Fledermäuse

Microchiroptera

Mit ihrem einzigartigen Orientierungssystem, der Ultraschall-Echoorientierung, gehen Fledermäuse von März bis November auf Insektenjagd. Anschließend werden geschützte Winterquartiere aufgesucht, in denen manche Arten mehr, manche weniger konsequent verharren, um den Winterschlaf zu verbringen. Fledermäuse können über 30 Jahre alt werden! 

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Ihr Name ist trügerisch, sind Fledermäuse doch näher mit Igel und Maulwurf verwandt als mit Mäusen. Zusammen mit den Flughunden bilden sie die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera).
 
Merkmale:
Unsere einzigen heimischen fliegenden Säugetiere besitzen, wie für Säugetiere typisch, ein Fell, eine gleichwarme Körpertemperatur und äußere Ohrmuscheln. Die Flughaut der Fledermäuse ist zwischen den Extremitäten, ihrem Körper und dem Schwanz gespannt. Am Vorderrand des Flügels schaut nur der Daumen als Kralle hervor. Trotz ihrer geringen Größe, können manche Fledermausarten unter günstigen Bedingungen über 30 Jahre alt werden!
Fledermäuse besitzen ein unter Landtieren einmaliges Orientierungssystem: die Ultraschall-Echoorientierung. Dabei stoßen sie mit ihrem Kehlkopf für Menschen nicht hörbare Rufe über die Nase (Hufeisennasenfledermäuse) oder den Mund (Glattnasenfledermäuse) aus, die von ihrer Umwelt als Echos zurückgeworfen werden.
Die Nahrung unsere heimischen Fledermäuse besteht aus Insekten und anderen Gliederfüßern (z.B.: Spinnen), welche sie fast ausschließlich nachts erbeuten. Die Fähigkeit ihre Körpertemperatur gezielt abzusenken ermöglicht Fledermäusen während Ruhephasen, besonders unter Tags und während des Winterschlafs, eine enorme Energieeinsparung.
Ab Mai sammeln sich die Weibchen in Fortpflanzungskolonien, den sogenannten Wochenstuben. Hier gebären sie im Juni meist relativ synchron ihre Jungen. Im Juli und August werden die Jungtiere flugfähig. Je nach Witterung suchen Fledermäuse zwischen Oktober und November ihre Winterquartiere auf.
 
Artspezifische Quartieransprüche:
Besonders wandernde Fledermausarten, wie der Abendsegler Nyctalus noctula, nutzen kaum unterirdische Quartiere. Als typische Baumfledermaus nimmt er Sommerquartiere wie Specht- und andere Baumhöhlen in Anspruch, die er bevorzugt in Waldrand-Nähe oder entlang von Wegen aufsucht. Er lässt sich auch gerne in Fledermauskästen ansiedeln! Seine Winterquartiere befinden sich in dickwandigen Baumhöhlen, in Spalten an Gebäuden und Brücken, sowie Felsspalten, aber auch in Gebäudeschächten und Kirchen. Das Kleine Mausohr Myotis oxygnathus hingegen bezieht bei uns die Sommerquartiere gerne in „warmen Höhlen“ - als Kulturfolger somit vor allem Dachböden und Kirchen. Die Männchen besiedeln ganzjährig Höhlen, im Sommer auch Spalten an Brücken und Gebäuden. Ihre Winterquartiere befinden sich in Höhlen oder Stollen.
 
Wanderungen:
Wie bei Vögeln gibt es unter Fledermäusen Arten, die relativ stationär sind, aber auch Arten, wie das Kleine Mausohr, die jährlich Entfernungen zwischen 100 und 800 km zurücklegen. Der Abendsegler wandert sogar 1500 und 2000 km pro Jahr!
 
Beobachten:
Am besten zu beobachten sind Fledermäuse bei ihren Jagdflügen. Der Ausflug des Abendseglers erfolgt sehr früh, zum Teil schon vor Sonnenuntergang. Sie jagen gerne im Verlandungsbereich von Seen, über Wiesen und Weideflächen und über dem Wasser. Das Kleine Mausohr jagt bevorzugt im wärmebegünstigten Offenland auf extensiv genutzten Mähwiesen, Feuchtwiesen und Weiden und meidet weitgehend große geschlossene Waldgebiete.
 
Gefährdung und Schutz:
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts mussten in Mitteleuropa teils dramatische Bestandsverluste unter vielen Fledermausarten verzeichnet werden. Die Gefährdung vieler Fledermausarten hält weiter an. Menschliche Eingriffe sind die Hauptgefährdungsursachen: zum Teil massive Verluste von Fledermausquartieren durch Abriss oder Modernisierung von Altbauten und Verschließen von Dachböden, Kellern und anderen unterirdischen Hohlräumen, Störungen in den Quartieren und direkte Verfolgung, Verringerung der Nahrungsgrundlage durch Einsatz von Insektiziden, Zerstörung von naturnahen Landschaften und den damit einhergehenden Lebensraumverlusten, und die Gefährdung durch Verkehr und Windkraftanlagen (insbesondere für wandernde Fledermausarten).
Im Seewinkel kommt dem Bestand des Kleinen Mausohrs besondere Bedeutung zu. Es zählt zu den am meisten gefährdeten Arten Österreichs. Mit Aufgabe der Beweidung im pannonischen Flach- und Hügelland ging diese Fledermausart in Österreich stetig zurück. Auch im Seewinkel sind bis auf die Wochenstubenkolonie in Apetlon alle anderen genutzten Wochenstuben aufgegeben worden. Von den ürsprünglich 24 in Kirchen um den Neusiedler See befindlichen Wochenstuben, sind nur mehr 2 erhalten. Umso mehr spielen der Erhalt von insektenreichen, offenen Wiesen und Weideflächen durch unsere Weidetiere im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel eine entscheidende Rolle für den Fortbestand der Nahrungsgrundlage.
 
Von den 28 in Österreich vorkommenden Arten sind 16 Arten für das Neusiedler See Gebiet nachgewiesen: Große Hufeisennase Rhinolophus ferrumequinum, Kleine Hufeisennase Rhinolophus hipposideros, Bartfledermaus Myotis mystacinus, Mausohr Myotis myotis, Kleines Mausohr Myotis oxygnathus, Wasserfledermaus Myotis daubentonii, Zweifarbfledermaus Vespertilio murinus, Breitflügelfledermaus Eptesicus serotinus, Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus, Rauhhautfledermaus Pipistrellus nathusii, Kleinabendsegler Nyctalus leisleri, Abendsegler Nyctalus noctula, Mopsfledermaus Barbastella barbastella, Braunes Langohr Plecotus auritus, Graues Langohr Plecotus austriacus, Langflügelfledermaus Miniopterus schreibersii.

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