Dunkler Wasserläufer

Tringa erythropus

Der Dunkle Wasserläufer nutzt das Neusiedler See Gebiet als Rastgebiet sowohl am Frühjahrs- als auch am Herbstzug. Als  sommerliches Rast- und Mausergebiet kommt dem Seewinkel auch eine überregionale Bedeutung zu. Gute Möglichkeiten zur Beobachtung ergeben sich je nach Wasserstand am Illmitzer Zicksee, am Unteren Stinkersee oder auch im Bereich Wasserstätten und Sandeck. 

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Merkmale

Der Dunkle Wasserläufer ist von April bis Juli durch sein schwarz gefärbtes Prachtkleid mit den langen, dunkelroten Beinen unverkennbar. Im Winterkleid ist er unauffälliger graubraun gefärbt mit weißen Flecken und hat damit eine gewisse Ähnlichkeit mit dem, allerdings viel kleineren, Rotschenkel. Dunkle Wasserläufer haben allerdings keine Flügelbinden und einen viel längeren, nur unterseits roten Schnabel. Charakteristisch für die Art ist, dass die Vögel oft in bauchtiefem Wasser waten und bei noch tieferem Wasser auch schwimmend nach Nahrung suchen. Sehr einprägsam ist auch der laute, wie „tjuuiiit“ klingende Ruf, der zumeist nur einmal und nicht gereiht zu hören ist.

Lebensräume

Die Brutgebiete des Dunklen Wasserläufers liegen in den ausgedehnten Moorflächen, in offenen Bereichen der Tundra und Taiga des Nordens. Es werden sowohl die Niederungen als auch das Hügelland besiedelt, und die Art brütet sowohl in baumbestandenen  (z. B. mit Kiefern bestandene Moore) als auch in offenen Gebieten. Am Durchzug und im Winterquartier nutzt er Schlamm- und Schlickflächen an Süß- aber auch Brackgewässern. An den Küsten sucht er zumeist landnahe Zonen in Meeresbuchten und Salzmarschen auf. Im Binnenland nutzt die Art die Flachwasserzonen von Gewässern, nasse oder überschwemmte Wiesen, Rieselfelder und bisweilen auch überschwemmte Äcker.

Verbreitung

Global und national

Das Brutareal des Dunklen Wasserläufers zieht sich von Nord-Norwegen und Nord-Schweden über Zentral- und Nordfinnland durch die gesamte nördlichste Taiga und die Wald- und Moostundra Nordasiens bis nach Ostsibirien, wo die Art nur im äußersten Osten auf der Tschuktschen-Halbinsel fehlt.

Der europäische Brutvogelbestand wurde zu Beginn der 2000er Jahre auf 19.000 bis 42.000 Brutpaare geschätzt. Davon brüten etwa 5.000 bis 11.000 Brutpaare in Schweden, 10.000 bis 15.000 in Finnland, 2.000 bis 6.000 in Norwegen und 2.000 bis 10.000 im europäischen Teil Russlands.

Wanderungen

Die Brutvögel Nordeuropas ziehen in breiter Front, in südliche bzw. südwestliche Richtung, über Europa. Das Überwinterungsgebiet beginnt bereits im Süden Europas z. B. französische Atlantikküste, Tunesien. Hauptsächlich fliegen die Vögel jedoch nach Westafrika und überwintern von Mauretanien südwärts. Darüber hinaus überwintert der Dunkle Wasserläufer auch im zentralen Afrika südwärts bis Zaire und Tansania. Am Durchzug kommt es am Mittelmeer zu größeren Ansammlungen, bisweilen aber auch in der Großen Ungarischen Tiefebene, wo in Ostungarn Rastplätze mit Beständen von rund 1.000 Exemplaren festgestellt wurden.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

In den frühen 1940er Jahren wurde der Dunkle Wasserläufer als „regelmäßiger und ziemlich zahlreicher Durchzügler im Frühjahr und Herbst“ bezeichnet. Auf einzelne „Übersommerer“ wurde schon damals extra hingewiesen. Auch in den frühen 1950er Jahren wurde die Art als „ziemlich häufiger Durchzügler und ganz vereinzelter Übersommerer“ beschrieben, im Gegensatz zur heutigen Situation wurden damals im Juni und Anfang Juli keine Dunklen Wasserläufer beobachtet.

