Großtrappe

Otis tarda

Das Brutvorkommen im Hanság ist als Teil, der seit Jahren zunehmenden westpannonischen Population von internationaler Bedeutung. Die mit Abstand beste Zeit um die Großtrappen im Hanság zu beobachten,ist die Balzperiode der Männchen zwischen Anfang April und Mitte Mai, Sichtungen sind dann von den Hochständen auf Andauer und Tadtener Seite des Gebiets fast sicher möglich.

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Merkmale

Die Großtrappe ist in Mitteleuropa unverkennbar. Männchen sind an Brust und Halsseiten rötlich gefärbt, Hals und Kopf sind blaugrau und tendieren bei älteren Individuen ins weißgräuliche. Der Rücken ist ockerbraun mit breiten schwarzen Binden, der Bauch ist weiß. Der Oberflügel zeigt eine markante, ausgedehnte schwarz/weiße Zeichnung, die besonders im Flug sehr auffällig ist. Weibchen und immature Männchen sind wesentlich kleiner als erwachsene Männchen, weisen aber im Wesentlichen ein ähnliches Färbungsmuster auf. Die Männchen sind die schwersten Brutvögel Europas, die Weibchen wiegen nur die Hälfte der Männchen.

Lebensräume

Großtrappen bewohnen weiträumige und überschaubare Landschaften, in flachen Ebenen der Niederungen oder in ganz leicht hügeligem Gelände. Wichtig ist, dass zumindest an drei Seiten über weite Distanzen keine gröberen Sichthindernisse in Form von Wäldern, Feldgehölzen, Windschutzgürteln und anderen aufragenden Strukturen vorhanden sind. Zumindest zur Balz- und Brutzeit sollten auch Bereiche mit niederer Bodenvegetation vorhanden sein. Die, für Großtrappen in Mitteleuropa auch heute noch bewohnbare Landschaften, liegen fast immer in den Niederungen unterhalb 300 Meter mit weniger als 600 mm Jahresniederschlag, hohen Sommertemperaturen und geringer Dauer und Höhe der Schneedecke. Bevor die Landschaft großflächig vom Menschen verändert wurde, war die Großtrappe wohl vorwiegend auf natürliche offene Graslandschaften in der Steppen- und Halbwüstenzone angewiesen. Gut entwässerte Böden mit niederem Grundwasserstand werden im Allgemeinen bevorzugt, zusätzlich finden sich auch Trappenvorkommen in abgetorften Flachmooren, wie z. B. im Hanság. Ein guter Teil der in Mitteleuropa verbliebenen Brutgebiete liegt in intensiv genutzten Agrarlandschaften mit einer gewissen Kulturenvielfalt und mittleren bis großen Schlaggrößen. Gute Bedingungen herrschen heute nur noch an wenigen Stellen in der Kleinen und Großen Ungarischen Tiefebene, wo sich extensiv genutzte Hutweiden und Wiesen mit Agrarland abwechseln. Gebiete mit extensiver landwirtschaftlicher Nutzung, aber nur geringer menschlicher Störung, erweisen sich hier oft als besser für die Art geeignet, als naturnahe Habitate. Der Anbau von Winterraps und Luzerne besitzt, besonders im Winterhalbjahr, für die Art eine zentrale Bedeutung.

