Haubenlerche

Galerida cristata

Nach starken Bestandsrückgängen bis in die 80er Jahre hat die Art in den letzten Jahren an den Ortsrändern und in der Umgebung von Viehunterständen wieder zugenommen. Dort kann die Haubenlerche das ganze Jahr über beobachtet werden.

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Merkmale

Eine Verwechslungsmöglichkeit besteht mit Feldlerchen, wobei die Haubenlerchen kompakter gebaut sind und in der Färbung insgesamt etwas heller wirken als die Feldlerchen. Das beste Unterscheidungsmerkmal ist aber der ziemlich lange Schopf auf dem Kopf. Die eigentlich sehr unscheinbar gefärbten Haubenlerchen sind meist schon zu hören bevor man sie zu Gesicht bekommt. Die Haubenlerche singt sehr melodiös, imitiert dabei sogar andere Vögel. Die Hauptelemente des Gesanges werden von den Rufen gebildet (ungefähr „trüdritri-eh“) und sind, auch wenn sie vom Boden aus und nicht im bekannten Singflug der Lerchen vorgetragen werden, weithin hörbar.

Lebensräume

Der natürliche Lebensraum der Haubenlerche sind Halbwüsten, wo sie trockenwarme Standorte auf leichten Böden mit geringer Korngröße und sehr niedriger, maximal zu 50% geschlossener Vegetation bewohnt. Im Gegensatz zur Feldlerche wird auch mäßig bis stark strukturiertes Gelände besiedelt. Daher entsprechen dörfliche und städtische Siedlungsbereiche wie ausgedehnte Ruderalfluren, Verkehrsflächen, Bahnanlagen, Dorfränder, Lagerplätze und ähnliche Standorte den Habitatansprüchen der Haubenlerche besonders gut. In den Randbereichen der größeren Städte, kommt ihr Neubauviertel mit großen, quaderförmigen Gebäuden, auf deren Flachdächern sie brütet, Grünanlagen und offene Plätze, entgegen. Die Art ist daher potentiell auf allen Flächen im menschlichen Siedlungsbereich zu finden, die trockene warme Böden mit nur spärlicher Vegetationsdecke aufweisen. Sie verschwindet aber meist, sobald die Vegetation zu hoch und dicht wird. Weniger häufig findet man die Haubenlerche außerhalb von Siedlungen auf locker bewachsenen Gemüseäckern oder in Schotter- und Sandgruben. Im Seewinkel konzentrieren sich die Haubenlerchen einerseits auf die Gewerbegebiete an den Ortsrändern, andererseits auf die an Zahl zunehmender Pferdeställe mit den angrenzenden Koppeln. Nur selten sind auch Brutvorkommen in Schottergruben zu finden.

Verbreitung

Global und national

Die Haubenlerche ist ein Brutvogel der südlichen borealen, der Steppen-, Halbwüsten- und Wüstenzone Europas, Afrikas und Asiens. Ihre südliche Verbreitungsgrenze reicht vom nördlichen West- und Ostafrika zur Küste Arabiens und über Indien bis Nepal, Korea und an das Gelbe Meer. Sie kommt  auch in von West- und Südwesteuropa vor. In ihrem europäischen Verbreitungsgebiet hat die Haubenlerche in den letzten Jahrhunderten einige starke Änderungen durchlebt. Zum einem gab es klimabedingte Arealerweiterungen in Wärmephasen des 16. und 18. Jahrhunderts und klimabedingte Arealverluste in den Kältephasen des 17. Jahrhunderts. Zum anderen erlebte die Haubenlerche eine auffällige Populationsvergrößerung Anfang des 20. Jahrhunderts, durch die Entstehung der Fabriken in den Städten. Mit dem Rückgang der Vieh- und vor allem der Pferdehaltung in den Städten, sowie ab den 1930er und 1940er Jahren auch in den ländlichen Gebieten, kam es, abgesehen von Südosten, zu einem dramatischen Bestandseinbruch in ganz Europa. Insgesamt dürfte die europäische Gesamtpopulation seit 1980 um insgesamt 98 % geschrumpft sein und befindet sich auch heute noch in einem ungünstigen Erhaltungszustand.

