Braunkehlchen

Saxicola rubetra

Das Braunkehlchen ist im Neusiedler See Gebiet vor allem im Hanság als Brutvogel vertreten. Als Lebensraum werden bevorzugt feuchtere Wiesen und Weideflächen mit eingestreuten Ansitzwarten genutzt. 

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Merkmale

Die Oberseite des Braunkehlchens ist hellbraun, die Zentren der Federn sind dunkelbräunlich. Das Männchen hat eine beige-cremefarbige Unterseite, die Brust ist auffällig kräftig orange. Der Kopf des Männchens ist auffällig zweifarbig gemustert, mit einem weißen Überaugenstreif und einem weißen Kinnstreif, die mit der schwarzbraunen Färbung des übrigen Kopfes kontrastieren. Die Weibchen sind ähnlich, aber insgesamt blasser und viel weniger kontrastreich gefärbt. Der Gesang besteht aus auffällig perlend-flötenden, kurzen Strophen. Männchen singen sehr häufig am Durchzug. Spät, zwischen Anfang und Mitte Mai durchziehende Braunkehlchen hoch nordischer Populationen, können dann den Eindruck erwecken, dass sie ein Revier halten.

Lebensräume

Das Braunkehlchen ist ein Brutvogel offener, ebener oder sanft geneigter Landschaften. Zum Nahrungserwerb ist eine niedrige und/oder lückige Kraut- oder Zwergstrauchschicht erforderlich, zusätzlich auch ein ausreichendes Angebot an Warten. Zur Anlage des Nestes benötigt die Art gut deckende Bodenvegetation. In Mitteleuropa besiedelt das Braunkehlchen vorwiegend Grünland, das durch menschliche Nutzung entstanden ist, vor allem extensiv oder zumindest wenig intensiv bewirtschaftete Mähwiesen. In tieferen Lagen waren dies zumeist Glatthaferwiesen, im Gebirge hingegen Goldhaferwiesen. Wobei immer ein größeres Wartenangebot in Form von hochwüchsigen Kräutern und Stauden, Zäunen, Leitungen, freistehenden Bäumen und Büschen und seltener auch Gebäuden vorhanden sein muss. Da heutzutage jedoch im mitteleuropäischen Tief- und Hügelland die Mähwiesen zumeist sehr früh und mehrfach gemäht werden und daher als Lebensraum für das Braunkehlchen oftmals ungeeignet sind, konzentrieren sich hier die Vorkommen vorwiegend auf wenig oder nicht genutzte Wiesen in nassen Bachtälern, feuchten Senken und auf die noch vorhandenen Streuwiesen. Die Besiedlung von Weideflächen hängt von Art, Intensität und Zeitpunkt der Nutzung ab, weiters muss wiederum ein ausreichendes Angebot an Warten (hier zumeist Zäune) vorhanden sein. Zu den seltener und zumeist nur im Randbereich von Grünland genutzten Biotopen zählen in Mitteleuropa Streuobstwiesen, Kahlschläge, niedrige Jungfichtenkulturen, und Abbaugebiete. Im Gebirge auch Zwergstrauchgesellschaften, sofern diese an beweidete Almflächen angrenzen.

Verbreitung

Global und national

Das Verbreitungsgebiet des Braunkehlchens liegt fast zur Gänze in der westlichen Paläarktis, östlich reicht das Areal bis nach Mittelsibirien. Die Art ist ein verbreiteter Brutvogel in West-, Nord-, Mittel- und Osteuropa. Im Süden ist sie hingegen nur sehr lokal in Nordspanien, in Südfrankreich, im Apennin und auf der Balkan-Halbinsel zu finden, wobei hier vorwiegend Gebirgslagen besiedelt werden.

