Kampfläufer

Calidris pugnax)

Der Kampfläufer ist die häufigste durchziehende Limikolenart des Neusiedler See Gebietes. Der Frühjahrszug beginnt bereits Anfang März und erreicht Anfang April seinen Höhepunkt. Zu dieser Zeit können dann mehrere tausend Individuen im Gebeit sein. Die ersten Altvögel sind bereits in der zweiten Junihälfte wieder rastend auf dem Weg ins Winterquartier an den Lacken zu beobachten.

mehr erfahren...

tl_files/images/Tiere und Pflanzen/Arteninfos/Voegel/kampflaeufer_infotab.png

Merkmale

Der Kampfläufer zeichnet sich durch einen relativ kurzen, kräftigen Schnabel, den für eine Limikole eher gedrungenen Körper und einen relativ langen Hals aus. Ober- und Unterseite sind je nach Kleid unscheinbar bräunlich bis gräulich gefärbt. Die Schnabel- und Beinfärbung ist variabel von grünlich über gelb zu orange und rötlich. Weibchen sind deutlich kleiner als Männchen (22 - 26 cm gegenüber 29 - 32 cm). Spektakulär sind die Männchen im Prachtkleid mit dem kennzeichnenden aufrichtbaren Kragen unterschiedlichster Färbung (weiß, schwarz, braun, rötlich, beige).

Lebensräume

Der Kampfläufer besiedelt feuchte Wiesen in Niederungen, Moore, Seggenwiesen und die feuchte Tundra. In Mitteleuropa werden gerne Lebensräume in Küstennähe aufgesucht. Bevorzugt werden mit Tümpeln und Gräben durchsetzte Wiesen, die einer extensiven Nutzung unterliegen. Allen Bruthabitaten gemeinsam, ist eine kurze Vegetation, die die Fortbewegung der Küken erleichtert. Auf dem Durchzug werden Feuchtbiotope wie Flussmündungen, Schlammflächen von Gewässern, Überschwemmungsflächen oder Feuchtwiesen aufgesucht. Im Binnenland ist der Kampfläufer sehr oft auch auf überstauten oder frisch ausgesäten Ackerflächen anzutreffen.

Verbreitung

Global und national

Der Kampfläufer ist als Brutvogel im Norden Eurasiens vom Norden Europas bis nach Ostsibirien zu finden. In Europa besiedelt der Kampfläufer ein Areal, das von Skandinavien über das Baltikum bis nach Russland reicht. Weiters brütet die Art meist in geringen Zahlen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und Dänemark. Der weitaus größte Bestand ist in Russland beheimatet.

Wanderungen

Der Kampfläufer ist ein Langstreckenzieher, dessen Überwinterungsquartiere südlich der Sahara bis nach Südafrika liegen. In kleineren Zahlen überwintert die Art im Mittelmeerraum, in Westeuropa und in Südasien. Ringfunde aus dem Seewinkel lassen vermuten, dass die durch Ostösterreich durchziehenden Kampfläufer dem Black Sea/Mediterranean Flyway zuzurechnen sind. Diese Vögel ziehen von den Brutplätzen über das östliche Europa, dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer nach Westafrika.

Bestand und Bestandsentwicklung im Neusiedler See Gebiet

Historische Daten

Die Art brütete historisch nur in geringen Zahlen im Neusiedler See-Gebiet und wahrscheinlich auch nur unregelmäßig. Konkrete Brutnachweise stammen aus den Jahren 1885, 1935 und 1940. In den 1950er Jahren wurde die Art noch als seltener Brutvogel betrachtet; im Frühjahr als sehr häufiger, im Herbst als spärlicher Durchzügler. Auffällig ist, dass die damaligen Maxima am Heimzug bei nur 100 - 150 Exemplaren lagen. Der letzte Brutnachweis gelang im Jahr 1955 an der Golser Lacke im nördlichen Seewinkel. Für die 1970er Jahre wurden die Frühjahrsbestände von den größten beobachteten Trupps (3.800 Vögel) auf „wohl 5.000 - 10.000 Individuen“ hochgerechnet, was wohl nicht als aussagekräftige Basis für Vergleiche anzusehen ist.

Aktuelle Erhebungen

Die Situation des Kampfläufers in den europäischen Durchzugsgebieten und damit auch im Seewinkel verläuft sehr dynamisch und war in den letzten Jahrzehnten (und ist auch derzeit) Änderungen unterworfen. Im Nationalpark wurden bislang zweimal (1995 - 2001 und 2011 - 2014) mehrjährige systematische Erfassungsprogramme durchgeführt, deren Ergebnisse hier zusammengefasst werden.

Der Kampfläufer ist sowohl am Heim- als auch am Wegzug die häufigste Limikole des Seewinkels, wobei im Frühjahr sehr viel höhere Bestände im Gebiet anzutreffen sind als im Herbst. Der Frühjahrszug beginnt Anfang März und erreicht Anfang April seinen Höhepunkt. Im Rahmen des von 1995 - 2001 laufenden Zählprogramms wurden zu diesem Zeitpunkt Maximalzahlen zwischen 1.333 und 10.392 Exemplaren festgestellt. Bis Anfang Mai hielten sich noch regelmäßig 1.000 - 1.500 Kampfläufer im Seewinkel auf. Größere Trupps von bis zu 250 Exemplaren wurden noch bis in die dritte Mai-Woche hinein festgestellt. Anfang Juni war der Durchzug dann im Wesentlichen abgeschlossen. In den Jahren 2011 - 2014 bewegten sich die Zahlen der durchziehenden Männchen Anfang April mit 1.100 - 4.700 Vögeln auf einem viel niedrigeren Niveau als in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre. Andererseits wurden 2011 - 2014 Ende April/Anfang Mai mit 1.800 - 4.300 Vögel sehr viel höhere Zahlen festgestellt, die vor allem auf eine Zunahme der durchziehenden Weibchen zurückzuführen sind.