Wanderungen

Nur im Nordosten ihres Brutvorkommens ist die Haubenlerche ein Zugvogel, mit vereinzelt nachgewiesenen weiten Wanderungen. In den anderen Teilen des Verbreitungsgebiets und damit auch in Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel, ist sie ein Standvogel.

Bestand und Bestandsentwicklung am Neusiedler See

Historische Daten

R. Zimmermann traf die Haubenlerche in den frühen 1940er Jahren „bei weitem nicht in der auf Grund der Darstellungen früherer Beobachter erwarteten Häufigkeit an, ja, ich mußte sie fast schon als „selten" bezeichnen“. Bezüglich des Lebensraumes schrieb er: „Sie bewohnt im Seewinkel, wie wir dies ja ganz allgemein von ihr kennen, mit Vorliebe Ruderalstellen am Rande der Ortschaften“. Weiters hielt er fest: „Daneben begegnet man unserer Art abseits der Ortschaften noch an trockenen Feldwegen und sandigen, von nur kümmerlicher Vegetation bestandenen Ödflächen“. In den frühen 1950er Jahren schrieben K. Bauer und Mitarbeiter hingegen: „Die Haubenlerche hat sich von dem Tiefstand 1940 gänzlich erholt und ist wieder häufiger und verbreiteter Brutvogel in der Umgebung der Ortschaften und Ödflächen und in Kiesgruben“. In den zwischen obiger Einschätzung vergangenen 50 Jahren hat die Haubenlerche im Seewinkel bis in die 1980er Jahre einen dramatischen Rückgang erfahren. Die letzten Meldungen datieren  aus den 1970er Jahren, obwohl in der weiteren Umgebung mehrere Brutvorkommen (z.B. in Frauenkirchen, Gols und Neusiedl) auch noch in den 1980er und 1990er Jahren existierten.

Aktuelle Erhebungen

Erst 2004 gelangen erstmals seit langer Zeit wieder Nachweise für je ein Revier südlich von Podersdorf und südlich von Illmitz, beide im Bereich von neu errichteten Viehkoppeln. Seither hat sich die Haubenlerche in den Bewahrungszonen des Nationalparks vereinzelt wieder an den Rändern der Dörfer Apetlon und Illmitz etabliert. Sie ist hier lokal meist auf die an den Ortsrändern gelegenen Pferdkoppeln beschränkt, brütet aber vereinzelt auch in anderen Sonderflächen wie z. B. auf einem langjährig genutzten Strohlagerplatz bei Illmitz. In den umliegenden Dörfern des Nationalparks (z. B. Gols, Frauenkirchen, Neusiedl am See) sind zusätzlich ca. 10 jährlich besetzte Brutplätze bekannt.

Bedeutung des Vorkommens

Es handelt sich um ein regional bedeutendes Vorkommen.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Haubenlerchen können im Nationalpark das ganze Jahr über beobachtet werden. Zu den ständig besetzten Habitaten zählen z. B. die Pferdkoppeln an den Ortsrändern von Illmitz und Apetlon, sowie die Parkplätze der Einkaufszentren oder Gewerbegebiete der Dörfer im Seewinkel. 

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Im Nationalpark kommt der Haubenlerche vor allem die Pferdehaltung zugute. Die derzeit noch bestehenden ländlichen Strukturen an den Dorfrändern zählen zu ihren wichtigsten Lebensräumen und sollten deshalb unbedingt erhalten werden. Dabei scheint zurzeit die größte Gefährdung in einer gut gemeinten „Verschönerung der Dorfränder“ zu liegen, welche meist mit einer Versiegelung der Straßen und Wege, einer Bepflanzung und damit einer Eutrophierung der Böden einhergeht.

Weiterführende Literatur

Bauer, K., H. Freundl & R. Lugitsch (1955): Weitere Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedlersee-Gebietes. Wiss. Arb. Burgenland 7: 1-123.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.