Verbreitung

Global und national

Das heute in viele kleine und oftmals voneinander isolierte Einzelvorkommen zersplitterte Areal der Art, zieht sich von der Iberischen Halbinsel und dem Nordteil Marokkos im Westen über Mittel- und Osteuropa und die Steppen Zentralasiens ostwärts bis nach Nordostchina und bis ins südliche Ussuriland. Die Vögel im östlichen Asien werden als (schwach differenzierte) Unterart dybowskii klassifiziert. Der Weltbestand umfasst derzeit ca. 44.000 bis 51.000 Individuen. Ein Großteil davon, ca. 38.000 bis 47.000 Individuen, lebt in Europa. Das europäische Brutgebiet der Großtrappe ist in mehrere Einzelvorkommen aufgesplittert. Die Zentren des Vorkommens liegen in Zentralspanien, in der großen ungarischen Tiefebene und in Südrussland. Mit rund 30.000 Individuen befindet sich mehr als die Hälfte des Weltbestandes in Spanien. Der Bestand in Russland wird derzeit auf ca. 8.000 - 10.000 Individuen geschätzt. Der ungarische Bestand der Großen Tiefebene umfasste nach einem langjährigen Rückgang, 2008 nur noch 1.378 Exemplare. Alle anderen europäischen Länder beherbergen nur mehr viel kleinere Restbestände. Die sogenannte „westpannonische Population“, der alle österreichischen Vorkommen, sowie diejenigen in angrenzenden Gebieten Ungarns, der Slowakei und Tschechiens zugeordnet werden, umfasste 2010 403 Exemplare. Es gibt derzeit noch fünf besetzte Brutgebiete der Großtrappe in Österreich, drei davon liegen im nördlichen Burgenland, je eines im Weinviertel und im Marchfeld. Der österreichische Bestand wurde 2008 auf 208 - 216 Exemplare beziffert. 2010 wurden 244 - 274, 2012 213 - 253 Vögel gezählt.

Wanderungen

Die Großtrappe ist in Mitteleuropa Standvogel oder wandert über kurze Strecken hinweg zu den Wintereinständen. In strengen, schneereichen Wintern kann es zu großräumigen „Winterfluchten“ kommen, welche die Vögel mehrere 100 Kilometer vom Brutgebiet weg führen können. So wanderten in solchen Wintern große Teile der Population der Großen Ungarischen Tiefebene nach Italien, aber auch nach Jugoslawien und Griechenland. Die Vögel einer Brutpopulation in Südrussland (Raum Saratov) ziehen hingegen im Herbst rund 1.000 Kilometer weit in die Winterquartiere nördlich der Halbinsel Krim, in der Ukraine und sind damit als ausgesprochene Mittelstreckenzieher zu betrachten.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schrieb der ungarische Ornithologe J. Schenk: ,,Auf den ausgedehnten Getreidefeldern am Ostufer noch in beträchtlicher Anzahl Brutvogel." 35 Jahre später schrieb R. Zimmermann: „Wir können diese Behauptung heute allenfalls für bestimmte Gebiete des Seewinkels gelten lassen, und zwar für die Umgebung von Frauenkirchen, Tadten, Andau und Wallern. Zwischen dem Neusiedler See-Ostufer und der Straße Weiden-Podersdorf-Apetlon begegnen wir dem Vogel in der Brutzeit nur selten. Die Zickgebiete und die Hutweiden werden von der Großtrappe offenbar gemieden, ihr eigentlicher Lebensraum sind die weiten Kulturen, die „Maschinensteppe". Das ziemlich trockene und weitgehend kultivierte Torfmoor bei Tadten und Andau, dürfte den größten Trappenbestand im Seewinkel aufweisen.“ Wieder 10 Jahre später schrieben K. Bauer und Mitarbeiter: „Die Großtrappe ist früher zweifellos häufiger gewesen als heute. In dem von Seitz als Trappengebiet genannten Teil des Seewinkels, der Umgebung von Frauenkirchen, Tadten, Andau und Wallern, ist die Art auch heute noch recht verbreiteter Brutvogel.“ – „Der Revierjäger Eder von Andau bezifferte den Bestand in seinem Revier als ziemlich gleichbleibend mit 200 Stück“. Um 1970 lebten auf österreichischer Seite allerdings nur mehr ca. 45 Großtrappen und um das Jahr 1980 wurde der Brutbestand mit ca. 40 Individuen beziffert. Intensive Erhebungen in den Jahren 1988 - 1993 ergaben dann jeweils nur mehr zwischen 15 - 20 Individuen. In den Jahren 1994 - 2000 hat die Zahl der brütenden Hennen weiter von ca. 12 auf 4 - 6 abgenommen. Die Zahl der adulten Hähne schwankte zwischen 1994 und 2000 zwischen fünf und 13 Exemplaren.