Aktuelle Erhebungen

In den Jahren 1995 - 2001 setzte der Frühjahrszug Anfang April ein, erreichte Ende April/Anfang Mai sein Maximum mit 50 - 150 Exemplaren und endete bereits Mitte Mai. In den Jahren 2011-2014 wurden am Heimzug mit Spitzen von 48 - 89 Exemplaren, deutlich weniger Dunkle Wasserläufer festgestellt.

Der Seewinkel ist von großer Bedeutung für Altvögel am Wegzug. Es werden regelmäßig Zahlen von 200 - 300 Exemplaren erreicht, die Maxima in den Jahren 1995 - 2001 lagen bei 350 - 450 Individuen. Der erste Zuggipfel fällt auf Juni/Anfang Juli und wird von adulten Weibchen gebildet, die noch das Prachtkleid tragen. Ab Ende Juli werden die Rastbestände durch die adulten Männchen verstärkt, die dann Anfang August für das Maximum sorgen. Ganz offensichtlich halten sich die Vögel für längere Zeit an den Lacken auf und vollziehen hier zumindest einen Teil ihrer Mauser. Ab ca. Mitte August tragen alle Altvögel das hellgraue Schlichtkleid. Im Gegensatz dazu ist der Jungvogelzug zahlenmäßig unbedeutend, nur ausnahmsweise können mehr als 50 Exemplare gleichzeitig im Gebiet gezählt werden.

In den Jahren 1995 - 2001 lagen die sommerlichen Maxima zwischen Ende Juli und Ende August bei 300 - 450 Exemplaren. In den Jahren 2011 - 2014 wurden die Maxima jahresweise unterschiedlich Anfang, Mitte oder auch Ende August und einmal Anfang September erreicht.

Wie sich zeigte, haben die sommerlichen Rast- und Mauserbestände seit Ende der 1990er Jahre zugenommen. Der bisherige Gebietsrekord wurde zweimal gebrochen: 2011 mit 490 und 2014 mit 534 Individuen, aber auch die beiden dazwischen liegenden Jahre hatten mit 421 und 412 Exemplaren sehr gute Zahlen aufzuweisen. Der Jungvogelanteil war wie schon 1995 - 2001 gering und lag 2011 bei 25 %, 2012 bei 14 %. Normalerweise nehmen die Zahlen dann im Verlauf des September zuerst sehr schnell, im Oktober mit den wenigen verbliebenen Vögel (zumeist nur ein bis zwei Trupps) dann langsamer ab, bis die letzten Dunklen Wasserläufer Ende Oktober abziehen. Lediglich 2011 entsprach überhaupt nicht diesem Muster, Mitte Oktober wurden damals noch 66, Mitte November noch 63 Vögel gezählt.

Bedeutung des Vorkommens

Der Neusiedler See ist der mit weitem Abstand wichtigste Rastplatz für den Dunklen Wasserläufer in Österreich und aufgrund der Mauserbestände auch überregional von großer Bedeutung.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die besten Rastplätze waren in den letzten Jahren die Graurinderkoppel, der Illmitzer Zicksee, der Untere Stinkersee, sowie die Wasserstätten und das Sandeck. Während diese Lacken die größten Trupps aufwiesen, können vor allem in den Sommermonaten Juli - September bei ausreichenden Wasserständen auch an vielen anderen Lacken Dunkle Wasserläufer in kleinerer Zahl beobachtet werden.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Die Rastplätze im Seewinkel sind zumindest auf dem Papier als Teil des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel vor negativen Eingriffen geschützt. Allerdings kam es in den letzten Jahrzehnten aufgrund des, durch niedere Grundwasserstände verursachten „Lackensterbens“, zu einem nicht zu unterschätzenden Verlust an Rastmöglichkeiten. Besonders niedrige Grundwasserstände in den oft über mehrere Jahre hinweg andauernden Trockenphasen sind vermutlich im Wesentlichen auf Wasserentnahmen für die Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen zurückzuführen. Langfristig müssen daher im ersten Schritt Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der verbliebenen Salzlacken getroffen werden. Dazu zählt einerseits die Verbesserung der Grundwassersituation über die Regulierung der Wasserentnahmen durch die Landwirtschaft und andererseits auch die Renaturierung von bereits degradierten Salzlacken.

Weiterführende Literatur

Kohler, B. & G. Rauer (2009): Bestandsgrößen und räumliche Verteilung durchziehender Limikolen im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel in den Jahren 1995-2001. Egretta 50: 14-50.

Laber, J. (2003): Die Limikolen des österreichisch/ungarischen Seewinkels. Egretta 46: 1-91.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.