Feldlerche

Alauda arvensis

Die Feldlerche ist im Neusiedler See Gebiet in allen offenen Lebensräumen der häufigste Brutvogel. Typisch für die Art ist der zwitschernd-trillernde Singflug, bei dem die Feldlerche in allen Teilgebieten des Nationalparks gut zu beobachten ist.

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Merkmale

Die Oberseite der Feldlerche ist braun und meistens schwärzlich gestreift. Die rahmweiße Körperunterseite weist eine deutliche Strichelung an der Brust auf. Am Schwanz fallen die weißen äußeren Steuerfedern auf. Im Flug ist der weiße Rand der langen, spitzen Flügel zu sehen. Der weiße Flügelrand ist, zusammen mit den weißen Schwanzkanten ein gutes Kennzeichen im Feld. Feldlerchen sträuben ihre Scheitelfedern häufig zu einer kleinen Haube auf, die aber nie so lang und spitz erscheint wie die der Haubenlerche. Typisch für die Feldlerche ist der lang anhaltende, zwitschernd-trillernde Singflug. Beim Singen hängt das Männchen mit flachen Flügelschlägen und gespreiztem Schwanz oft minutenlang in der Luft. Der Gesang ist eine wohlklingende Folge trillernder und wirbelnder Töne, der pausenlos vorgetragen wird und auch Imitationen anderer Vogelarten enthalten kann. Gelegentlich singen Feldlerchen auch vom Boden oder von einer niedrigen Sitzwarte aus.

Lebensräume

Die Feldlerche ist ein Brutvogel offener Landschaften, sie besiedelt hier trockene bis mittelfeuchte, niederwüchsige Gras- und Krautfluren. Am dichtesten werden Biotope mit kurzer oder schütterer, nicht geschlossener Bodenvegetation besiedelt. Zu Sichthindernissen (z.B. Wälder oder bebautes Gebiet) werden Mindestabstände eingehalten, die von Höhe und Ausdehnung dieser Vertikalstrukturen abhängen. Einzelstrukturen wie Bäume, Alleen, Windschutzstreifen und menschliche Bauwerke verringern zwar die Siedlungsdichte, verhindern aber eine Ansiedlung nicht. In der mitteleuropäischen Kulturlandschaft brütet die Feldlerche in den Niederungen und im Hügelland in Weiden und Wiesen aller Art, in Ackerland, Brachen, Ruderalflächen, ausgedehnten Kahlschlägen, Trocken- und Magerrasen. Im Gebirge steigt sie bis in die untere alpine Zone wo sie Mähwiesen, Almen und alpine Matten besiedelt. Die besten Bedingungen im Kulturland bieten kleinräumig parzelliertes Agrarland mit hoher Kulturenvielfalt sowie extensiv genutzte Weiden und Wiesen. Eine hohe Vielfalt verschiedener Kulturen ist im Ackerland entscheidend, da jede Nutzungsform eine spezifische saisonale Vegetationsentwicklung aufweist. So sind viele Felder und Wiesen nur für einen Teil der Brutsaison geeignet, da zu dichte Bodenvegetation die Fortbewegung behindert, andererseits wieder bieten zu lange vegetationsarme oder -freie Phasen keine Neststandorte und wahrscheinlich auch zu wenig Nahrung. Großflächige Monokulturen schließen daher eine längerfristige Besiedlung aus.

Verbreitung

Global und national

Die Feldlerche ist eine weit verbreitete Art und besiedelt die gesamte Paläarktis mit Ausnahme der innerasiatischen Hochgebirge, der Tundrenzone sowie der größeren Wüsten und Halbwüsten. In Europa ist die Art mit Ausnahme Islands überall zu finden. Die Feldlerche ist auch heute noch ein weit verbreiteter und sehr häufiger Brutvogel Europas mit einem geschätzten Brutbestand von über 100 Millionen Paaren. Die mit Abstand dichteste Population findet sich mit über 10 Millionen Brutpaaren in Dänemark, sehr häufig brütet die Art auch (jeweils mehrere Millionen Paare) in Polen, Spanien, Deutschland, Bulgarien, Russland, Lettland, Großbritannien und Weißrussland. Viel seltener ist die Art in den gebirgigen Ländern Mitteleuropas sowie am südlichen Balkan.

Wanderungen

Als Teilzieher verlässt die Feldlerche ihre Brutgebiete im Osten und Norden Europas, um den Herbst und Winter in wärmeren Gebieten zu verbringen. Europäische Feldlerchen sind in der Regel Zugvögel und überwintern in Südwesteuropa, im Mittelmeerraum, in Nordafrika sowie in Vorderasien. Die Feldlerche trifft bereits ab Februar an den Brutplätzen ein, der Hauptteil der Brutvögel kommt Anfang-Mitte März an. Der Wegzug konzentriert sich auf den Oktober.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

Anfang der 1940er Jahre schreibt R. Zimmermann: „Die Feldlerche ist ein … teilweise auch überwinternder Brutvogel des Gebiets, der zahlreich, aber in örtlich schwankender Siedlungsdichte Äcker und Trockenwiesen einschließlich der Hutweiden bewohnt und auch ins Vorgelände des Sees vordringt.“ In den frühen 1950er Jahren war die Feldlerche ein „sehr häufiger Brutvogel und Durchzügler, ziemlich häufiger Wintergast“. Sehr interessant ist dabei die Anmerkung „besonders in den feuchten Uferwiesen ist die Siedlungsdichte unwahrscheinlich groß“ – diese Lebensräume existieren heutzutage, vor allem am Westufer des Sees, so gut wie nicht mehr.