Der Wegzug der Altvögel beginnt in den letzten Junitagen. 1995 - 2001 waren bereits Mitte Juli Tagessummen von über 2.000 Exemplaren erreicht. Der Höhepunkt liegt bereits Ende Juli, die Maxima schwankten in den Jahren 1995 - 2001 zwischen 807 und 3.365 Exemplaren. In den Jahren 2011 - 2014 wurden, mit Ausnahme des Trockenjahres 2012, im Juli sehr hohe Werte festgestellt, mit Maxima 2011 (2.454) und vor allem 2014, als am 20.7. mit 5.964 ein neuer Rekord für den Wegzug festgestellt wurde.  Im Verlauf des August nimmt die Zahl der durchziehenden adulten Vögel kontinuierlich ab. Ende August/Anfang September beginnt der Durchzug der Jungvögel, der aber an Stärke bei weitem nicht an den der Altvögel herankommt und selten Zahlen von mehr als 300 Exemplaren ins Gebiet bringt. Der Herbstzug klingt Mitte Oktober aus, danach können noch bis Anfang November einzelne Vögel beobachtet werden; sehr späte Einzelnachweise gelingen bis Mitte Dezember.

Der Großteil der Anfang April anwesenden Vögel sind Männchen. Erst Ende April ist das Geschlechtsverhältnis dann ausgeglichen und im Mai beträgt der Anteil der Männchen nur mehr 20 %. Diese zeitliche Staffelung ist auf den geschlechtspezifisch unterschiedlichen Abzug aus den afrikanischen Überwinterungsgebieten zurückzuführen (Männchen ziehen 2-3 Wochen früher ab). Bemerkenswert ist jedoch das starke zahlenmäßige Übergewicht der Männchen. Am Wegzug wurde vor allem im Juli eine hohe Anzahl registriert, aber auch im August ist der Kampfläufer noch in größerer Zahl im Gebiet anwesend. Zu diesem Zeitpunkt liegt der Anteil von männlichen Vögeln bei etwa 80 %, womit der Seewinkel auch am Wegzug besondere Bedeutung hat. Der Jungvogelzug ist zahlenmäßig vergleichsweise bedeutungslos. Im September und Oktober ist das Geschlechtsverhältnis ausgeglichen, vereinzelte Jungvögel können noch im November und ausnahmsweise bis Mitte Dezember im Gebiet angetroffen werden.

Das Ausbleiben der großen Zahlen an Männchen zur Monatswende März/April ist jedenfalls einer der auffälligsten Befunde im Zuggeschehen der Limikolen des Seewinkels der letzten Jahre. Der auffällig starke Durchzug der Weibchen im Frühjahr ist jedenfalls ein neues Phänomen der letzten Jahre.

Bedeutung des Vorkommens

Das Neusiedler See Gebiet hat für die Art internationale Bedeutung. Die Bedeutung des Gebietes für den Kampfläufer beruht auf der großen Zahl an adulten Männchen, die zu beiden Zugzeiten den Seewinkel wahrscheinlich zur Kleingefiedermauser nutzen. Die Art stellt dabei hohe Ansprüche an Mauserplätze.

Zeitliches Auftreten und Beobachtungsmöglichkeiten im Nationalpark

Der Kampfläufer kann im Nationalpark von März bis Oktober in allen Gebietsteilen häufig angetroffen werden. Die großen, tausend und mehr Vögel zählenden Gruppen im Frühjahr und im Juli halten sich in erster Linie im Bereich der großen Viehkoppel (Graurinderkoppel, Wasserstätten, Sandeck) südlich von Apetlon und Illmitz auf. Die noch Ende der 1990er Jahre überragende Bedeutung des Arbestaus, südöstlich von Apetlon mit Trupps die aus mehreren tausend Exemplaren bestanden haben, ist hingegen heutzutage nicht mehr gegeben.

Gefährdung - Schutz/Maßnahmen

Die Verteilung der im Seewinkel rastenden Kampfläufer und auch deren Anzahl, haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Dies kann teilweise mit den, seit der Gründung des Nationalparks gesetzten Management-Maßnahmen, in Form der Einrichtung der großen Viehkoppel südlich von Apetlon und Illmitz in Verbindung gebracht werden. Statt in den Wiesengebieten südöstlich von Apetlon, rasten die großen Kampfläufer-Trupps nunmehr in diesem Bereich, der vor 20 Jahren als Rastplatz noch ungeeignet war. Ein Teil der Bestandsveränderungen der letzten Jahrzehnte geht vermutlich auch auf überregionale Entwicklungen zurück, die wenig bis gar nicht mit den lokalen Gebietsmanagement zusammenhängen.

Weiterführende Literatur

Festetics, A. & B. Leisler (1970): Ökologische Probleme der Vögel des Neusiedlersee-Gebietes, besonders des World-Wildlife-Fund-Reservates Seewinkel (III. Teil: Möwen- und Watvögel, IV. Teil: Sumpf- und Feldvögel). Wiss. Arb. Burgenland 44: 301-386.

Kohler, B. & G. Rauer (2009): Bestandsgrößen und räumliche Verteilung durchziehender Limikolen im Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel in den Jahren 1995-2001. Egretta 50: 14-50.

Laber, J. (2003): Die Limikolen des österreichisch/ungarischen Seewinkels. Egretta 46: 1-91.

Zimmermann, R. (1943): Beiträge zur Kenntnis der Vogelwelt des Neusiedler Seegebiets. Ann. Naturhistor. Mus. Wien 54/1: 1-272.