Im Zuge des Projekts Vogelwarte 2 INTERREG V-A Österreich – Ungarn: Angewandte ornithologische Forschung/Graugans-Untersuchungen wird der Brutbestand der Graugans (Anser anser) im Neusiedler See Gebiet genauer erforscht. 

Graugänse am Neusiedler See

Die grenzüberschreitende Nationalpark-Region rund um den Neusiedler See ist eines der wichtigsten Brutgebiete der Graugans in Mitteleuropa. Ging man früher von einer Anzahl von etwa 400 Brutpaaren aus ergaben jüngste Zählungen Bestände von bis zu 1.500 Brutpaaren. Weiters hält sich noch eine größere Zahl an nicht brütenden Gänsen im Gebiet auf.

Die Zugwege dieser Grauganspopulation wurden in den 80er Jahren im Rahmen eines Markierungsprogramms (Halsmanschetten) erforscht. Die gewonnen Daten zeigten, dass zumindest Teile der im Neusiedler See Gebiet brütenden Gänse ihre Winterquartiere in Tunesien und Algerien fanden. 

Forschung mit moderner Technik

Im Rahmen des EU-Interreg-Projektes "Vogelwarte/Madárvárta 2" (Projektpartner: Nationalpark Fertö-Hanság, Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel, Biologische Station Illmitz, Wassercluster Lunz) wurden im Juni 2018 16 Gänse mit Halsmanschetten-Sendern ausgestattet. Dazu wurden an mehreren Tagen an verschiedenen Orten am frühen Morgen Gänse beim Verlassen ihrer Schlafplätze gefangen, an Ort und Stelle beringt und besendert und wieder freigelassen. In den darauffolgenden Tagen konnten die Gänse wohl und munter mit ihren Familien beobachtet werden. Neben den 16 besenderten Gänsen (allesamt adulte Tiere) wurden auch 167 vor allem Jungtiere beringt und mit Halsmanschetten versehen. Die Besenderung wurde seitens des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel, Beringung und Markierung mit Halsmanschetten durch BirdLife Österreich im Auftrag der Biologischen Station Illmitz durchgeführt.

In diesem Zusammenhang sei auch den vielen freiwilligen Helfern aus Österreich und Ungarn ein herzliches Dankeschön ausgesprochen. Im Zuge der Fangaktionen konnte die gut funktionierende Zusammenarbeit der österreichischen und ungarischen Kollegen eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden.

Für jederman verfolgbar

Ziel dieses Projektes ist es zu dokumentieren ob und wie sich die Zugrouten der Neusiedler See Graugänse im Lauf der letzten 30 Jahre verändert haben. Darüber hinaus sollen auch Erkenntnisse zur Lebensraumnutzung im Brutgebiet und zu kleineräumigen Wanderungen bei der Jungenaufzucht gewonnen werden.

Ein wesentlicher Aspekt ist aber auch die Darstellung der Bewegungen für die Öffentlichkeit. Vor diesem Hintergrund ist die Einbindung in die APP "Animal Tracker" ein wichtiger Teil des Gesamtprojektes. Den besenderten Gänse wurden auch Namen zugewiesen um sie in der APP leichter zu finden – Flo, Willi, Maya, Andi, Michi, Mitzi, Alex, Josie, Dani, Niki, Toni, Gustav, Gretl, Johanna, Hugo und Max werden uns hoffentlich noch lange Zeit Einblicke in ihr Leben gewähren.

Wir wünschen den Gänsen alles Gute und allen Beobachtern und den Nutzern von Animal Tracker viel Spaß beim verfolgen "unserer" Gänse. Sollten Sie in Zukunft Gänse mit Halsmanschetten sehen, können Sie gerne versuchen die Zeichenkombination abzulesen – wir freuen uns über Rückmeldungen zu solchen Beobachtungen!