Der europäische Gesamtbestand wurde in den 1990er Jahren auf 2,1 - 4,7 Millionen Brutpaare geschätzt, die Schwerpunkte liegen dabei eindeutig im Norden und Osten, wo die größten Populationen aus Russland, Weißrussland (550.000 - 600.000 Brutpaare), Lettland (300.000 - 500.000), Finnland (300.000 - 400.000), Schweden (200.000 - 500.000), Norwegen (100.000 - 500.000), Polen (150.000 - 300.000) und Rumänien (200.000 - 300.000) gemeldet wurden. Mitteleuropa beherbergt demgegenüber mit ca. 80.000 - 190.000 Paaren eine vergleichsweise geringe Zahl, wobei Ungarn den Schwerpunkt bildet.

Wanderungen

Als Weitstreckenzieher überwintert das Braunkehlchen südlich der Sahara in West-, Zentral- und Ostafrika. Die Brutvögel treffen in Mitteleuropa ab Ende April ein, die Mehrzahl aber erst Anfang Mai. Anfang Mai ist auch der Höhepunkt des Durchzugs nordischer Brutvögel, die bis in die zweite Hälfte des Mai noch in Mitteleuropa zu sehen sind und nicht selten auch Anlass geben, für Brutvögel gehalten zu werden.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

Für Mitte der 1930er Jahre wird das Braunkehlchen ohne genauere Ortsangaben als Brutvogel des Seewinkels angeführt. Anfang der 1940er Jahre konnte trotz intensiver Beobachtungstätigkeit kein Brutnachweis im Seewinkel erbracht werden, allerdings wurde ein Brutvorkommen am Ostufer des Sees für sehr wahrscheinlich gehalten. Anfang der 1950er Jahre brütete „das Braunkehlchen in einigen Paaren im Gebiet der Zitzmannsdorfer Wiesen , in der Nähe des Landesforstgartens Weiden. Für das gesamte Neusiedler See-Gebiet wurde Art damals als spärlicher Brutvogel bezeichnet. Mitte der 1950er Jahre wurde das Braunkehlchen als Brutvogel des Hanságs „wiederentdeckt“, wie K. Bauer 1957 schrieb: „…. brütet nach Beobachtungen der beiden letzten Jahre regelmäßig in mehreren Paaren in den feuchten Streuwiesen des Hanság südlich von Andau“.

Aktuelle Erhebungen

Das Braunkehlchen brütet im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel derzeit nur (mehr) in zwei Gebieten: Auf den Zitzmannsdorfer Wiesen wurden 1991 hier noch 11 Brutpaare gezählt, 1999 nur mehr sieben und 2006 war dieses Vorkommen erloschen. 2011 konnte bei einer systematischen Untersuchung wiederum ein Brutpaar nachgewiesen werden. Das Brutvorkommen im Hanság wurde 1991 genauer kontrolliert, wobei sich die Population mit 60 Brutpaaren überraschend groß erwies. Ein intensives Erfassungsprogramm im Jahr 2009 ergab 54 - 57 Brutpaare, weitere Erhebungen im Jahr 2010 hingegen nur 39 - 42. Die Siedlungsdichte auf 11,84 km² Grünlandfläche lag 2009 bei 4,4 - 4,6 Revieren/km², 2010 bei 3,1 - 3,4 Revieren/km². In den schlechter besiedelten Teilflächen fanden sich nur 1 - 2 Reviere/km², in der am besten besiedelten Teilfläche waren es hingegen über 10 Reviere/km². Weitere Untersuchungen in den Jahren 2013 und 2014 ergaben dann allerdings einen weiteren, deutlichen Rückgang auf 32 bzw. 31 Brutpaare, der vermutlich durch die zu intensive Wiesenbewirtschaftung und Beweidung bedingt ist.

