der weitaus bedeutendsten dieser Mauserplätze sind die Sandwatten des Großen Knechtsandes im Wattenmeer vor der Küste Schleswig-Holsteins. Hier versammeln sich die Brutvögel der gesamten europäischen Population. Sogar Brutvögel aus dem Mittelmeergebiet wandern über das europäische Binnenland bis in die südliche Nordsee. Mauser- und Überwinterungsgebiete der österreichischen Brutvögel sind allerdings unbekannt.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

In den zusammenfassenden Darstellungen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts wird die Brandgans nicht für das Neusiedler See Gebiet erwähnt. Erst Mitte der 1960er Jahre wurde die Art in der Gruppe der „unregelmäßigen Durchzügler und Irrgäste“ geführt. Während die Brandgans in den 1980 Jahren noch zu den unregelmäßigen Gästen zählte häuften sich die Nachweise im Verlauf der frühen 1990er Jahre und 1996 gelang ein erster Brutnachweis auf der Östlichen Wörthenlacke. Im Hochwasserjahr 1997 gelang ein weiterer Brutnachweis und nach einer zweijährigen Pause brütet die Brandgans seit 2000 jedes Jahr im Seewinkel.

Aktuelle Erhebungen

Der Brutzeitbestand im Seewinkel wird seit 2001 jedes Jahr systematisch erfasst. Bereits in diesem Jahr konnten 10 - 14 Paare gezählt und vier erfolgreiche Bruten festgestellt werden. Maximal wurden in diesem Jahr 24 adulte Brandgänse bei einer Zählung erfasst. Seither wuchs der Bestand kontinuierlich, 2006 wurden beispielsweise 50 adulte Exemplare zur Brutzeit gezählt, und es brüteten nicht weniger als 10 Paare erfolgreich. In den Jahren 2008 - 2012 lag der Brutzeitbestand der Brandgans bei 98 - 128 Exemplaren; die Zahl der Junge führenden Paare lag 2008 bei 23 - 24, in den übrigen Jahren zwischen acht und zwölf. 2013 ergaben die Zählungen zur Brutzeit 75 und 95 Exemplare, bei 22 - 23 Paaren konnten erfolgreiche Bruten festgestellt werden. 2014 lag der Brutzeitbestand bei 125 - 155 Exemplaren, 13 Paare brüteten erfolgreich. Der Gesamtbestand des Seewinkels bleibt also seit 2008 in etwa gleich, die rasche Bestandszunahme scheint daher nicht mehr anzuhalten.

Bedeutung des Vorkommens

Das Brutvorkommen im Seewinkel ist neben dem Vorkommen an den Stauseen am Unteren Inn das einzige in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Brandgänse bevorzugen im Seewinkel deutlich die größeren Lacken, die von ausgedehnten Grünlandflächen umgeben sind. Die meisten Brutpaare finden sich im Gebiet der Langen Lacke und auf den beiden Wörthenlacken. Im Nordosten der Östlichen Wörthenlacke, in der Hutweide gelegenen Hügel, der von Kaninchen- und Fuchsbauten durchsetzt ist, brüten alljährlich mehrere Paare. Dieser Hügel ist vom, an der Lacke gelegenen Hochstand aus, gut zu sehen. Weitere bevorzugte Plätze der Art sind der Illmitzer Zicksee, aber auch die Lettengrube und die Podersdorfer Pferdekoppel.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Für die Brandgans bestehen derzeit im Seewinkel keine Gefährdungsmomente.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Festetics, A. & B. Leisler (1968): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (I.Teil: Biogeographie des Gebietes, II.Teil: Schwimmvögel.). Wiss. Arb. Burgenland 40: 83-130.