Aktuelle Erhebungen

Innerhalb der Grenzen des Nationalparks brütet die Großtrappe heute nur mehr im Hanság. Im Zeitraum 2001 - 2008 gab es in den schlechtesten Jahren (2001 - 2003) nur 5 - 6, in den besten Jahren (2004 - 2007) 8 - 10 brütende Hennen. Die Zahl der Hähne lag minimal bei 4 - 6 (2001) und maximal bei 16 - 19 (2006). In den Jahren 2009 - 2012 gab es hier 12 - 13 Hähne und 8 - 9 Hennen. Aus den Jahren 2013 und 2014 liegen die Ergebnisse von Erhebungen durch den Gebietsbetreuer des Nationalparks vor: 2013 wurden im Hanság im April maximal 10 Männchen und 10 Weibchen gezählt. In den Monaten Mai und Juni begannen sechs Hennen mit Bruten, keine einzige dieser Bruten war jedoch erfolgreich. Anfang Juni wurde das letzte Mal eine Gruppe Männchen festgestellt, danach verließen diese den Hanság. Im Juli und August wurden bis zu sieben nicht führende Hennen gezählt. Im April 2014 wurden maximal 8 Männchen und sieben Weibchen gezählt. Die letzte größere Gruppe an Männchen wurde Mitte Juni beobachtet, die letzten 2 - 3 Männchen harrten bis Ende Juni im Hanság aus. Im Gegensatz zum Vorjahr wurden 2014 bis zu fünf Jungvögel entdeckt, drei davon konnten noch bis Mitte September beobachtet werden.

Bedeutung des Vorkommens

Das Brutvorkommen im Hanság ist als Teil, der seit Jahren zunehmenden „westpannonischen Population“ von internationaler Bedeutung.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Die mit Abstand beste Zeit um die Großtrappen im Hanság zu beobachten,ist die Balzperiode der Männchen zwischen Anfang April und Mitte Mai, wo Sichtungen von den Hochständen auf Andauer und Tadtener Seite garantiert sein sollten. Die Männchen verlassen den Hanság im Verlauf des Junis. Um in den Sommermonaten die viel versteckter lebenden Weibchen zu sehen, ist viel Glück erforderlich.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Als Art, die in Österreich fast ausschließlich intensiv bewirtschaftete Ackerbaugebiete besiedelt, ist die Großtrappe vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft bedroht. Durch Bewirtschaftungsmaßnahmen kommt es (ohne Intervention von Seiten des Naturschutzes) häufig zu Brutverlusten durch Störungen brütender Weibchen und direkte Zerstörung von Gelegen und Jungvögeln. Bei einer sehr kleinen Brutpopulation wie derjenigen im Hanság, kann Prädation einen wesentlichen negativen Einfluss haben. Durch ein reduziertes Nahrungsangebot im Intensiv-Agrarland kann es zusätzlich zu geringeren Aufzuchtserfolgen kommen. Weitere schwerwiegende Gefährdungspotentiale bestehen durch Freileitungen im Bereich von Großtrappen-Vorkommen, die vor allem bei Altvögeln zu Verlusten führen können, die sich besonders bei bereits sehr kleinen Populationen dieser, an und für sich langlebigen Art gravierend auswirken können. Neben diesen hauptsächlichen direkten Gefährdungsfaktoren wirkt eine Vielzahl anderer Eingriffe (z. B. Störungen durch jagdliche Nutzung, Freizeitnutzung, Auspflanzung von Windschutzstreifen etc.) negativ auf das Großtrappen-Vorkommen.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Festetics, A. (1971): Das Niedermoor „Hanság“ – Vorschlag zu einem burgenländischen Adler- und Trappenreservat. Natur und Land 57: 125-135.

Raab, R., H. Winkler, S. Farago, J. Chavko, V. Skorpikova, C. Schütz, H. P. Kollar, P. Spakovszky, E. Julius, S. Raab, B. Maderic, E. Patak & H. Wurm (2010): Die Bestandsentwicklung der westpannonischen Population der Großtrappe, Otis tarda Linnaeus 1758, von 1900 bis zum Winter 2008/2009. Egretta 40: 74-99.

Seitz, A. (1942): Die Brutvögel des „Seewinkels“ (der "Burgenländischen Salzsteppe") am Ostufer des Neusiedlersees, Gau Niederdonau. Niederdonau / Natur und Kultur 12. Heft. Verlag Karl Kühne, Wien-Leipzig. 52 pp.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.