Aktuelle Erhebungen

Die Feldlerche ist im Neusiedler See Gebiet in allen offenen Lebensräumen der häufigste Brutvogel. Sie besiedelt Äcker, Brachen, Weingärten (vor allem wenn diese von Ackerparzellen und Brachen durchsetzt sind), Hutweiden, Mähwiesen, Feuchtwiesen und Weidegebiete. Im Seewinkel sind vor allem die Hutweiden, wie z. B. die Bereiche rund um die Lange Lacke besonders dicht besiedelt.

Systematische Bestandsaufnahmen wurden bislang nur in ein paar Teilgebieten durchgeführt. 1991 wurden sechs 60 - 70 Hektar große Weingartenflächen am West- und Nordufer des Neusiedler Sees und im Seewinkel untersucht. Die Feldlerche kam damals nur in zwei Gebieten, in diesen aber häufig vor. Die vier unbesiedelten Flächen waren reine Weingarten-Monokulturen ohne Brachflächen und Äcker. 1997 konnten in einem 619 Hektar großen Weingarten-Gebiet am Westufer des Sees (zwischen Winden und Jois), bei einer Revierkartierung 85 Brutpaare erfasst werden, was eine Siedlungsdichte von 13,7 Brutpaaren/km² ergibt. Auf den Zitzmannsdorfer Wiesen wurden sowohl 1991 als auch 2011 Bestandsaufnahmen mit gleicher Methodik durchgeführt. 1991 wurden 49 - 52 Reviere (1,1/km²) festgestellt, 2011 hingegen 78 - 79 (10,5/km²). Diese deutliche Zunahme ist überraschend, denn 1991 waren noch knapp 40 % des Gebiets Ackerflächen, 2011 bestanden hingegen fast 95 % aus Wiesen. Eine weitere quantitative Untersuchung aus dem Seewinkel liegt aus einem 375 Hektar großen Gebiet mit gemischter landwirtschaftlicher Nutzung (Äcker, Weingärten, Windschutzstreifen, Wäldchen), nordwestlich von Pamhagen vor. Hier wurden 1998 55 Brutpaare erfasst, was einer Siedlungsdichte von 14,5 Brutpaaren/km² entspricht. 2009  wurde auch im österreichischen Teil des Hanságs, auf der Gesamtfläche von 30 km² eine Erfassung der Brutvögel durchführt. Dabei konnten 350 - 400 Reviere festgestellt werden, was einer hohen großflächigen Dichte von 12 - 14 Brutpaaren/km² entspricht.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet beherbergt eine der dichtesten Populationen der Feldlerche in Österreich.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die Feldlerche ist in geeigneten Lebensräumen, überall im Nationalpark leicht zu beobachten.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Intensivierungen der Bewirtschaftung durch Kommassierungen, größere Parzellen, großflächige Monokulturen und gesteigerten Pestizideinstz sind als Hauptursache für den, überall in Europa zu beobachtenden Bestandsrückgang einzustufen. In vielen Gebieten wurde Sommergetreide durch Wintergetreide ersetzt, wobei letzteres als Bruthabitat für die Feldlerche weitgehend ungeeignet ist, da es vor allem im zeitigen Frühjahr weniger Nahrung enthält. Im Nationalpark sind die großflächig extensiv bewirtschafteten Wiesen- und Weidegebiete dicht besiedelt und bieten im gegenwärtigen Zustand optimale Feldlerchen-Lebensräume.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Dvorak, M., H.-M. Berg & B. Wendelin (2012): Ornithologische  Bestandserhebungen im Europaschutzgebiet  „Waasen-Hanság“  in den Jahren  2009 und 2010. Studie von BirdLife Österreich im Auftrag des Amtes der  Burgenländischen Landesregierung,  Abteilung 5. 76 pp.

Dvorak M., E. Karner & A. Ranner (1992): Untersuchungen zum Brutvogelbestand von Weingärten im Neusiedler See-Gebiet/Burgenland. Biologisches Forschungsinstitut für Burgenland- Bericht 78: 65-73.

Dvorak, M. & E. Nemeth (1992): Die Brutvögel der Zitzmannsdorfer Wiesen. Biologisches Forschungsinstitut für Burgenland – Bericht 78: 47-64.

Dvorak, M., B. Wendelin & J. Lehner (2011): Die Brutvögel der Zitzmannsdorfer Wiesen in den Jahren 1991 bis 2011. Studie von BirdLife Österreich im Auftrag des Nationalparks  Neusiedler See – Seewinkel. 85 pp.

Karner, E. A. Ranner & M. Dvorak (1992): Quantitative Erfassung der Vogelwelt des Gebietes um Hackelsberg und Jungerberg. Biologisches Forschungsinstitut für Burgenland- Bericht 78: 17-30.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.