Bedeutung des Vorkommens

Das Brutvorkommen im österreichischen Teil des Hanságs ist das mit Abstand größte erhalten gebliebene Tieflandvorkommen des Braunkehlchens in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die beste Möglichkeit, im Bereich des Nationalparks Braunkehlchen im Brutgebiet zu beobachten bietet sich im österreichischen Teil des Hanságs, wo von den von Tadten und Andau ausgehenden Dammstraßen aus, im Mai die, in den Wiesen und Weiden sitzenden Braunkehlchen-Männchen gut zu beobachten sind. Ein besonders geeigneter Platz dafür ist derzeit der, 2013 neu errichtete Hochstand südlich der Kommassantenwiesen. In den Brachflächen direkt vor, sowie unmittelbar nördlich und südlich des Hochstandes brüteten 2013 und 2014 jeweils 4 - 6 Paare.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Als typische Art feuchter Grünlandgebiete hängt das Vorkommen des Braunkehlchens direkt von der Intensität der Wiesenbewirtschaftung ab. Wie oben gezeigt wurde wirkt sich in Mähwiesen zu früher und/oder zu häufiger Schnitt negativ auf die Ansiedlungsmöglichkeiten und den Bruterfolg aus. In Weidegebieten fällt der Bruterfolg analog bei zu früher Bestoßung der Weiden. Oftmalige Düngung und häufiger Pestizideinsatz wirken sich negativ auf die Struktur des Mikrohabitats sowie auf das Nahrungsangebot aus. Weitere negative Faktoren sind die Verarmung der Artenvielfalt im Grünland durch die Einbringung ertragreicher Grassorten, Entwässerungen durch Grundwasserabsenkung und Abzugsgräben und nachfolgende Umbruch von Streuwiesen.

Für den Schutz der Art müssen großflächige Grünlandflächen erhalten bleiben, die extensiv bewirtschaftet werden. Solche Flächen sind heutzutage nur mehr durch spezielle Schutz- und Bewirtschaftungskonzepte, kombiniert mit Prämienzahlungen für Extensivierungen und zusätzliche Maßnahmen (spätere Mahd, Verringerung der Düngung, angepasste Mahdzyklen, Anlage von nur in mehrjährigen Abständen gemähten Altgrasstreifen, Brachen und Schaffung von Ansitzmöglichkeiten) zu erhalten.

Weiterführende Literatur

Bauer, K. (1957): Interessante Brut- und Sommervorkommen im Neusiedlersee-Gebiet. Vogelkundliche Nachrichten aus Österreich 7: 1-7.

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Dvorak, M., H.-M. Berg & B. Wendelin (2012): Ornithologische  Bestandserhebungen im Europaschutzgebiet  „Waasen-Hanság“  in den Jahren  2009 und 2010. Studie von BirdLife Österreich im Auftrag des Amtes der  Burgenländischen Landesregierung,  Abteilung 5. 76 pp.

Dvorak, M. & E. Nemeth (1992): Die Brutvögel der Zitzmannsdorfer Wiesen. Biologisches Forschungsinstitut für Burgenland – Bericht 78: 47-64.

Dvorak, M., B. Wendelin & J. Lehner (2011): Die Brutvögel der Zitzmannsdorfer Wiesen in den Jahren 1991 bis 2011. Studie von BirdLife Österreich im Auftrag des Nationalparks  Neusiedler See – Seewinkel. 85 pp.

Festetics, A. (1971): Das Niedermoor „Hanság“ – Vorschlag zu einem burgenländischen Adler- und Trappenreservat. Natur und Land 57: 125-135.

Schuster, A. (1992): Vergleich der brut- und nachbrutzeitlichen Habitatwahl beim Neuntöter (Lanius collurio, L.), Schwarzkehlchen (Saxicola torquata, L.) und Braunkehlchen (Saxicola rubetra, L.) im Kulturland des Hanság (Burgenland). Diplomarbeit Univ. Wien. 140 pp.

Seitz, A. (1942): Die Brutvögel des „Seewinkels“ (der "Burgenländischen Salzsteppe") am Ostufer des Neusiedlersees, Gau Niederdonau. Niederdonau / Natur und Kultur 12. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig. 52 pp.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.